Merkel bei Youtube Kanzlerin vor der Hanf-Frage

Ob sie mit dieser Frage gerechnet hat? Maximilian Plenert vom Hanfverband möchte von Angela Merkel wissen, wie sie über die Legalisierung von Cannabis denkt. Die Youtube-Community hat durch ihr Votum das Thema ganz oben auf die Liste der Fragen gesetzt, die die Kanzlerin von heute an in Videobotschaften beantworten wird. Doch Plenert ist auch ohne Antwort schon zufrieden.

Interview: Jakob Kienzle

Maximilian Plenert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Hanfverband, einer Interessengruppe für die deutsche Hanfbranche und private Legalisierungs-Befürworter. Er ist außerdem Sprecher des Bundesnetzwerks für Drogenpolitik bei den Grünen.

sueddeutsche.de: Herr Plenert, Sie haben Angela Merkel gefragt, was sie davon hält, den bestehenden Schwarzmarkt für Cannabis durch einen regulierten Markt zu ersetzen und mehr Suchtprävention über Cannabissteuern zu finanzieren. Ihre Frage steht ganz oben auf Angela Merkels Agenda für den 18. November. Was glauben Sie, wird Ihnen die Kanzlerin antworten?

Maximilian Plenert: Ich denke, sie wird unsere Forderung ablehnen oder die Frage abwiegeln oder ausweichen. Da mache ich mir keine Illusionen. Den größten Effekt hatte die Frage aber schon durch die Medienberichterstattung über sie - das macht eine pauschale Ablehnung der Frage schwierig.

sueddeutsche.de: Die Drogenbeauftragten von CDU und FDP bewerten Cannabis als Einstiegsdroge und warnen vor Verharmlosung. Konsumenten von Cannabis seien anfälliger für harte Drogen. Was sagen Sie dazu?

Plenert: Die Einstiegsdrogenthese wird sowohl von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung als auch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), die nun nicht im Verdacht stehen, Cannabis verharmlosen zu wollen, als haltlos bewertet. Ich denke, dass es keine guten Argumente gegen die Legalisierung von Cannabis gibt. Wer dagegen argumentiert, hat meist nicht verstanden, dass das Verbot weder Probleme löst noch Menschen von einem Konsum abhält.

sueddeutsche.de: Wie stehen Sie zur Forderung der Linkspartei, sämtliche Drogen - also auch harte Drogen wie Heroin - zu legalisieren?

Plenert: Auch darüber muss nachgedacht werden. Viele Argumente für die Legalisierung von Cannabis treffen auch auf sogenannte harte Drogen zu. Das Elend der Menschen, die von diesen Drogen abhängig sind, wird durch die Repressionen der Strafverfolgung nur verschärft.

sueddeutsche.de: Hätten Sie damit gerechnet, dass es Ihre Frage im Ranking auf den ersten Platz schafft?

Plenert: Diese Frage betrifft mehrere Millionen Bürger, die zumindest gelegentlich Cannabis konsumieren und für die die Strafverfolgung die schlimmste Nebenwirkung darstellt. Diese Menschen sehen, dass das Thema Cannabis in Deutschland kaum diskutiert wird, und wenn, dann meist sehr unsachlich. Von der Regierung kommt nur ein hilfloses "Weiter so!". Dabei stehen die Zeichen der Zeit längst auf Debatte.

sueddeutsche.de: Warum nutzen Sie gerade diesen Weg, eine Frage an die Kanzlerin zu stellen?

Plenert: Für einen kleinen Verband wie den unsrigen ist es schwer bis unmöglich, auf normalem Wege in die Presse zu kommen. So blieb unsere Petition "Cannabiskonsumenten entkriminalisieren" mit mehr als 30.000 UnterzeichnerInnen in den Printmedien meist unerwähnt. Über diese Petition haben wir aber ein breites Netzwerk an Unterstützern bei Facebook, Youtube, in Blogs und Foren aufbauen können, das wir bei der Abstimmung über die Fragen wieder nutzen konnten.