Die Lokführer wollen an diesem Dienstag bundesweit den Zugverkehr lahmlegen. Auch S-Bahnen sind von den Streiks betroffen.

Den ersten Warnstreiks der Eisenbahner am Montag folgt an diesem Dienstag womöglich das Chaos: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigte für die Zeit von fünf bis neun Uhr morgens bundesweite Arbeitsniederlegungen an und riet Pendlern und Reisenden, auf Bahnfahrten zu verzichten.

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Hintergrund des Arbeitskampfes der Lokführer ist die Weigerung der Bahn, mit ihnen einen eigenen Tarifvertrag abzuschließen. Nach den Worten des GDL-Vorsitzenden Manfred Schell sollen die Warnstreiks am Dienstagvormittag sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr treffen. Auch die S-Bahnen in Hamburg, Berlin, München, Stuttgart und Frankfurt am Main würden bestreikt. Schell begründete die Tarifforderung von bis zu 31 Prozent mehr Lohn damit, dass das Fahrpersonal seit der Bahn-Privatisierung im Jahr 1994 einen Reallohnverlust von 9,5 Prozent habe hinnehmen müssen.

Dagegen bezeichnete DB-Personalvorstand Margret Suckale den Streik der Lokführer als "verantwortungslos und völlig überzogen". "Wir haben die GDL wiederholt zu Verhandlungen aufgefordert. Alle Gesprächsversuche wurden jedoch von der GDL-Führung abgelehnt", sagte Suckale. Die geforderten 31 Prozent Lohnsteigerungen seien "ein Wahnwitz".

Im Tarifstreit der Bahnbediensteten mussten Fahrgäste bereits am Montag auch nach den um acht Uhr beendeten Streiks im Fern- und Regionalverkehr noch stundenlang mit Folgeverspätungen zurechtkommen. Betroffen waren der Südwesten, aber auch Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Auswirkungen gab es nach Angaben der Bahn vor allem im Nahverkehr.

Von den Aktionen besonders betroffen waren nach Auskunft der Bahn die Hauptbahnhöfe von Rostock und Wismar. Dort wurden zwei Stellwerke vorübergehend lahmgelegt. Mehr als 30 Züge konnten nicht planmäßig fahren.

Den Auftakt der Warnstreiks hatten laut Transnet zwischen zwei und fünf Uhr etwa 60 Mitarbeiter des Betriebsbahnhofs Dortmund gemacht. Mehrere ICE-Züge konnten die Depots nicht verlassen, es kam auch nach Wiederaufnahme des Betriebs zu massiven Verspätungen im Fernverkehr.

Gewerkschaften: "Almosen"

Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA fordern für die 134000 Bediensteten sieben Prozent mehr Entgelt, mindestens aber 150 Euro monatlich. Die Arbeitgeber hatten eine Einmalzahlung von 300 Euro sowie Erhöhungen um jeweils zwei Prozent für 2008 und 2009 angeboten. Beide Gewerkschaften lehnten dies als "Almosen" ab und kündigten an, es werde nahezu den ganzen Dienstag über Aktionen mit "gesteigerter Intensität" geben. Die Bahn forderte die Gewerkschaften zu einer raschen Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. In den nächsten Tagen müssten neue Gespräche beginnen, sagte der DB-Personenverkehrschef Karl-Friedrich Rausch.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hofft trotz der Arbeitsniederlegungen auf eine schnelle Einigung in den Tarifauseinandersetzungen. "Im Interesse der Kunden" müsse möglichst schnell ein tragfähiger Kompromiss gefunden werden, sagte der SPD-Politiker.

Die Bahn bot an, streikbedingt nicht genutzte Tickets zu erstatten. Zudem können Fahrgäste, die ihren Zug wegen des Streiks verpassen, den nächstmöglichen benutzen, auch wenn es ein höherwertiger sein sollte. Unter der Telefonnummer 08000-996633 richtete die Bahn eine Hotline ein.

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(SZ vom 3.7.2007)