Staatsmann, Patriot und Versöhner: In seiner mit Spannung erwarteten Rede zur Kür als Präsidentschaftskandidat hat John McCain einen grundlegenden Politikwechsel in Washington angekündigt - und warme Worte für seinen Rivalen Obama gefunden.

Der 72-jährige John McCain hat am Donnerstag (Ortszeit) auf dem Parteitag der US-Republikaner in Minneapolis-St. Paul (Minnesota) die Nominierung als Präsidentschaftskandidat seiner Partei angenommen. Damit tritt der langjährige Senator aus Arizona und Vietnamkriegsveteran nun offiziell bei der Wahl am 4. November gegen den Demokraten Barack Obama (47) an. Gewinnt McCain, wäre er der älteste Präsident der US-Geschichte, der neu ins Weiße Haus einzieht.

Bild vergrößern

"Ich verliebte mich in mein Land" - John McCain sprach eindringlich von seinen Erfahrungen im Krieg - und zeigte sich mit Running Mate Sarah Palin (© Foto: Reuters)

Anzeige

In einer umjubelten Rede, in der es auch nachdenkliche Töne gab, präsentierte sich der 72-Jährige den Delegierten als Reformer, Patriot und erfahrener Staatsmann. Für den Fall eines Sieges kündigt er einen grundlegenden Politikwechsel an und streckte seine Hand zur Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg aus.

"Lasst mich schon vorab die alte Garde in Washington warnen, die für große Staatsausgaben ist, die nichts tut, die sich an die allererste Stelle und das Land an die zweite Stelle setzt: Der Wechsel kommt", sagte McCain. Er werde die Dinge in Washington wieder in Ordnung bringen, wo die Politiker "nur für sich selbst und nicht für euch arbeiten".

Sein demokratischer Rivale Barack Obama hat McCain immer wieder vorgeworfen, nur die Politik des derzeitigen republikanischen Amtsinhabers George W. Bush fortsetzen zu wollen.

In seiner Ansprache bekundete McCain Obama nun seinen Respekt. Trotz aller Differenzen gebe es zwischen ihnen mehr Verbindendes als Trennendes. Vor allem seien sie beide Amerikaner, was für ihn das Wichtigste sei.

McCain wollte mit seiner Rede die noch unentschlossenen Wähler für sich gewinnen und betonte seine Tendenz zu überparteilicher, pragmatischer Sachpolitik. "Ein ums andere Mal habe ich mit Mitgliedern beider Parteien zusammengearbeitet, um Probleme zu lösen, die gelöst werden mussten. So werde ich auch als Präsident regieren", kündigte er an.

McCains Wirken war vor seinem Auftritt in einem Video gewürdigt worden. Darin wurden vor allem McCains Zeit als Soldat und als Kriegsgefangener in Vietnam sowie seine Familie hervorgehoben.

Kurz nach Beginn seiner Rede wurde McCain von einem Demonstranten unterbrochen. Der Mann wurde vom Publikum mit "USA,USA"-Rufen niedergeschrieen und schließlich von Saalordnern entfernt. McCain reagierte mit einem Lachen auf den Zwischenfall.

Ergriffenes Publikum

Im vielleicht eindringlichsten Teil seiner Rede erinnerte der einstige Kriegsheld an seine fünf Jahre in nordvietnamesischer Gefangenschaft. Er schilderte seinem ergriffen zuhörenden Publikum, wie er in dieser schwierigen Zeit beinahe gebrochen wurde, aber aus dieser Erfahrung und dem Zusammenhalt mit anderen amerikanischen Kriegsgefangenen Stärke zog.

"Ich verliebte mich in mein Land, als ich Gefangener in einem anderen Land war... Ich gehörte nicht mehr mir selbst, ich gehörte meinem Land." McCain erhielt viel Beifall für seine Rede. Zum Abschluss holte er seine Frau Cindy, seine Vizekandidatin Sarah Palin und deren Mann sowie andere Familienmitglieder auf die Bühne. Der Parteitag endete mit dem traditionellen Ballon- und Konfettiregen.

Leser empfehlen 

(AP/Reuters/ihe/cag)