Was nach knapp zwei Jahren Kanzlerschaft Merkels zu betrachten ist, ist eine zunehmend brillierende und mutige Auswärts-Kanzlerin und eine nach wie vor tastende und zaghafte Heim-Kanzlerin. Wer nur auswärts stark, aber zu Hause schwach ist, gewinnt keine Fans.
Drei Tage Heiligendamm in zwei Sätzen und einer Frage? Erstens: Angela Merkel hat einen beachtlichen politischen Erfolg zustande gebracht und in der Klima-Vereinbarung US-Präsident George W. Bush mehr abgerungen, als zu erwarten war. Zweitens: Es wird ihr innenpolitisch wenig nutzen. Drittens: Warum gibt es diese Kanzlerin nicht in einer innenpolitischen Ausführung?
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Außen-Kanzlerin Merkel auf ihrem Terrain: In Heiligendamm glänzt Merkel einmal mehr. (© Foto: dpa)
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Heiligendamm wird in doppelter Hinsicht eine politische Chiffre bleiben. Der Name des Ostseebades wird stehen für den Tag, an dem der US-Präsident die Macht eines konsequent einig agierenden Europa zu spüren bekam.
Und es wird stehen für eine Entfremdung und Distanz von Politik und Politikern zur Bevölkerung, wie man es in dieser Dimension noch nicht erlebt hat.
Der G-8-Gipfel von Heiligendamm war im buchstäblichen Sinne weit weg von den Menschen. Politik hat in der griechischen Polis, also mitten auf dem Marktplatz, begonnen. In diese Mitte der Menschen gehört sie auch.
In Heiligendamm hingegen hatten die politischen Akteure versucht, sich abzuschotten von den Leuten, von denen sie gewählt werden und in deren Sinne sie zu handeln verpflichtet sind.
"Wir sind das Weltvolk!"
Es war, als hätten sich die Gipfelteilnehmer auf einem anderen Planeten versammelt. Der friedliche Durchbruch der Demonstranten, bei dem sie mittels Masse durch die Polizeiketten förmlich diffundierten, war ein Triumph über diesen extremsten Abschottungsversuch der Politik, den es bisher gab.
"Wir sind das Weltvolk!", schrieben die Demonstranten den Staats- und Regierungschefs mit ihren Aktionen hinter die Ohren. "Ihr könnt euch zurückziehen, wie ihr wollt, wir werden euch so nah wie möglich auf die Pelle rücken." Und das gelang.
Die Sympathie gehörte eindeutig denen da draußen, sei es im Roggenfeld, sei es auf den Ostsee-Wellen, und nicht denen da drinnen. Die wilde Jagd des Greenpeace-Schlauchbootes durch ein knappes Dutzend Polizeiboote symbolisierte den Triumph ebenso wie der Durchbruch bis an den Zaun.
Der moralische Sieg in dieser Auseinandersetzung geht an die Demonstranten. Der furchtbare Auftakt von Rostock am vergangenen Wochenende erwies sich nicht als böses Omen, sondern als hässlicher Ausrutscher weniger, den die phantasievolle und weitgehend friedliche Protestkultur vieler beinahe vergessen machte.
Brot und Wasser, es könnte nicht symbolhafter sein, bekamen die Protestierer auf ihrem Marsch von der örtlichen Bevölkerung gereicht, bis die Behörden in ihrer Not das Wasser in manchen Orten abdrehten. Wenn die Staatsmacht so vorgeht, hat sie verloren und ihre Ohnmacht eingestanden.
Show wie bei Schröder
Der Gipfel mag also möglicherweise die Gräben zwischen den Weltenlenkern verkleinert haben und in diesem Sinne seiner ursprünglichen Kaminzimmer-Idee gerecht geworden sein. Den Graben zwischen Volk und Regierung hat er weiter ausgehoben.
