Darauf musste Angela Merkel lange warten: Die Kanzlerkandidatin trat bei der CSU auf - und wurde umjubelt. Neben einer kräftigen Schelte für Bundesregierung und Linkspartei gab ausgerechnet Edmund Stoiber Überraschendes von sich: Einen Schutzhelm für Merkel, ein Lob für die 68er und das Bekenntnis: "Ich liebe die FDP nicht."

Zum Wahlkampfauftakt der CSU hat Parteichef Edmund Stoiber Rot-Grün gelobt und den potenziellen Koalitionspartner getadelt. "Deutschland ist heute ein offeneres Land als vor den 68ern", sagte der bayerische Ministerpräsident am Samstag bei einer CSU-Kundgebung mit der Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel in München. Und er gestand auch ehrlich: "Ich liebe die FDP nicht." Die zentrale Botschaft der beiden Parteichefs war freilich eine andere.

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Sichtlich gut gelaunt: Angela Merkel und Edmund Stoiber (© Foto: dpa)

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Weiter abwärts mit Rot-Grün und Dunkelrot oder ein steiniger Weg zurück an die Spitze mit Schwarz-Gelb - das sei die Alternative, sagten Merkel und Stoiber. "Wir wollen dieses Land wieder regieren. Ich möchte Kanzlerin aller Deutschen werden, zum Wohle unseres Landes", sagte Merkel unter dem Jubel von 600 begeisterten CSU-Anhängern. In sieben Woche stehe Deutschland vor "einer Schicksalswahl".

Zu der Kundgebung in einer ehemaligen Reithalle hatte die CSU Mitglieder ihres "Unterstützerteams" geladen. In Filmbeiträgen wurden Arbeiter, Studenten und Rentnerinnen vorgestellt, die anschließend auf dem tiefer liegenden, kreisrunden Podium in der Mitte der Halle persönliche Aufrufe zum Wechsel verlasen.

Anschließend kamen Merkel und Stoiber eine Treppe herunter in die Halle, während ihre Anhänger jubelten und blaue Pappschilder schwenkten: "Wechsel jetzt!" Oder "Aus is, Gerd!" "Da Gerhard Schröder sagt, er würde gern in New York leben, haben wir am 18. September die Gelegenheit, die Wünsche der Deutschen und von Gerhard Schröder gemeinsam zu erfüllen", spottete CSU-Generalsekretär Markus Söder.

Während der Bundeskanzler beim bayerischen SPD-Listenparteitag in Amberg die rosa Brille aufsetzte, malten Merkel und Stoiber in München schwarz. Rot-Grün hinterlasse fünf Millionen Arbeitslose, das schwächste Wirtschaftswachstum Europas und eine Rekordverschuldung. "Sieben Jahre Rot-Grün waren sieben magere Jahre für Deutschland, die Bilanz ist verheerend", sagte Stoiber beim Fernduell.

"Schröder ist gescheitert an den Problemen, nicht an seiner Partei, und deshalb hat er hingeschmissen." Merkel entwarf das Gegenbild einer lichteren Zukunft unter ihrer Führung: "Vorfahrt für Arbeit und Zukunft für unsere Kinder" stellte sie in Aussicht. Die unionsregierten Länder zeigten, dass es besser gehe.

"Wir brauchen Wachstum, wir brauchen Arbeit, wir brauchen Sicherheit." Dazu müsse die soziale Marktwirtschaft wieder auf eine solide Grundlage gestellt werden. Dieser Weg werde hart und beschwerlich, "aber es gibt keine Alternative". Schröder biete nur leere Versprechungen, ohne Arbeit und eine starke Wirtschaft werde Solidarität zur Worthülse.

Warten auf die Luftballons

Die Attacken gegen eine mögliche "rot-rot-grüne Linksfront" überließ Merkel weitgehend Stoiber. "Das wäre eine Katastrophe für unser Land!" Warnte der bayerische Regierungschef. Da sei das Bündnis mit den ungeliebten Liberalen doch die bessere Alternative.

"Mit großer Begeisterung" werde die CSU die gemeinsame Kanzlerkandidatin unterstützen, versprach Stoiber und schenkte ihr für den Aufstieg Seil, Haken und einen "CSU-Abwehrhelm" zum Schutz vor feindlichen Attacken. Merkel versicherte, den weiß-blauen Bergsteigerhelm "nur zu den den richtigen Zwecken und niemals zum Schutz vor der CSU" einzusetzen.

Zum Schluss blickte Söder sehnsüchtig, aber vergeblich nach oben. Der Sack an der Decke, aus dem ein Regen bunter Luftballons auf die Wahlkämpfer niedergehen sollte, blieb zu.

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(AP/Roland Losch)