Ein Moskauer Gericht ordnet Wiederaufnahme des Verfahrens um die Ermordung polnischer Offiziere an. Das russische Militär hält wichtige Dokumente aber weiter geheim.
Das Moskauer Stadtgericht hat die Wiederaufnahme des Verfahrens über die Rehabilitierung der Opfer von Katyn angeordnet. Es hob aus formalen Gründen die erst Ende Mai in der ersten Instanz ergangene Entscheidung über die Einstellung des Verfahrens auf. Entgegen ersten Berichten in den polnischen Medien bedeutet dies aber keineswegs, dass der Weg nun für den ersten Katyn-Prozess frei ist. Denn gleichzeitig wies ein anderes Gericht den Antrag zurück, die Militärstaatsanwaltschaft zur Freigabe der als geheim eingestuften Katyn-Dokumente zu zwingen.
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Die Tochter eines ermordeten polnischen Offiziers an der Gedenkstätte in Katyn (© Foto: Reuters)
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In der Nähe des russischen Dorfes Katyn hat im Frühjahr 1940 der sowjetische Geheimdienst NKWD mehr als 4000 kriegsgefangene polnische Offiziere erschossen. Die Sowjetpropaganda hatte diesen Massenmord stets den Deutschen angelastet. Erst 1991 gab der russische Präsident Boris Jelzin einen Teil der Dokumente frei und bat im Namen seines Volkes um Vergebung für dieses Verbrechen.
"Da könnte auch McDonald's einen Antrag stellen"
Die Vereinigung der Angehörigen der erschossenen Offiziere bemüht sich seit langem um deren juristische Rehabilitierung. Diese wäre die formale Voraussetzung für eine Klage auf Entschädigung. Dasselbe Moskauer Bezirksgericht, das nun den Antrag auf Freigabe der Dokumente ablehnte, befand im Mai, dass nur die Betroffenen selbst sich um die Rehabilitierung bemühen dürften. Dies hatte polnische Politiker zu dem bitteren Kommentar veranlasst, das Gericht wolle wohl Tote einbestellen.
Das übergeordnete Stadtgericht stellte nun fest, auch Angehörige könnten die Rehabilitierung von ungerecht Verurteilten verlangen. Die Militärstaatsanwaltschaft verweist aber darauf, eine Rehabilitierung sei nur möglich, wenn zuvor ein Urteil ergangen sei. Mit derselben Begründung hatte die russische Justiz den Antrag der Fürstenfamilie Romanow abgelehnt, den letzten Zaren Nikolaus II. zu rehabilitieren.
In der Tat sind die polnischen Offiziere 1940 ohne Urteil erschossen worden. Den Erschießungsbefehl hatte das Politbüro gegeben. Das Dokument trägt die Unterschriften Stalins und weiterer Mitglieder der sowjetischen Führung. Auf Freigabe der bislang geheimen NKWD-Dokumente hatte die russische Menschenrechtsorganisation Memorial geklagt, die sich besonders der Aufarbeitung der Verbrechen aus der Stalin-Zeit verschrieben hat.
Doch das Bezirksgericht befand, dass Memorial zu dieser Klage gar nicht berechtigt sei, da die Organisation nicht Leidtragende im Falle Katyn sei. "Da könnte auch McDonald's einen entsprechenden Antrag stellen", erklärte der Richter und löste damit heftige Proteste der polnischen Seite aus.
"Beispiellose Ruppigkeit"
Der frühere polnische Außenminister Adam Rotfeld, der die Familien von Katyn berät, nannte die Begründung eine "beispiellose Ruppigkeit". Er erklärte, Warschau müsse den Fall vor die russisch-polnische Regierungskommission bringen, die zur Lösung "besonders schwieriger bilateraler Fragen" eingerichtet wurde.
Der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski unterstützt eine Initiative, dem Verbrechen von Katyn die Kategorie Völkermord zuzuerkennen. In diesem Fall würden Entschädigungsansprüche nicht verjähren. Doch sehen sogar polnische Rechtsexperten dieses Unterfangen als aussichtslos an, da der Massenmord nicht die formalen Merkmale für die Anerkennung als Völkermord erfülle. Vielmehr handele es sich um ein Kriegsverbrechen.
Anfang der neunziger Jahre lebten zwar noch einige der an dem Verbrechen beteiligten NKWD-Offiziere, doch es wurde nie ein Verfahren eröffnet. Ebenso hat Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion bislang keinerlei Entschädigung für Opfer der Stalinschen Repressionen gezahlt. Der Katyn-Film des polnischen Oscar-Preisträgers Andrzej Wajda wurde nur zwei Tage lang in einem Moskauer Kino gezeigt.
(SZ vom 12.6.2008/rde)
Frauen in Saudi-Arabien
Was ist das denn für ein Ding? Was sagt die "deutsche Wissenschaft denn" zu diesem oder jenem? Pardon, aber da kenne ich doch einige historiker, die mal so und mal so redeten.
der von Ihnen erwähnte beschluss - war er übrigens nicht vier tage früher? - beinhltet nicht explizit Katyn, ist somit nicht als ein mögliches Indiz.
Verwechseln Sie mal nicht Wissenschaft mit Glauben.
@A.Hauss (13.49).- Die Verbrechen gehen auf - den inzwischen veröffentlichten.- Beschluß des sowjetischen Politbüros vom 9. März 1940 zurück, also zu einer Zeit, als Stalin und Hitler noch Verbündete waren. Die Faktenlage ist so eindeutig und wird auch von der russischen Wissenschaft heute nicht mehr bestritten. Umstritten bleiben die Konsequenzen aus diesem Verbrechen und nur darum geht es heute.
Erhaltungzustand der Leichen und Uniformen ist wirklich bemerkenswert.
von "Katyn. Dokumenty zbrodni". Das Problem besteht darin, dass eine derartige reihe 25 jahre zuvor nders ausgesehen hätte und in 25 Jahren wahrscheinlich wieder anders. Historische wissenschaft ist nicht interessefrei, auch nicht polnische.
Die sowjetischen Untersuchungen liefen auf deutsche Kriegsverbrechen hinaus mit "hard evidence" wie z.B. Untersuchung der Munition. Für die sowj. seite war Katyn nur eins von Tausenden von Massakern, die sie auf dem Weg nach berlin aufdeckten, nichts Besonderes. Für die deutsche Seite war Katyn bei ihrem Überfall auf die SU , wäre es ein sowj. verbrechen gewesen, das EINZIGE, was hitlerdeutschland an verbrechen als "rechtfertigung" des eigenen Überfalls ex post hatten vorbringen können. Kurz gesagt: die Deutschen BRAUCHTEN Katyn als Legitimtion eigenen Handelns, die Sowjets durchaus nicht.
Es geht mir nicht darum Verbrechen die von Deutschen begangen wurden zu relativieren, darüber müssen Sie mit mir nicht diskutieren, weil ich diesbezüglich gut informiert bin. Ich weiß aber auch, was nach 1945 in Polen passiert ist. Zum Beispiel, dass deutsche Konzentrationslager nun mit deutschen Kindern, Frauen und Greisen gefüllt wurden, deren Lebensbedingungen auch unmenschlich waren, wie zuvor die der Opfer der im deutschen Namen begangenen Verbrechen.
Ich empfehle Ihnen folgende Website zu lesen
http://en.wikipedia.org/wiki/Allied_war_crimes#Polish_forces
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