Güllner: Die SPD wird schon noch gebraucht. Ohne die SPD würden viele Menschen ihre politische Heimat verlieren. Viele sind ja auch willens, SPD zu wählen. Das war schon im Wahlkampf 1986/87 so. Aber Johannes Rau musste gegen seine eigene Überzeugung einen Programmwahlkampf führen, den die Wähler nicht akzeptierten. Wir haben kurz vor der Wahl 1987 eine Umfrage gemacht und da haben die Menschen gesagt, die Partei hätte Rau so verbogen, dass er nicht mehr Rau ist. Und dann kam Lafontaine, aber der war überhaupt nicht wählbar, genau wie Scharping. Erst Schröder hat die SPD wieder für eine breitere Mehrheit wählbar gemacht.

gerhard schroeder, ddp

Güllner zur Agenda-Politik von Gerhard Schröder: "Agenda 2010 und Hartz IV sind schreckliche Chiffren" (© Foto: ddp)

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sueddeutsche.de: Es kommt also doch auf die Person an, die vorne steht.

Güllner: Sicher. Schon Adenauer hat plakatieren lassen: Auf den Kanzler kommt es an.

sueddeutsche.de: Es sieht so aus, als falle in der SPD die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten zwischen Beck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Steinmeier hat durch die Bank die bessere Umfragewerte, was auch mit seinem Amt zu tun haben dürfte. Kann er der Retter der SPD sein?

Güllner: Wenn man glaubt, mit Steinmeier alleine könne man die Rettung der SPD herbeiführen, dann ist das natürlich falsch, das wird nicht gelingen. Er ist aber sicher im Moment der Einzige in der Partei, dem zuzutrauen ist, die Vertrauensverluste der Beck-Ära zum Teil wieder gut zu machen.

sueddeutsche.de: Warum kann Beck das nicht mehr?

Güllner: Beck hat zur aktuellen Misere der SPD ganz erheblich beigetragen. Er hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Beck ist dabei, die SPD zu ruinieren. Das heißt: Beck muss in jedem Fall weg. Wenn er ein bisschen Größe hätte, würde er das einsehen und die Konsequenzen ziehen.

sueddeutsche.de: Ist das dann die Lösung?

Güllner: Nein, aber die Voraussetzung für einen Neuanfang und vielleicht sogar für eine Renaissance der SPD. Steinmeier würde sicher ein besseres Ergebnis für die SPD erzielen als Beck. Aber seine Nominierung alleine rettet noch nicht die SPD.

Lesen Sie im dritten Teil, warum beide große Volkparteien derzeit in Meinungsforschungen so schlecht abschneiden

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