Eine Straßen-Maut ist längst überfällig. Die Experten des Umweltbundesamtes allerdings setzen auf die falsche Strategie. Denn am besten wären höhere Spritsteuern.
Wie schön doch die Welt ist, wenn man sie sich einfach malen kann. Dann funktioniert auch so ein komplexes Mautsystem, wie es die Experten im Umweltbundesamt erdacht haben. Jeder Kilometer zählt, so lautet der Kerngedanke in dem Planspiel, welche das Amt in einer Studie zusammengefasst hat.
Neue Studie: Das Umweltbundesamt hat die Einführung einer streckenbezogenen Pkw-Maut auf allen deutschen Straßen empfohlen. (© Archiv-Foto: AP)
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Drei bis vier Cent soll demnach jeder Kilometer kosten. Dank eines satellitengestützten Erfassungssystems könnte auf vielbefahrenen Straßen und zu Stoßzeiten mehr verlangt werden. Auf dem platten Land, wo ohne Auto oft nichts geht, würde es billiger. Angebot und Nachfrage sollen den Kilometerpreis bestimmen. Willkommen im Straßenkapitalismus.
Es ist längst überfällig, die Straßennutzer stärker zur Kasse zu bitten. Der Autoverkehr kostet den Staat jährlich 47 Milliarden Euro mehr als er durch Kfz- und Spritsteuer wieder reinholt. Das ist eine ungeheure Subvention, die sich der Staat nicht länger leisten kann.
Es kann bei einer Maut aber nicht nur darum gehen, möglichst schnell möglichst viel Geld aus den Autofahrern herauszuquetschen.
Auch eine Steuerungswirkung sollte damit verbunden sein. Wer viel fährt, zahlt mehr. Wer ein sparsames Auto fährt, weniger. So gesehen ist das Umweltbundesamt mit seinen Vorschlägen prinzipiell auf dem richtigen Weg.
Doch dessen Experten schießen weit über das Ziel hinaus. Ihr System verlangt eine kilometergenaue Erfassung sämtlicher automobiler Bewegungen auf allen deutschen Straßen. Mal ganz abgesehen vom technischen Aufwand bedeutet das: totale Überwachung. George Orwell lässt grüßen.
Schon die Erfassungssysteme bei der Lkw-Maut wecken in den Sicherheitsbehörden Begehrlichkeiten. Sie wollen, dass die von den Mautbrücken über den Autobahnen automatisch erfassten Daten der Nummernschilder länger gespeichert werden, damit flüchtende Verbrecher leichter gefasst werden können.
Mit einem satellitengestützten Mautsystem kann dagegen das Bewegungsprofil eines einzelnen Autofahrers von der Garage bis zum Arbeitsplatz erstellt werden. Dass das dem Grundgesetz widersprechen könnte, zeigt in Ansätzen das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Vorratsdatenspeicherung.
Die Straßennutzung zu verteuern ist richtig. Doch nur wenn das System einfach ist, transparent und ohne unerwünschte Nebenwirkungen auskommt.
Sehr leicht und sehr transparent wäre es, schlicht die Spritsteuern massiv zu erhöhen und im Gegenzug die Kfz-Steuer abzuschaffen. Dann zahlt mehr, wer mehr fährt. Wer mit einem verbrauchsarmen Auto unterwegs ist, kann sparen. Wer nur auf Durchreise ist, der müsste eine Vignette kaufen.
Der große Vorteil: So ein System ließe sich sofort umsetzen. Ein Satellitensystem dagegen müsste erst entwickelt, getestet und für viel Geld aufgebaut werden. Da können Jahre ins Land gehen.
Natürlich könnte der Tanktourismus dann zunehmend zum Problem werden. Doch der Nutzen dürfte am Ende überwiegen. Schon jetzt fahren die Menschen spürbar weniger Auto, wenn die Spritpreise mal wieder in die Höhe schnellen. Wenn es sich finanziell lohnt, steigen viele auf Bus und Bahn um. Gerade wenn es auch noch bequemer ist, als mit dem Auto im Stau zu stehen.
Recht hat das Umweltbundesamt mit seiner negativen Bewertung einer Maut-Vignette für alle - nach dem Motto: Ein Mal zahlen gleich freie Fahrt auf allen Straßen.
So ein Modell hätte null Lenkungswirkung und würde Vielfahrer und Besitzer von übermotorisierten Pkw noch belohnen. Dummerweise ist dies anscheinend das Modell, das Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer von der CSU trotz aller Vetos insgeheim bevorzugt. Vermutlich, um nicht die Heerscharen von Berufspendlern gegen sich aufzubringen.
Unterm Strich aber ist aus Umweltsicht jede Maut besser als keine. Solange die Einnahmen nicht ständig in neue Straßenbauprojekte investiert werden. So manche Umgehungsstraße wäre unnötig, wenn es gelänge, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen und die ländlichen Regionen besser mit Bussen und Bahnen auszustatten. Wie wäre es mit einer Vision: Zehn-Minuten-Takt für alle. Mit 47 Milliarden Euro jährlich ließe sich da einiges anstellen.
