Ernüchternde Ehrlichkeit: Die meisten Hoteliers wollen Steuersenkungen nicht an ihre Kunden weitergeben. Die CSU hatte sich die Hilfen für Gastwirte anders vorgestellt.
Die Hotelbetreiber wollen nur einen geringen Teil der geplanten Mehrwertsteuersenkung an ihre Gäste weitergeben. Das räumt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf einer neuen Internetseite ein, mit der er für die Durchsetzung seiner Steuerforderung wirbt (www.prosiebenprozent.de).
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Wunsch und Wirklichkeit: Während die CSU mit der Senkung der Mehrwertsteuer den Wettbewerb zum Nachbarland Österreich entschärfen wollte, haben die Gastwirte andere Pläne. (© Foto: dpa)
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Auf der Seite wird unter anderem eine Umfrage unter 5700 Verbandsmitgliedern präsentiert, derzufolge die Hotel- und Gasthofbesitzer nur 20,3 Prozent des Steuernachlasses für Preissenkungen verwenden wollen. Das widerspricht dem Argument der CSU, die Mehrwertsteuerermäßigung von 19 auf sieben Prozent sei erforderlich, weil die bayerischen Gastwirte aufgrund zu hoher Zahlungen an den Fiskus im Preiswettbewerb mit ihren österreichischen Konkurrenten benachteiligt seien.
Machen die Hoteliers ihre Ankündigung wahr, werden Geschäftsreisende und Urlauber den Steuernachlass kaum zu spüren bekommen. Ein Beispiel: Muss ein Gast für eine Übernachtung inklusive Mehrwertsteuer derzeit 100 Euro zahlen, würden künftig 98 Euro fällig. Die für die Betriebe verbleibene Entlastung von rund acht Euro könnte der Hotelbesitzer einstreichen. Laut Umfrage wollen die Hoteliers den größten Teil des Geldes in den Ausbau und die Renovierung ihrer Häuser sowie in Lohnerhöhungen und Fortbildungsmaßnahmen stecken. Ein Zehntel des Zugewinns wollen sie auf das eigene Konto überweisen.
In einer Anhörung des Bundestages hatten Finanzwissenschaftler das Vorhaben mehrheitlich als Steuergeschenk ohne volkswirtschaftlichen Nutzen bezeichnet. Insgesamt rechnet die Bundesregierung durch die niedrigere Mehrwertsteuer auf Übernachtungen mit Einnahmeausfällen von rund einer Milliarde Euro. Weil die schwarz-gelbe Koalition keine Gegenfinanzierung plant, wird das Geld durch neue Schulden aufgebracht. Mehr als die Hälfte geht zu Lasten des Bundes, der im kommenden Jahr ein Defizit von 86 Milliarden Euro aufweisen wird.
Rein rechnerisch müsste jeder der gut 45.000 Hotel- und Herbergsbetriebe von 2010 an etwa 22.000 Euro weniger Mehrwertsteuer zahlen als derzeit. Wie hoch die Entlastung im Einzelnen ausfällt, hängt von der Höhe des tatsächlichen Umsatzes ab. Große Hotels profitieren stärker als kleine Landherbergen. So verzeichnet etwa das Berliner Adlon jährliche Einnahmen aus Übernachtungen von geschätzt 19 Millionen Euro. Setzt die schwarz-gelbe Koalition ihre Pläne durch, könnte das zur Kempinski-Gruppe gehörende Luxushotel rund 1,8 Millionen Euro mehr Gewinn machen.
Ob das Vorhaben der Koalition die Zahl der dienstlichen Übernachtungen - wie vom Dehoga erhofft - tatsächlich wieder in die Höhe treibt, ist fraglich, denn für Geschäftsreisende und ihre Firmen bringt die Reform auch Nachteile mit sich. Geben die Hotels die Steuersenkung nicht weiter, steigen die Ausgaben für solche Übernachtungen sogar an.
Das hat der Berliner Betriebswirtschafts-Professor Jochen Hundsdoerfer berechnet: Kostet derzeit eine Übernachtung mit 19 Prozent Mehrwertsteuer 119 Euro, so konnte sich das Unternehmen des Geschäftsreisenden 19 Euro vom Finanzamt zurückholen. Seine Nettobelastung betrug also 100 Euro. Sinkt nun die Mehrwertsteuer, die Übernachtung kostet aber weiterhin 119 Euro, bekommt er nur noch 7,79 Euro erstattet.
Dessen ungeachtet weitete der Finanzausschuss des Bundestags die Regelung am Mittwoch sogar noch auf Campingplätze aus. Kurzurlauber sollen demnach nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer zahlen; für Dauercamper bleibt es hingegen bei 19 Prozent. Obwohl beinahe alle Finanzpolitiker von Union und FDP die gesamte Mehrwertsteuersenkung eigentlich als "Unsinn" ablehnen, stimmten sie dem Gesetzentwurf im Ausschuss zu. Der Grund: Das Paket enthält neben dem Steuerrabatt für Hotels auch die versprochene Erhöhung des Kindergeldes sowie Änderungen der Unternehmen- und der Erbschaftsteuerreform.
