Menschenrechte Kongolesischer Frauenarzt erhält Sacharow-Preis

Denis Mukwege hat seit den neunziger Jahren Tausende Frauen behandelt, die Opfer von Gruppenvergewaltigungen oder Unterleibsverletzungen wurden.

(Foto: Hugues Honore/AFP)
  • Denis Mukwege aus dem Kongo operiert Frauen, deren Körper durch Vergewaltigungen schwer verletzt wurden. Dafür erhält er nun den Sacharow-Preis des Europaparlaments.
  • Der 59-Jährige folgt mit der Auszeichnung prominenten Politikern wie Nelson Mandela nach.

Mehrere tausend Frauen operiert

Für seinen Einsatz zugunsten vergewaltigter Frauen wird der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet. Damit honoriere das Europaparlament den Kampf des Arztes für Frauen, die Opfer von Gruppenvergewaltigungen wurden, sagte Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) in Straßburg.

Der 59-jährige Gynäkologe Mukwege operiert seit Jahren Frauen, die Opfer von Gruppenvergewaltigungen wurden und deren Geschlechtsorgane oft schwer verletzt wurden. Nach Angaben des Europaparlaments ist Mukwege ein weltweit anerkannter Spezialist für das Rekonstruieren von weiblichen Geschlechtsorganen und hat mehrere tausend Frauen operiert, die während des Bürgerkriegs vergewaltigt wurden.

Demnach setzt sich Mukwege auch für die soziale und moralische Rehabilitation von Vergewaltigungsopfern im Kongo ein, wo die betroffenen Frauen oft von der Gesellschaft an den Pranger gestellt werden. Er ist Gründer des Panzi-Krankenhauses in der kongolesischen Stadt Bukavu, wo er auch arbeitet. Bereits 2013 war Mukwege mit dem sogenannten Alternativen Nobelpreis ("Right Livelihood Award") ausgezeichnet worden.

Europaparlament lädt Vertreter der Euromaidan-Bewegung ein

Das Parlament beschloss zugleich, Vertreter der proeuropäischen Euromaidan-Bewegung, die seit Monaten für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine kämpft, zur offiziellen Preisvergabe einzuladen. Diese ist am 26. November in Straßburg geplant. Die Euromaidan-Vertreter sollen bei dieser Gelegenheit offiziell gewürdigt werden. Die Bewegung war für den Preis nominiert, genauso wie Leila Junus, die sich in Aserbaidschan für die Rechte von Minderheiten und die Aussöhnung mit dem Erzfeind Armenien einsetzt.

Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte und mit 50 000 Euro dotierte Preis wird seit dem Jahr 1988 an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich auf vorbildliche Weise für Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Über die jährliche Vergabe des Sacharow-Preises entscheiden der Präsident des Parlaments und die Vorsitzenden der Fraktionen.

Im vergangenen Jahr wurde die bei einen Taliban-Anschlag lebensgefährlich verletzte pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai mit dem Preis ausgezeichnet. Sie erhielt dieses Jahr auch den Friedensnobelpreis. Weitere frühere Träger des Sacharow-Preises waren der ehemalige südafrikanische Präsident und Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela, der Vater des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, der chinesische Dissident Wei Jingsheng, die birmanische Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi und der kubanische Bürgerrechtler Guillermo Fariñas.