Während die Annäherungsversuche des SPD-Kanzlerkandidaten im Weißen Haus nicht goutiert wurden, mutiert die Kanzlerin zum Lieblingsalliierten des US-Präsidenten.
In Washington ist noch ein Job zu vergeben. Gesucht wird: der beste Verbündete im europäischen Lager. Wenn Angela Merkel in der kommenden Woche Barack Obama im Weißen Haus trifft, dann hat sie gute Aussichten auf den Zuschlag.
Merkel bewirbt sich um die Position des Lieblingsverbündeten der USA - hier bei Obamas Besuch in Deutschland Anfang dieses Monats. (© Foto: AP)
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Die Kanzlerin mutiert zur Lieblingsalliierten - vielleicht auch, weil das Verhältnis zu den Deutschen im Allgemeinen und zur großen Koalition im Besonderen nicht komplikationsfrei war und deswegen jetzt speziell gepflegt werden muss. Merkel spielte die Rolle der Braut, die sich nicht traut: Sie zierte sich, machte sich rar. Nun scheint sie das Jawort zu geben, damit ihr in Washington nicht jener Titel verliehen wird, den einst Margret Thatcher trug: Madame No.
Merkel gerät in diese Rolle dank günstiger Umstände. Auf dem europäischen Kontinent ist das Angebot an politischem Spitzenpersonal überschaubar. Gordon Brown aus London fällt wegen innerer Turbulenzen aus, Nicolas Sarkozy hinterließ in Washington einen gar zu geflissentlichen und oberflächlichen Eindruck. Frankreichs Präsident verspricht viel, liefert aber wenig.
Bleibt also Merkel, die sich noch dazu einer gewissen Wesensverwandtschaft mit Obama erfreuen kann. Beide verstehen sich als politische Quereinsteiger, die es aus einer Minderheitenrolle heraus - er als Schwarzer, sie als ostdeutsche Frau - an die Spitze geschafft haben. Merkel bewundert (und beneidet) Obama wegen seines Charismas. So weit, so harmonisch - wäre da nicht die Taktikerin und Innenpolitikerin Merkel, die im September eine Wahl zu bestreiten hat.
Ihr Herausforderer Frank-Walter Steinmeier hat seinen eigenen Wettlauf um die Gunst in Washington schon gestartet. Aus Sicht der Obama-Mannschaft mit ähnlichem Erfolg wie Sarkozy. Steinmeiers "Offener Brief" an Obama noch vor dessen Inauguration, eine einseitige Interpretation der Prager Rede des Präsidenten zur Abrüstung und der als protokollarisch unpassend empfundene Wunsch nach einem Tête-à-tête im Weißen Haus haben klargemacht, dass der deutsche Wahlkampf die US-Hauptstadt erreicht hat.
Merkels Vorteil ist: Sie fliegt mit dem Amtsbonus über den Atlantik und entschuldigt alle ihre politischen Zögerlichkeiten mit den Zwängen der deutschen Wahlentscheidung. Afghanistan, Nato-Reform, Guantanamo - Merkel sagt nein (auch wenn an einer symbolischen Guantanamo-Geste gearbeitet wird). Stattdessen drängt sie beim Klima und der Finanzmarktreform, aber da könnte der US-Präsident sie abblitzen lassen.
Der Simultanschachspieler Obama wird nicht jede Partie gewinnen können. Beim Klima-Spiel ist die neue Regierung am ehesten bereit, ein Remis auszurufen. Dafür hat Obama andere Pläne. Deutschland soll mehr Verantwortung übernehmen: in Afghanistan, bei der Nato, gegenüber Russland und Iran. Die USA bitten um einen stärkeren und einsatzfreudigen Verbündeten. Eine Antwort wird spätestens nach der Bundestagswahl fällig.
(SZ vom 20.06.2009)
Bundespräsident Gauck
dass sie vor der Wahl nichts zusagen kann, schließlich will sie gewinnen.
Aber sie wird schonmal verbindliche Zusagen für die Zeit danach machen.
So geht das, wenn man seiner Sache sicher sein kann.
Ob mit Rot oder Gelb, die Wiederwahl ist klar.
Ihre einzige Sorge ist doch nur; hoffentlich braucht sie nicht Grün zur Machterhaltung.
Obwohl die auch nicht weiter stören würden.
Das Interesse am Merkelbesuch in USA scheint nicht sehr groß zu sein. Aber immerhin reicht es für einen Merkelanhänger zum rot markieren. Naja, wie so die Angie ihre Hand auf Obamas Schulter sanft plaziert - das hat schon was! Sie ist schon die Lady, die die Mehrheit der deutschen Michels benötigt. Was soll´s!
Es ist die Presse, die etwas aus Frau Merkel macht - auch so etwas, wie eine Lieblingsalliierte der USA. Nee danke! Das ist mir denn doch zu viel Opportunismus! Ein ganz klein wenig Charakter muss auch in der Politik schon sein. Bei Obama finde ich den - bei Frau Merkel nicht!
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auf so jemand wie Angela Merkel hat Obama nur gewartet.
Angela Merkel hat massiv die Irakpolitik von Bush unterstützt.
Angela Merkel hat Obama nicht vor dem Brandenburger Tor reden lassen.
Angela Merkel ist beim Klimaschutz eingeknickt, als es darauf ankam. (Wo drängt denn Angela Merkel beim Klima?)
Klar Obama will als Lieblingsalliiierten eine der engsten Unterstützer von Georg W. Bush, was bis zu privaten Grillfesten in Trinvillershagen und Besuchen auf der Ranch führte.
Weil er sie so toll findet, hat er sie wohl auch ca. 40 Minuten in Baden Baden warten lassen und sie macht erst jetzt (nach Berluskoni) ihren Antrittsbesuch.