Die päpstliche Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners ist eine politische Angelegenheit - und damit auch Staatssache. Mit ihrem Appell an den Papst hat Angela Merkel reagiert, wie reagiert werden muss.
1871 ließ Bismarck einen Paragraphen ins Strafgesetz schreiben, der es katholischen Geistlichen bei Androhung von Gefängnis verbot, von der Kanzel staatliche Angelegenheiten kritisch zu erörtern: den Kanzelparagraphen.
Sollte das Verhältnis seiner Kirche zum Judentum klären: Papst Benedikt XVI. (© Foto: AFP)
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138 Jahre später formulieren die katholischen Bischöfe mit ihrer Kritik an Angela Merkel einen Kanzlerparagraphen, der es der Kanzlerin untersagen will, kirchliche Angelegenheiten kritisch zu erörtern. Abgeordnete der Union formulieren dabei kräftig mit.
Merkel hat Papst Benedikt aufgefordert, das Verhältnis seiner Kirche zum Judentum zu klären. Die Bischöfe, auch diejenigen, die zuvor selbst den Papst kritisiert hatten, bewerten das als Unverfrorenheit; Politiker der CDU/CSU treten den Bischöfen bei; sie füchten die Unruhe ihrer Wähler.
Sie tun also so, als habe sich Merkel der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht. Das mag einem Traditions-Katholiken, für den der Papst allzeit Stellvertreter Gottes auf Erden ist, so erscheinen.
Merkel hat sich aber nicht in Angelegenheiten des Jenseits eingemischt, sondern ihre Pflicht im Diesseits getan: Die päpstliche Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners war eine politische Angelegenheit.
Die Kanzlerin hat darauf reagiert, wie reagiert werden musste. So wie es der Kirche unbenommen ist, die Politik des Staats zu kritisieren, ist es dem Staat unbenommen, die Politik des Vatikans zu kritisieren. Es gibt kein Zurückhaltungsgebot. Es gibt sogar ein Zurückhaltungsverbot, wenn es, wie bei Bischof Williamson, um die Leugnung des Holocaust geht.
Merkel darf sich auf Papst Bonifatius VII. berufen; von ihm stammt der Satz: Wer schweigt, stimmt zu. Diesen Eindruck durfte sie nicht erwecken.
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(SZ vom 06.02.2009/cag)
Szene München
ich vergaß den Papst: Gegen den hat er auch etwas, klaro.
@: nicknoris: " Ja ja der Prantl.
schon bei Manichel lief er aus der Spur und jetzt beim Papst. Und bestimmt ist er auch gegen Atomkraft und für Mindestlohn."
Prantl muß man positiv sehen und zwar in zweifacher Hinsicht:
1. Er bedient die Klischees von linkslberaler rot-grünen Gutmenschen: es gibt begeisterte JüngerInnen, die es gut finden, was er schreibt)
2. Er bedient nicht die Klischees der anderen Seite (bürgerlich-Konservativer, Rechtsliberaler...).
zu (2) Gehört man dieser Gruppe an, hält man allenfalls etwas von seinem Stil (ist anerkanntermaßen gut), ansonsten von ihm aber nichts. Er ist einfach zu berechenbar, man weiß immer wofür (Menschenrechte, Minderheiten, erneuerbare Energien, Bildungspolitik ...und wogegen er ist (CSU, Katholische Kirche, Atomenergie, Sicherheitspolitik.). Seine Positinen sind bekannt. was immerhin den Vorteil hat, daß man sich eine Menge Zeit sparen kann, wenn man ihn erst gar nicht liest.
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Die Kirche hat das Gewand der Unschuld mit Sicherheit nicht an. Aber ich bin absolut gegen jede einseitige Verurteilung - vor allem bei der Kirche! Die Aussagen, die Sie über die Vergangenheit der Kirche machen sind richtig. Es gibt eine "Blutspur". Die gibt es auch in der deutschen, amerikanische, afrikanischen, europäischen,.... Geschichte. Dennoch scheinen sehr viele Menschen mit besonderer Gereiztheit auf die Kirche zu deuten. Das kann ich nicht nachvollziehen.
Ich war vor zwei Monaten in Nairobi und in umliegenden Dörfern um Familien zu besuchen. Ganz klar: Ohne die katholische Kirche würde hier überhaupt nichts laufen! Die Reichen würden reicher werden, die sozialen Ungleichheiten wachsen - genau wie im gerechten Europa, dass sich auch immer mehr von der Kirche abwendet. Die Kirche leistet dort eine großartige Arbeit!
Auch die Geschichte Europas ist ohne Kirche undenkbar. Bildung ist wohl hier der wichtigste Stichpunkt. Aber auch die Wege zur Demokratie oder der Mauerfall sind durch die Kirche und ihre Vertreter positiv beeinflusst worden.
Also bitte ausreichend recherchieren und eine eigene und nicht nur mediengeprägte Meinung bilden.
"Wenn ich gegen etwas bin, muss ich auch zeigen, wie es besser geht."
Warum dieser Zorn in den Kommentaren? Wer mit Gott ,dem Papst oder der Kirche nichts anfangen kann, den zwingt doch in Deutschland niemand zu "seinem Glück". Aber anscheinend genügt vielen Bürgern das "Recht auf Ungläubigkeit" nicht! Man verachtet leider seine Mitmenschen -die Glauben können und auch möchten- so sehr, dass einem ihr Glaube geradezu Schmerzen verursacht! Warum ist das so? Hassen diese Leute sich selbst dafür, dass ihnen der Glaube fehlt und neiden sie dieses Glück ihren Mitmenschen? Oder will man seinen "Unglauben" anderen aufzwingen? In diesem Fall sehe ich durchaus Parallelen zum früheren Verhalten der Katholischen Kirche.
Paging