Bahn, Post, Schulen, Behörden: Mit massiven Streiks demonstrieren die französischen Gewerkschaften gegen die Sozial- und Wirtschaftspolitik von Präsident Nicolas Sarkozy.

In Frankreich ist am Donnerstag der erste Generalstreik gegen die Krisenpolitik von Staatspräsident Nicolas Sarkozy angelaufen. Bei rund 200 Demonstrationen im ganzen Land wurden Millionen Menschen erwartet.

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Studenten blockieren den Zugang zu ihrer Hochschule in Marseille mit Mülltonnen, um gegen den Umgang von Präsident Sarkozy mit der Finanzkrise zu demonstrieren. (© Foto: AFP)

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Zahlreiche Züge blieben an dem landesweiten Protesttag am Donnerstag im Depot. Auch Schulen und Postbetriebe waren geschlossen. In Kliniken lief ein Notdienst.

An dem Streik beteiligten sich nach Angaben der acht großen französischen Gewerkschaften auch zwischen 50 und 80 Prozent der Lehrer. Arbeitsniederlegungen gab es bei der Post, in Behörden, im Rundfunk und in Theatern.

Das große Verkehrschaos in Paris blieb allerdings aus. Wer konnte, nahm einen freien Tag. Am Vormittag fuhren 75 Prozent der Pariser Metros, deutlich mehr als erwartet. Dafür wurde auf den zentralen S- Bahn-Linien nicht einmal der gesetzlich vorgeschriebene Notdienst gesichert. 70 Prozent der Regionalzüge und 4 von 10 Hochgeschwindigkeitszügen fielen aus. Der Verkehr nach Deutschland lief normal.

Die Gewerkschaften wollen mit dem Streik gegen die ihrer Ansicht nach einseitige Unterstützung von Banken und Industrie durch das staatliche Konjunkturprogramm protestierten.

Die Gewerkschaften fordern, auch Arbeitnehmern und Arbeitslosen mit massiven Staatsausgaben durch die Finanz- und Wirtschaftskrise zu helfen.

"Wir wollen nicht für eine Krise zahlen, die die Banken angerichtet haben", erklärte der Chef der Gewerkschaft CFDT, Francois Chérèque. "Wir fordern einen zweiten Konjunkturplan, der diesmal auf die Kaufkraft zielt." Außerdem wollen die Gewerkschaften die Stärkung der 35-Stunden-Woche und Arbeitsplatzgarantien in Unternehmen, die Staatshilfe erhalten. Die Regierung bekräftigte, sie wolle an ihrem Reformkurs festhalten. Berater Sarkozys befürchten dennoch, der "Schwarze Donnerstag" könnte zum Startschuss für eine breite Protestbewegung werden.

Der Streik findet in der Bevölkerung Umfragen zufolge mit 69 bis 75 Prozent größere Zustimmung als jeder andere Arbeitskampf seit 1995. Gleichzeitig sprachen sich 72 Prozent der Franzosen jedoch für eine Beschränkung des Streikrechts zur Sicherstellung eines Notdienstes im öffentlichen Verkehrswesen aus.

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(dpa/AP/bosw/odg)