McCain hat die Politikszene mit seiner Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten aufgemischt: Die einen halten die Aufstellung von Palin für "genial", andere für einen Fehler.

Den ganzen Sommer wiederholte John McCain gebetsmühlenartig den Vorwurf gegen seinen Kontrahenten Barack Obama. Der Senator aus Illinois, Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, sei mit seinen 47 Jahren viel zu jung und unerfahren, um das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu übernehmen.

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Sie haben sich zwar nooch nicht so oft gesehen, aber schon ganz lieb: John McCain und Sarah Palin. (© Foto: AFP)

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Jetzt allerdings hat er sich selbst jemanden ins Boot geholt, auf den diese Beschreibung passt: Die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, frisch gekürte Running mate des republikanischen Bewerbers, ist sogar noch drei Jahre jünger als Barack Obama. Und sie ist politisch ein eher unbeschriebenes Blatt: Seit zwei Jahren ist die 44-jährige Mutter von fünf Kindern im Amt als Gouverneurin.

Zuvor war die studierte Journalistin und Politikwissenschaftlerin Bürgermeisterin eines kleinen Ortes in der Nähe von Anchorage. Außenpolitisch hat sie keine Erfahrung - auch das ein Punkt, den McCain seinem demokratischen Kontrahenten immer vorgeworfen hatte.

Alaska hat wenig Einfluss - aber viel Öl

Hinzu kommt: Alaska ist einer der am dünnsten besiedelten Staaten der USA. Nur gut 680.000 Menschen leben dort, im äußersten Norden - weit ab vom Schuss, denn Kanadas westliche Provinzen trennen Alaska vom Rest der USA. Und: Palin tritt mit einer Hypothek in den Wahlkampf ein. Seit Juli untersucht eine Kommission, ob die Gouverneurin bei der Entlassung eines führenden Mitarbeiters ihre Macht missbraucht hat.

Die Republikaner scheinen dennoch hellauf begeistert von der Wahl ihres designierten Präsidentschaftskandidaten. US-Präsident George W. Bush lobte McCains Entscheidung in höchsten Tönen. Sein Parteifreund habe "eine aufregende Wahl" getroffen, erklärte Bush. Die 44-Jährige sei eine "bewährte Reformerin". Sie sei zudem eine weise Verwalterin von Steuergeldern und trete dafür ein, dass Regierende auch zur Verantwortung gezogen werden.

"McCain und seine Tochter"

McCain habe einen Außenseiter aufgestellt, der ihm aber ein Verbündeter sein werde, wenn es darum geht, Dinge zu ändern, sagte der Vorsitzende der kalifornischen Republikaner, Ron Nehring, der New York Times. Zudem sei Palin jemand "mit soliden konservativen Ansichten, aber auch soliden Empfehlungen als Reformer".

Der Politologe Michael Lindsay von der Rice University sprach von der bislang größten Überraschung im Wahlkampf. Der Schritt sei "strategisch genial": McCain habe einerseits einen reformorientierten Vize benötigt, habe andererseits auch dringend die religiösen Republikaner ansprechen müssen. Auch Chip Hanlon von Delta Global Advisers lobte die Wahl. Dies sei nicht nur strategisch zu sehen, weil Palin "wirklich gescheit" sei.

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