Merkel im Check Fleißiges Lieschen ohne Vision
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Wie gut ist sie wirklich? Wir haben sueddeutsche.de-Leser gefragt, was sie kurz vor Ende der deutschen EU-Ratspräsidentschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel halten. Wo sind ihre Talente, wo ihre Mankos? Eine Zwischenbilanz des Merkel-Checks.
Ein fleißiges Lieschen ohne Visionen, auf diese Formel lässt sich verkürzen, was sueddeutsche.de-Leser von Bundeskanzlerin Angela Merkel halten - und wo sie ihre Talente und Mankos sehen.
Kanzlerin Angela Merkel: Einige Noten dürften der CDU-Vorsitzenden nicht gefallen.
(Foto: Foto: AP)Insgesamt reichte es für die Kanzlerin, die für ihre politische Arbeit an der Spitze der EU und der G 8 zuletzt viel Lob einheimste, mit 3,35 zu einer durchwachsenen vorläufigen Durchschnittsnote. Ein Blick aufs Zwischenzeugnis (denn der Merkel-Check läuft noch).
Wohlwollend sehen die Leser im Merkel-Check, wie die Kanzlerin ihre preußischen Tugenden pflegt.
Ihre Bestnote erreicht Merkel dann auch in der Disziplin Fleiß (Durchschnittsnote 2,3). Aktenlesen, Bundestagsreden halten und in der Zwischenzeit Kurzmitteilungen schreiben, Merkel zeigt wenig Schrödersche Lässigkeit im Amt und orientiert sich beim Arbeitspensum eher am bayerischen Noch-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Der stand und steht ebenfalls im Ruf, ein überfleißiger Politiker zu sein.
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Fleißig war Merkel dann auch beim EU-Gipfel in Brüssel, bei dem sie in regelrechten Marathonverhandlungen ihre zweitgrößte Stärke voll auszuspielen wusste. Dank ihres Verhandlungsgeschicks (Durchschnittsnote: 2,6), so die Darstellung der Medien in ganz Europa, einigte sich die EU im Verfassungsstreit auf einen Kompromiss, konnten die polnischen Hardliner doch noch in die Spur gelenkt werden. Anders hätte sie sich den Titel "Neue Eiserne Lady Europas", den ihr englische Zeitungen verpassten, kaum verdient.
Zu einer Zwei vor dem Komma reichte es schließlich auch in der Disziplin Auffassungsgabe (Durchschnittsnote: 2,8), was die Kanzlerin als Kompliment verstehen darf. Die sueddeutsche.de-Leser trauen Merkel zu, Probleme schnell zu begreifen und zu analysieren. Ein Talent, das die CDU-Vorsitzende auch in Zukunft brauchen wird, will sie jegliche Störfeuer innerhalb der Großen Koalition schnell erkennen und bekämpfen.
Zu wenig Bürgernähe
Nachholbedarf hat die Kanzlerin aus Sicht der sueddeutsche.de-Leser allerdings in anderen, nicht weniger wichtigen Disziplinen. Ihr größter Schwachpunkt liegt - mit relativ großem Abstand - in der fehlenden politischen Kreativität (Durchschnittsnote 4,1). So gewissenhaft Merkel auch ihre Akten liest und Informationen in sich aufsaugt: Die sueddeutsche.de-Leser bemängeln, dass sie zu wenig ihren Blick in die Zukunft richtet. Eine Vision wollen die Leser in Merkels Politik nicht erkennen.
Zweites großes Manko: die fehlende Bürgernähe (Durchschnittsnote: 3,8). Merkel mag umgarnt sein von den Mächtigen der Welt - unvergessen bleibt der Handkuss des ehemaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac oder die Schultermassage von US-Präsident George W. Bush - zum Volk wahrt sie eine eigentümliche Distanz. Auch wenn ihre Beliebtheitswerte seit der Kanzlerschaft nach oben geschnellt sind: So richtig volksnah wie einst der Oderflut-Kämpfer Schröder kommt Merkel offenbar (noch) nicht rüber.
Was die Kanzlerin aber am meisten beschäftigen dürfte, ist ihr schlechtes Abschneiden im Kriterium "Glaubwürdigkeit" (Durchschnittsnote 3,8). Ausgerechnet die Glaubwürdigkeit, deren Abhandenkommen sie ihrem Vorgänger Schröder vorwarf, ausgerechnet die Glaubwürdigkeit, die sie mit handfester Regierungstätigkeit mit Verzicht auf Luftschlösser wieder zurück in die Politik bringen wollte. Wie sie nun nach dem großen Auftritt auf internationaler Bühne - nach der EU-Ratspräsidentschaft - in innenpolitischen Scharmützeln mit dem Koalitionspartner diese Glaubwürdigkeit zurückerobern will, bleibt abzuwarten.
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