Erst sorgten NPD-Abgeordnete während der Gedenkminute zum Beginn des NS-Staates für einen Skandal. Nun provozierten die Rechtsextremen im Schweriner Landtag erneut.

Einen Tag nach ihrem Boykott einer Gedenkminute für NS-Opfer hat die NPD am Donnerstag im Landtag von Mecklenburg- Vorpommerns schon wieder provoziert.

Skandal im Schloss: NPD-Abgeordnete im Schweriner Landtag weigerten sich, während einer Gedenkminute zum Beginn des NS-Regimes aufzustehen. (© Foto: dpa)

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Fraktionschef Udo Pastörs forderte in einer Rede eine Studie über die "Kostenwahrheit der Einwanderung". Dabei benutzte er ausländer- und judenfeindliche Formulierungen. Er sprach von Schmarotzertum und wandte sich gegen die Einwanderung von Juden.

Landtagsvizepräsidentin Renate Holznagel (CDU) erteilte einen Ordnungsruf. Als ihr aus der NPD darauf "Willkür" vorgeworfen wurde, unterbrach sie die Sitzung und berief den Ältestenrat ein.

In scharfer Form haben die Schweriner Landtagsfraktionen währenddessen die von SPD, CDU, Linke und FDP geäußerte Kritik am Umgang des Parlaments mit der NPD zurückgewiesen.

Sie hielten Bundestags- Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung vor, sie maße sich "ungetrübt von Sachkenntnis der realen Situation" ein Urteil an, "das ihr nicht zusteht".

Die Grünen-Politikerin hatte bemängelt, dass Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) die Parlamentssitzung nach dem Eklat am Mittwoch kommentarlos fortgesetzt hatte.

Die sechs NPD-Abgeordneten waren demonstrativ sitzen geblieben, als Bretschneider zu einer Gedenkminute aus Anlass des 75. Jahrestags der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten aufgefordert hatte.

Göring-Eckardt hatte der Bild-Zeitung gesagt: "Dieser Vorfall zeigt deutlich, welch Geistes Kind die NPD ist. Hier einfach zu schweigen und zur Tagesordnung überzugehen, erleichtert es den rechtsradikalen Ideologen, ihr menschenverachtendes Gedankengut zu verbreiten."

In der Erklärung der Fraktionen hieß es dagegen: "Öffentliche Belehrungen in dieser Frage sind nicht nur beleidigend, sondern auch grob fahrlässig." Sie luden Göring-Eckardt nach Schwerin ein, um sich selbst "mit der Realität in der parlamentarischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremen vertraut zu machen".

Die Fraktionsspitzen ohne die NPD und der Ältestenrat hatten nach dem Eklat über ihr Vorgehen beraten. Die NPD argumentierte, die Aufforderung zum Gedenken sei noch vor der förmlichen Eröffnung der Parlamentssitzung erfolgt. Fraktionschef Udo Pastörs hatte zudem von einem "einseitigen Schuldkult" gesprochen.

Nach Ansicht von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) belegt das Verhalten der NPD die Verfassungsfeindlichkeit dieser Partei. "Ihr Auftreten gestern hat hinreichende Hinweise für Zweifel an Ihrer Treue zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung gegeben", sagte Caffier am Donnerstag im Landtag in Richtung von Pastörs.

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(dpa/jkr/maru)