Mazedonien Nord-Mazedonien entsteht

Griechenland und Mazedonien legen einen 25-jährigen Namensstreit bei - in beiden Ländern ist noch mit Widerstand zu rechnen.

Von Peter Münch, Wien

In dem seit mehr als einem Vierteljahrhundert schwelenden Namensstreit zwischen Griechenland und Mazedonien hat die Regierung in Athen eine Einigung verkündet. Es sei eine "gute Lösung gefunden" worden, erklärte Premierminister Alexis Tsipras. Alle griechischen Bedingungen seien erfüllt worden. Das Land werde künftig Republik Nord-Mazedonien heißen, darauf habe man sich verständigt, sagte der mazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev. Vorausgegangen waren zuletzt intensive Verhandlungen zwischen Tsipras und seinem mazedonischen Amtskollegen Zoran Zaev. In beiden Ländern ist allerdings weiterhin mit heftigem Widerstand von nationalistischer Seite gegen eine Kompromisslösung zu rechnen.

Der Ursprung des Konflikts liegt im Jahr 1991, als sich die frühere jugoslawische Teilrepublik Mazedonien für selbständig erklärte. Griechenland befürchtete, dass mit dem Namen irgendwann Ansprüche auf die nordgriechische Region Makedonien geltend gemacht werden könnten und beharrte auf dem Exklusivrecht des Erbes Alexanders des Großen. Wegen des Namensstreits blockierte die Regierung in Athen jede Annäherung Mazedoniens an die Nato und an die europäische Union. International muss das Land bis heute deshalb unter dem Kürzel-Ungetüm Fyrom geführt werden, was für "Former Yugoslav Republic of Macedonia" steht.

Trotz intensiver Vermittlung der Vereinten Nationen hatten sich die Fronten über die Jahre noch verhärtet. In Mazedonien regierte bis zum vorigen Jahr eine zunehmend nationalistisch gesinnte Regierung, die bewusst den Kult um Alexander den Großen pflegte und zum Beispiel den Flughafen von Skopje sowie die nach Griechenland führende Autobahn nach ihm benannte. Erst durch den Regierungswechsel zum Sozialdemokraten Zaev kam wieder Bewegung in die festgefahrenen Gespräche. Als Geste des guten Willens hat Mazedonien den Flughafen und die Autobahn inzwischen umbenannt.

Berichten zufolge soll die jetzige Einigung in Mazedonien voraussichtlich noch in diesem Jahr in einem Referendum zur Abstimmung gestellt werden. Tsipras zufolge soll der neue Staatsname sowohl im Ausland als auch im Inland benutzt werden, was in Mazedonien eine Verfassungsänderung nötig machen würde. Die Landessprache Mazedonisch könnte laut Berichten mit einer Fußnote versehen werden, die darauf hinweist, dass es sich um eine slawische Sprache handelt.

Als Gegenleistung würde Griechenland sich zunächst an die EU wenden und den Weg frei machen für Beitrittsverhandlungen mit Skopje. Die Aufnahme von Verhandlungen hatte jüngst auch die EU-Kommission in ihrem Fortschrittsbericht empfohlen. Die Zustimmung zur Aufnahme in die Nato würde demnach nach einer entsprechenden Änderung der mazedonischen Verfassung erteilt. Auf dem Weg dorthin ist allerdings auf beiden Seiten noch mit Demonstrationen und reichlich Störfeuer zu rechnen.