Angela Merkel ist es zwar auf bemerkenswerte Weise gelungen, George W. Bush im Klimastreit ganz langsam und immer ein Stück weiter auf die Matte zu drücken und dann mit einer flinken Bewegung einen Schultersieg herbeizuführen. Ohne bisher als Medienkanzlerin apostrophiert zu sein, hat sie diesen Triumph im Übrigen aufs Feinste inszeniert und dafür gesorgt, dass sie die Kanzlerin aller Kanäle war. Spätestens nach Heiligendamm sollte keiner mehr glauben, Merkel mache weniger Show als ihr Vorgänger.
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Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Das ist der Gipfel:
Viel Geld für für viel Wind !
Walter Wasilewski
Korrekt. Denn hier wählt man seit geraumer Zeit "das kleinere übel".
Kein Politiker der Welt wird es auf Dauer überleben, an den wirklichen Problemen und den tatsächlich und unmittelbar Betroffenen in gewohnter Weise vorbeizureigieren, auch die G-8 'ler nicht. In Heiligendamm hat sich ein anachronistischer Politikstil noch einmal aufgebäumt, bevor er, für viele unbemerkt, zu Grabe getragen wurde. Wer glaubt, sich politisch weiter mit Propaganda und diplomatischen Noten über Wasser halten zu können, wird sehr in Zukunft sehr schnell absaufen. Wenn die Menschen des bisher reichen Nordens durch die Folgen des Klimawandels und die Massenverarmung, welche der neoliberale Kapitalismus vor allem durch Lohndumping erzeugt, in spürbare Exístenznot geraten werden, wird es für Merkel und Kollegen eng. Da wird kein Zaun mehr hoch und kein Polizeiaufgebot groß genug sein, um das Volk unter Kontrolle und außerhalb jeder Entscheidungsbefugnis zu halten. Eine Demokratie, die den "Normal-Bürger" und seine Interessen immer weniger repäsentiert, zieht automatisch wachsenden Unmut und Widerstand auf sich. Damit braucht sie keine Bedrohung von außen mehr. Die inneren Widersprüche genügen voll auf.
Die repräsentative Demokratie ist in Heiligendamm still und friedlich entschlafen. Das Zeitalter der "direkterer" Formen der Demokratie hat begonnen und wirft seine Schatten voraus.
"Ernsthaft": Haben Sie sich nicht auch gewundert, dass der "liebe George" andernmorgens in Heiligendamm so unpäßlich und erstmal dienstunfähig war ? Was hatte ihm denn wohl derart auf den Magen geschlagen? Etwa die Aussicht, am Nachmittag einen der dicken Polen-Zwillinge herzen zu müssen, ohne zu wissen, welcher von beiden es gerade ist? Etwa die unverschämte Drohung seines vermeintlich neuesten "Pudels" Sarkozy, wegen seiner Sturheit abzureisen? Die Trauer um den Abschied von seinem Bauchredner Blair? Oder gar die ach so selbständige, kompromisslose, stets das offene und originelle Worte suchende Regierungskunst der Bundeskanzlerin, die ihm während der 75 Minuten trauten Vier-Augen-Gesprächs wer weiß was versprochen haben dürfte, damit er wenigstens butterweich irgendetwas für irgendwann "in Erwägung zieht" und damit die nicht nur von Bild, schon auch vom Spiegel, zum Glück nicht von der wie immer journalistisch unbestechlichen SZ, gnadenlos hochgejubelte "Miss World" als "Gipfelgewinnerin" - gegen wen..? - dastehen läßt.
Njet - die Wahrheit kennt niemand anderes als Genosse Putin. Der saß beim Dinner zuvor ganz in der Nähe seines Ami-Kollegen... Und wie gefährlich Abendessen in russischer Gesellschaft sein können, weiß man ja, Stichwort Ukraine, Stichwort London. Auf geht´s, CIA, ihr werdet das schon rauskriegen!
Im übrigen bin ich der Meinung, daß die USA noch viel, viel mehr Hurrikane bräuchten, am besten ein paar über Washington DC.
Oder zumindest einen anderen Präsidenten.
Paging