"Wenn 13 von 14 Einzelpunkten sinnvoll sind und nur einer sinnlos ist, muss man zustimmen", sagte der CDU-Finanzexperte Olav Gutting. Dem widersprach der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider: "Merkel und Schäuble müssen künftig jedes Jahr mindestens zehn Milliarden Euro einsparen. Vorher gönnen sie aber einer kleinen Lobbygruppe noch mal einen großen Schluck aus der Pulle. Diese zunehmende Verantwortungslosigkeit ist ein Skandal", sagte Schneider der SZ.
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(SZ vom 03.12.2009/bica)
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Zitat: "Merkel und Schäuble müssen künftig jedes Jahr mindestens zehn Milliarden Euro einsparen. Vorher gönnen sie aber einer kleinen Lobbygruppe noch mal einen großen Schluck aus der Pulle."
Der wesentliche Punkt ist doch: Diese Schnappsidee wurde von unserm Horst Seehofer im Wahlkampf zur glorreich vergeigten Bundestagswahl penetrant herumposaunt. Zu halten war dieser "Sieger" damit nur noch, wenn er in den Koalitionsverhandlungen erreichen konnte, dass der von ihm zuvor verzapfte Unsinn, dann auch über das Volk kommt. Dazu haben sich Merkel und Westerwelle verpflichtet - und nun rennen selbst die, die es in CDU und FDP besser wissen, diesem Unsinn hinterher, stimmen dafür und machen damit als Sperrspitze das als unsinnig Erkannte zugleich zur Realität.
Oder in Kurzform: Da verzichtet unser von den Politikern an sich gerissener Staat jedes Jahr auf eine Milliarde Einnahmen, damit unser Horst XIV. Seehofer weiterhin MInisterpräsident und CSU-Vorsitzender bleiben und die über 60jährigen hinausdrängen kann.
Danke! Dafür wollte ich mein Geld doch schon immer sehr gerne ausgeben! Ich wusste es bisher bloß noch nicht.
Zitat:"Wenn 13 von 14 Einzelpunkten sinnvoll sind und nur einer sinnlos ist, muss man zustimmen", sagte der CDU-Finanzexperte Olav Gutting."
Wenn 13 von 14 Einzelpunkten sinnvoll sind, dann streicht man den nicht-sinnvollen Einzelpunkt bevor man dem Rest zustimmt. Alles andere ist Unsinn.
"Laut Umfrage wollen die Hoteliers den größten Teil des Geldes in den Ausbau und die Renovierung ihrer Häuser sowie in Lohnerhöhungen und Fortbildungsmaßnahmen stecken. Ein Zehntel des Zugewinns wollen sie auf das eigene Konto überweisen."
Den Ausbau & Renovierung der Hotels werden kaum die Angestellten selber machen, sondern Handwerker. Damit wird der Mittelstand gefördert.
Fortbildungsmaßnahmen lösen Umsätze bei Fortbildungsanbietern aus.
Erhöhte Gehälter für Angestellte und erhöhte Gewinne für Besitzer werden den Konsum fördern.
Unter Umständen ist die Wirkung der Mehrwertsteuersenkung also viel größer als von der CSU beabsichtigt.
Das ist eine Lektion für die Politik: schreibt den Menschen nicht vor, wie sie ihr Geld auszugeben haben! Senkt Steuern, vielleicht sogar die Mehrwertsteuer auf alle Waren und Dienstleistungen und die Konjunktur brummt.
"Das Dumme ist nur, dass der Dumme immer derselbe ist: Der Arbeitnehmer, respektive Steuerzahler. "
Da fragt man sich natürlich, warum der Dumme nichts dazulernt: Der Intelligenztest findet alle 4 Jahre in der Wahlkabine statt :o))
Gruß Balldieb
Statt der Reduzierung der Mehrwertsteuer für Übernachtungen, sollte die Mehrwertsteuer für Essen und Getränke in den Gaststätten und Restaurants reduziert werden. Damit die unsinnige Unterscheidung von in Haus und Verkauf ausser Haus wegfällt. Das würde vieles vereinfachen und jede Menge Bürokratie ersparen. Wenn ich meine Mahlzeit oder meinen Kaffee in der Gaststätte verzehre bezahle ich 19% MwSt. und wenn ich das ganze mitnehme sind nur 7 % MwSt. fällig.
Dies ist der größte Unsinn, Wenn zumindest für die Mahlzeiten ein einheitlicher Steuersatz, wie für Lebensmittel üblich von 7 % MwSt. berechnet wird und meinetwegen für Getränke 19 % MwSt., wäre dem Gastgewerbe und seinen Kunden mehr geholfen.
Im Hotelgewerbe kommt die Reduzierung nicht beim Kunden an, für den Arbeitsmarkt ist es irrelevant, da die Hotels nicht ins Ausland verlagert werden können. Was fehlt sind attraktive Angebote, aber auch da gibt es Fortschritte und der Trend zum "Urlaub in Deutschland" nimmt zu.
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