In ihrer ersten Fernsehdebatte haben sich die US-Präsidentschaftsbewerber McCain und Obama einen Schlagabtausch über die Lage der US-Wirtschaft und den außenpolitischen Kurs geliefert. Dennoch blieb das Duell ohne echte Höhepunkte - und ohne klaren Sieger.
Weniger als sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA haben sich die Kandidaten Barack Obama und John McCain ein erstes Duell in einer Fernsehdebatte geliefert. Dabei bekräftigten die Kandidaten ihre unterschiedlichen Positionen zum Thema Irak, Iran und in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die TV-Debatte verlief ohne echte Höhepunkte und ohne klaren Sieger.
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Im ersten TV-Duell zwischen den US-Präsidentschaftsbewerbern John McCain (l.) und Barack Obama konnte sich nach Ansicht von Beobachtern keiner der Kandidaten eindeutig profilieren. (© Foto: AP)
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In der Frage der schweren Finanzkrise wichen beide den Fragen des Moderators nach konkreten Rezepten am Freitagabend aus. Zum dem 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan für notleidende Banken befragt, sagte der demokratische Präsidentschaftbewerber Obama: "Wir haben den genauen Wortlaut noch nicht gesehen."
Der Republikaner McCain bekräftige immer wieder, oberstes finanzpolitische Ziel der Regierung sei die Ausgabenbegrenzung. "Das Wichtigste ist, die (staatlichen) Ausgaben unter Kontrolle zu bringen".
Kommentatoren im US-Fernsehen waren sich uneinig, wer als Sieger aus der Debatte hervorging. Immer wieder versuchte der 72-jährige McCain, seine lange politische Erfahrung zu bekräftigen. "Ich glaube nicht, dass Obama über das notwendige Wissen und die Erfahrung verfügt", sagte er zum Abschluss der Debatte über seinen 47 Jahre alten Kontrahenten.
"Acht Jahre verfehlter Politik"
TV-Beobachter verwiesen darauf, dass Obama in der 90-minütigen Debatte mehrfach "Senator McCain hat Recht" sagte - dies sei eine klare Schwäche des schwarzen Senators gewesen.
Die Debatte in der Universität von Mississippi in Oxford - die erste von drei Redeschlachten bis zum Wahltag am 4. November - stand im Schatten der schweren Finanzkrise in den USA. US-Medien berichteten, selbst am Abend des Rededuells berieten Demokraten und Republikaner im Kongress in Washington weiter über den 700 Milliarden Dollar schweren Plan zur Rettung für die angeschlagenen Banken.
So betonten beide Kandidaten zwar ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei der Krisenlösung. Obama machte zugleich aber die achtjährige Politik der Regierung von US-Präsident George W. Bush und deren Unterstützung durch McCain für die derzeitige Misere auf den Finanzmärkten mitverantwortlich. "Das waren acht Jahre verfehlter Politik, die von Senator McCain unterstützt wurde."
Umfragen zufolge trauen die meisten Amerikaner Obama mehr Kompetenz in der Wirtschaftspolitik zu. Er konnte daher in den vergangenen Tagen wegen der Finanzkrise in den Umfragen deutlich zulegen.
In der Außenpolitik nannte McCain Obamas Plan für einen Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten "gefährlich". Er hob zugleich die Fortschritte im Irak hervor, die der Demokrat nicht anerkennen wolle. "Er (Obama) weigert sich zuzugeben, dass wir im Irak gewinnen", sagte der Republikaner.
"Naiv und gefährlich"
Mehrfach sprach McCain dem sehr viel jüngeren Obama die Kompetenz in Sicherheits- und Außenpolitik ab. "Ich fürchte, Senator Obama kennt nicht den Unterschied zwischen Strategie und Taktik."
Obama, der sich gegen diesen Vorwürfe eher schwach zur Wehr setzte, bekräftigte, dass der Irakkrieg von Beginn an ein Fehler gewesen sei und dass er selbst ihn von Anfang an abgelehnt habe. Er stellte das Urteilsvermögen McCains in Frage, weil dieser 2003 für den Irak-Krieg gestimmt habe.
Zudem habe der Irakkrieg zu einer Vernachlässigung des Kampfes gegen die Taliban in Afghanistan geführt. So habe der Krieg US-Militär davon abgehalten habe, Terrorführer Osama bin Laden zu verfolgen, der sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet versteckt halte.
Zum heftigsten Schlagabtausch kam es beim Thema Iran. Obama bekräftigte seine bereits im Vorwahlkampf geäußerte Absicht, sich notfalls auch mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad an einen Tisch zu setzen. "Als Präsident werde ich für mich das Recht in Anspruch nehmen, mich mit jeder Person meiner Wahl zu treffen, wenn es der Sicherheit des Landes dient", sagte Obama. McCain nannte dies nicht nur "naiv, sondern auch gefährlich".
Beide Kandidaten waren mit unterschiedlichen Zielen in die Debatte gegangen. Der jung und dynamisch wirkende Obama muss die Wähler davon überzeugen, dass er als Präsident auch die Rolle eines Oberkommandierenden der Streitkräfte übernehmen kann. Und angesichts der Finanzmarktkrise musste er zeigen, dass er auch die Nöte der einfachen Menschen versteht, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen und die ihn bislang in den Vorwahlen kaum unterstützt haben.
Hohe Bedeutung der TV-Debatten
McCain, der sich bislang als erfahrener Politiker präsentierte, musste sich von der bisherigen Politik der Regierung von Präsident George W. Bush distanzieren. Kritiker haben McCain mangelnde Wirtschaftskompetenz vorgeworfen, was in der Debatte aber kaum zum Tragen kam.
Moderator der Debatte war der 74-jährige Journalist Jim Lehrer vom öffentlichen TV-Sender PBS, der bereits viele Präsidentschaftsdebatten geleitet hat. Bis zum Wahltag am 4. November werden Obama und McCain noch zweimal zusammentreffen, auch die beiden Vize-Kandidaten Joe Biden und Sarah Palin werden im Fernsehen debattieren. Wegen des Kopf-an-Kopf-Rennens der Kandidaten in den Umfragen wird den insgesamt Fernsehauftritten große Bedeutung beigemessen.
McCain war erst kurz vor Beginn der Sendung von seiner ursprünglichen Forderung abgerückt, dass er erst nach einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zwischen Regierung und Kongress über das Rettungspaket an einer solche Debatte teilnehmen könne. Obama hatte dies als politisches Manöver kritisiert und darauf bestanden, dass die Fernsehdebatte wie geplant stattfinden sollte.
Die Verabschiedung des Rettungspakets sei von höchster Priorität, sagte Obama. Es sei aber auch wichtig, "dem amerikanischen Volk aufzuzeigen, wohin der nächste Präsident das Land führen will und wie er mit dieser Krise umgehen will".
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(AFP/AP/dpa/gal)
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