Massive Menschenrechtsverstöße UN prangern systematische Folter in Syrien an

Ausgerissene Zehennägel, Vergewaltigung, verbrannte Fußsohlen: Gefangene in Syrien werden systematisch gefoltert. Das zeigt ein jetzt veröffentlichter UN-Bericht. Die Gewalt geht dabei nicht nur von Regierungstruppen, sondern auch von Oppositionsgruppen aus.

Im syrischen Bürgerkrieg foltern Regierungstruppen und einzelne Rebellengruppen ihre Gefangenen systematisch und skrupellos. Gefangenen werde auch immer wieder sexuelle Gewalt angetan, heißt es in einem Bericht des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, der in Genf veröffentlicht wurde. Der Bericht stützt sich auf Aussagen ehemaliger Folteropfer, die sich mittlerweile in Freiheit befinden.

Zu den im Bericht geschilderten Grausamkeiten gehören sogenannte "Begrüßungspartys" in Gefängnissen: "Nach der Ankunft werden Häftlinge erst mal routinemäßig mehrere Stunden lang von den Wärtern geschlagen und erniedrigt." Ein Student berichtete, wie ihm im Gefängnis der syrischen Luftwaffe die Fußsohlen verbrannt und die Fußnägel herausgerissen worden seien. Eine Frau schilderte nächtelange Verhöre, bei denen sie auch vergewaltigt worden sei.

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UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay verurteilte die "zügellose Anwendung von Folter in Haftanstalten in ganz Syrien sowie durch einige der bewaffneten Oppositionsgruppen". Folter sei ein Kriegsverbrechen. Deren systematische Anwendung in Syrien komme zudem Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Pillay forderte Regierung und Rebellen auf, die Misshandlungen einzustellen.

Die UN-Behörde betont, dass die geschilderten Fälle nur beispielhaft für eine Vielzahl verschiedener Folterpraktiken stünden. Begünstigt werde die weit verbreitete Folter demnach durch grundsätzlich inhumane Haftbedingungen. Häftlinge werden in Isolationshaft gehalten oder häufig in andere Gefängnisse verlegt.