"Trotzdem hab ich ja gesagt." Juanita Castro, Schwester von Raúl und Fidel, hatte sich dem Erzfeind ergeben. Sie hat für die CIA spioniert. Jetzt erscheinen ihre Memoiren auf 432 Seiten.
Mit diesem Geständnis hat wohl tatsächlich niemand gerechnet: Juanita Castro, kleine Schwester von Fidel und Raúl Castro, hat für die CIA gearbeitet. Unter dem Decknamen "Donna" hat Juanita Castro den vom Regime ihrer Brüder Verfolgten geholfen.
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Fühlt sich nicht als Verräterin: CIA-Spionin Juanita Castro, Schwester von Fidel und Raúl. (© Foto: AP)
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Sie hat Oppositionellen im Haus ihrer Mutter Unterschlupf gewährt oder "Informationen und Geld in Blechdosen" zu anderen CIA-Spionen auf der Karibikinsel geschmuggelt. Alles unter den Augen des großen Bruders.
Juanita Castros Geständnis ist nun unter dem Titel "Fidel und Raúl, meine Brüder. Die geheime Geschichte" in Buchform erschienen. In ihren Memoiren erzählt Castro, dass sie sich während ihrer Kollaboration mit "dem Erzfeind" des Revolutionsführers und großen Bruders nie als Verräterin gefühlt habe. "Ganz einfach", sagt die 76-jährige, zierliche alte Frau in einem Fernsehinterview bestimmt, "es war Fidel, der uns betrogen hat."
Betrogen habe der Máximo Líder Tausende Kubaner, die mit ihm für die Revolution gekämpft hätten - im Glauben, dass Fidel Frieden, Demokratie und "mehr Gerechtigkeit" für Kuba bringen würde. Den bewaffneten Kampf ihres Bruders gegen den Diktator Fulgencio Batista habe sie aus ganzem Herzen unterstützt.
In ihrer Biographie, die die mexikanische Journalistin Maria Antonieta Collins aufgeschrieben hat, erzählt Castro von der "gewaltigen Enttäuschung", die sie verspürt habe, als sie sah, wie der eigene Bruder Regimegegner grausam verfolgen ließ und "mehr und mehr zum Kommunisten wurde".
Gegen Socialismo o Muerte
Desillusioniert habe sie deshalb Anfang der sechziger Jahre das Angebot einer Freundin, der Ehefrau des brasilianischen Botschafters in Kuba, angenommen und den Bruder ausspioniert.
Zuerst, sagt die Apothekerin, sei sie ob des Angebots tatsächlich "eher schockiert" gewesen. Trotzdem habe sie ja gesagt. Informationen an sie, "Donna", wurden im Radio mit Melodien aus der Puccini-Oper "Madame Butterfly" verschlüsselt. Allerdings habe sie sich ausbedungen, nie an Aktionen beteiligt zu sein, die sich unmittelbar gegen ihre Brüder richteten. "Ich verabscheue Gewalt", erklärte sie der spanischsprachigen amerikanischen Zeitung Nuevo Herald.
Nach drei Jahren als Spionin floh Castro schließlich von Kuba nach Mexiko. Mit ihrem Bruder Raúl, mittlerweile Staatschef in Havanna, habe sie zum letzten Mal 1964 gesprochen. Sie ist das fünftälteste von sieben Castro-Geschwistern.
Außer dem gedruckten Überraschungscoup, der am Montag in Spanien, Kolumbien, Mexiko und den USA in die Buchläden kam, wird es ein achtteiliges Fernsehinterview von Juanita Castro mit dem spanischsprachigen Fernsehsender Noticias Univision 23 geben.
Die Arbeiten am Buch, wie auch die Fernsehaufzeichnungen sollen unter strenger Geheimhaltung stattgefunden haben.
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(sueddeutsche.de/gba)