Von Tomas Avenarius

Ob Iran, Pakistan oder Usbekistan: In der islamischen Welt werden Menschenrechte mit Füßen getreten. Doch dafür ist die Politik verantwortlich.

In Sachen Menschenrechte ist es um die islamische Welt miserabel bestellt. Die meisten Staaten sind Folterstaaten: Ob Ägypten, Syrien, Iran, Pakistan oder Usbekistan - die Menschenwürde wird systematisch mit Füßen getreten. Nicht besser sieht es bei anderen Grundrechten aus.

Mit Folterbildern aus Abu Ghraib warnt das iranische Regime vor den USA

Mit Folterbildern aus Abu Ghraib warnt das iranische Regime vor den USA (© Foto: AFP)

Anzeige

Die Rechtssysteme der meisten islamischen Staaten, entstanden in Anlehnung an das französische, britische oder deutsche Vorbild, mögen auf dem Papier vorbildlich sein. In der Praxis erweisen sie sich als mangelhaft. Gründe dafür sind Richter, die sich den Wünschen ihrer Regime unterwerfen, korrupte Polizeistrukturen und allmächtige Geheimdienste.

Mit dem Islam als Religion hat dies nicht viel zu tun, sondern mehr mit den gewachsenen Machtverhältnissen. Die Mehrheit der arabischen Staaten wird von Königen, Emiren, Diktatoren oder auf Lebenszeit regierenden Autokraten geführt. Und auch die anderen islamischen Staaten sind kein Vorbild. Auch dort sind Wahlen - abgesehen von der Türkei und einzelnen südostasiatischen Ländern - mehr Akklamation denn faire Konkurrenz um die beste Regierung.

Tatsächlich aber bringt der Islam als solcher - und vor allem sein seit dem siebten Jahrhundert ausgebildetes kulturelles Umfeld - Synchronisationsprobleme mit sich, wenn es um die Angleichung an westliches Rechtsverständnis geht. Und damit um die Menschenrechte selbst.

Die Debatten um die Stellung der Frau und der Streit um die Rechtmäßigkeit der in der Scharia festgelegten brutalen Körperstrafen drehen sich seit Jahrzehnten im Kreis. Konservative Muslime betonen die unwiderrufliche Vorherrschaft göttlichen Rechts vor allen menschlich geschaffenen Rechtssystemen: Die Scharia beruft sich auf Teile des von Gott verkündigten Korans und die Weisungen des Propheten Mohammed. Hinzu kommen über Jahrhunderte gesammelte Rechtsauslegungen islamischer Juristen und Theologen.

Lesen Sie weiter, worin sich Scharia und Menschenrechte widersprechen - und warum manche islamische Rechtsgelehrte keinen Widerspruch sehen.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Die Scharia und die Menschenrechte
  2. Die Scharia und die Menschenrechte
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...