Der derzeitige Bundesverkehrsminister scheint aber andere Prioritäten zu setzen. Ramsauer nennt es "Entideologisierung der Straße", wenn er frisches Geld in neue Straßenprojekte pumpt. In einer Gesellschaft, die sich immer mehr auf Ballungsräume konzentriert und in der in manchen ländlichen Gebieten die Bevölkerung massiv schrumpft, kann Straßenbau nicht die Lösung sein. Die Mobilitätsfragen der Zukunft verlangen eindeutig nach intelligenteren Antworten.
- Vorstoß vom Umweltbundesamt Maut für alle 15.04.2010
- Politik kompakt Zardari gibt die Bombe ab 28.11.2009
(sueddeutsche.de/mcs/cmat)
New Yorker Bürgermeister will XXL-Soft-Drinks verbieten
Da steht wie man auf diese knapp 50 Millarden kommt: Es gibt neben den schon richtig bemerkten nicht sooo hohen Ausgaben für Erhalt und Erneuerung einen Punkt der am meisten ins Minus führt
"externe Umwelt- und Unfallkosten: -77 Millarden"
Wie genau diese Kosten zustanden kommen steht aber nicht in dieser Studie. Lustig ist jedenfalls auch der Satz
"Nur aus dem Saldo aller volkswirtschaftlichen Kosten und
aller staatlichen Einnahmen lassen sich berechtigte
Rückschlüsse zur angemessenen Abgabenhöhe
ziehen"
D.h weil z.b die Versicherer kosten bei Unfällen haben sollen diese Kosten nochmal dazu verwendet werden die Höhe einer Maut zu berechnen?!?
So, da ja einige anscheinend zu faul sind und für die anderen nicht sein kann, was nicht sein darf, hab ich mir mal die Mühe gemacht un ein bisschen recherchiert: Fündig geworden bin ich auf den Seiten des Freistaates Sachsen, dessen Regierung nicht gerade für Ihre autofeindliche Haltung oder besonders grüne Politik bekannt ist.
http://vplno1.vkw.tu-dresden.de/oeko/Ext-Kost/warum-ext.htm
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/6604.htm
Zusammengefasst kommt man auf ca. 6,6 Milliarden Euro externe Konsten (2001) und insgesammt 7,7 Milliarden ungedeckte Kosten (1999) im Bereich Autoverkehr.
Das kann man sich ja mal eben auf Deutschland hochrechnen und dann wird man feststellen, dass die Größenordnung stimmt.
Selbst der ADAC rechnet zwar immer mal wieder nur die Straßenbaukosten gegen die Steuereinnahmen auf und bezweifelt die hohen externen Kosten gerne pauschal. Konkret hat er aber noch nie etwas gegen diese Erhebung der Kosten vorgebracht.
Es bleibt dabei: Autofahren wird uns vom Staat zu billig gemacht, was wir hintenrum aber wieder durch zu hohe Steuern an anderer Stelle sowieso bezahlen müssen. Mir ist es lieber, ich zahle konkret für das, was ich an Kosten verursacht habe und kann dann auch für mich selber diese Kosten steuern und einsparen, als dass ich jeden Autofahrer in Deutschland mitsubventioniere, völlig egal, ob ich nun viel, wenig oder überhaupt nicht fahre.
"ohne Zweifel fährt kaum jemand mal am Wochenende mit seinem 30-Tonner über Land und zum Baden. Der Zweck dieser Fahrten dient wirklich ausschließlich der Versorgung. Wer meint, diese Autos müßten jetzt mehr herangezogen werden, der sollte sich darüber klar sein, daß dann die Butter teurer wird, und nicht nur die!"
Lebensmittel sind eh viel zu billig. ;)
Aber mal ernsthaft gesagt:
Die Versorgung mit Gütern ließe sich sicher noch stark optimieren. Nur ist es wirtschaftlich (noch) nicht interessant genug, solange Transportkosten so günstig sind.
Beispiel gefällig:
Dort wo ich arbeite, kommen täglich ca. 10 LKW vorgefahren und laden mal eine Palette, mal ein paar Kisten und manchmal auch nur einen einzelnen Karton ab. Das Ganze könnte auch leicht ein einzelner LKW auf einmal anliefern. Dann müßten sich die 10 Spediteure vorher zusammenschließen und die Zustellungen untereinander aufteilen. Das ist natürlich mit Aufwand und Kosten verbunden der sich ggü. den möglichen Einsparungen bei den Betriebskosten der Fahrzeuge bisher nicht rechnet. Deswegen machts keiner.
Wir werden es schaffen, auf jeden Berg einen Kanal zu legen.
"Der Autoverkehr kostet den Staat jährlich 47 Milliarden Euro mehr als er durch Kfz- und Spritsteuer wieder reinholt"
Hierfür würde mich die Berechnungsgrundlage brennend interessieren. Diese Zahl will und kann ich - einfach so hingeschmissen - nicht glauben.
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