Neue Rassenunruhen in den USA: Nach einer Mordanklage gegen sechs schwarze Schüler, die einen Mitschüler verprügelt hatten, gingen Tausende Menschen in der Kleinstadt Jena auf die Straße.
Im US-Bundesstaat Louisiana haben am Donnerstag Zehntausende gegen Rassismus in der Justiz demonstriert. Der Nachrichtensender CNN sprach von 15.000 bis 20.000 Menschen, die in Bussen und Autos unter anderem aus weit entfernten Städten wie New York, Los Angeles und Atlanta nach Jena gekommen waren.
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Viele Ladeninhaber hatten vorsorglich ihre Geschäfte nicht geöffnet. Auch Schulen und Gemeindebehörden blieben geschlossen. Anwohner bestritten laut CNN, dass es Rassenkonflikte in dem Ort gebe. Die überwiegend schwarzen Demonstranten zogen durch die kleine 3000-Einwohner-Stadt Jena, wo es in den vergangenen Monaten verstärkt Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen gegeben hatte.
Auslöser war ein Streit zwischen Schülern gewesen. Vor einem Jahr hatte ein schwarzer Schüler versucht, auf seinem Schulhof eine inoffizielle Trennlinie zwischen Schwarzen und Weißen zu überschreiten und sich entgegen der ungeschriebenen Gesetze unter einen für Weiße "reservierten" Baum zu setzen.
Am nächsten Tag fanden sich an dem Baum Schlingen vor - ein Symbol der gegen Schwarze gerichteten Lynchjustiz in den US-Südstaaten.
Daraufhin kam es auf dem Schulhof und an anderen Orten der Stadt zu Kämpfen. In der Schule wurde ein Brand gelegt, nachdem der Direktor den Vorfall als "Dummejungenstreich" bezeichnet und sich geweigert hatte, die drei für die Schlingen verantwortlichen weißen Schüler der Schule zu verweisen.
Sechs schwarze Schüler, die als "Jena Six" bekannt wurden, wurden dagegen nach einer Prügelei wegen versuchten Mordes angeklagt, was Bürgerrechtler als massiv überzogen verurteilt hatten. Die Strafen gegen die Schüler wurden später reduziert.
85 Prozent der Einwohner Jenas sind Weiße und zwölf Prozent Schwarze.
"Beginn einer neuen Bürgerrechtsbewegung"
Die Demonstranten, unter ihnen auch der Sohn des 1968 ermordeten US-Bürgerrechtlers Martin Luther King und der Bürgerrechtler Jesse Jackson, warfen der Staatsanwaltschaft Voreingenommenheit und Rassismus vor.
Auch Bürgerrechtler Al Sharpton demonstrierte in der Kleinstadt. Er nannte die Ereignisse in Jena den "Beginn einer neuen Bürgerrechtsbewegung im 21. Jahrhundert", wie der Fernsehsenders CNN berichtet.
US-Präsident George W. Bush sagte, die Ereignisse von Louisiana stimmten ihn "traurig". "Und ich verstehe die Emotionen", fügte er hinzu.
Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI überwachten die Lage vor Ort. Alle Bürger der USA wünschten Fairness in der Justiz.
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(sueddeutsche.de/AFP/Reuters)
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