Marmara-Meer Geiselnehmer entführen türkische Fähre

Unbekannte haben vor der Hafenstadt Izmit ein Fährschiff mit 20 Passagieren gekapert. Medien sprechen von vier Tätern, einer habe mit einer Bombe gedroht. Laut türkischem Verkehrsminister gehören die Entführer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK an.

Vor der Hafenstadt Izmit im Westen der Türkei ist am Freitag eine Fähre mit 25 Passagieren an Bord entführt worden - offenbar von kurdischen Rebellen. Verkehrsminister Binali Yildrim sagte dem Fernsehsender NTV, einer der bis zu fünf Entführer sei in die Kapitänskajüte eingedrungen und trage nach eigenen Angaben Sprengstoff mit sich. "Greift nicht ein. Ich habe eine Bombe. Ich werde sie zünden", sagte CNN Türk zufolge einer der Geiselnehmer zu türkischen Sicherheitskräften.

Die Entführer hätten bislang noch keine Forderungen gestellt, sich aber als Mitglieder der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ausgegeben. "Sie sagen, sie gehören zu einem Arm der Terrororganisation, der HPG", sagte Yildirim dem Fernsehsender NTV. Die Volksverteidigungskräfte (HPG) sind der militärische Arm der PKK. Yildirim zufolge verfolgten Schiffe der Küstenwache und ein Hubschrauber die Fähre Kartepe, die zwischen den Städten Izmit und Gölcük unterwegs ist. Zu den Entführern bestand keine direkte Verbindung, nur ab und zu gab es kurze Kontakte zum Kapitän.

Zuvor hatte der Bürgermeister von Izmit, Ibrahim Karaosmanoglu, dem Fernsehsender NTV gesagt, der Entführer werde nach eigenen Angaben noch von vier Komplizen unterstützt. Die Besatzung des Schiffes habe ihm jedoch mitgeteilt, dass der Entführer allein sei. Informationen über die Identität oder Motive des Entführers lagen zunächst nicht vor. Der Mann habe verlangt, mit den Medien zu sprechen, sagte Karaosmanoglu. Jedoch habe er bislang keine Forderungen genannt.

NTV berichtete weiter, der Entführer habe allen Passagieren die Mobiltelefone abgenommen. Die Regionalzeitung Gercek Kocaeli berichtete ohne Angaben von Quellen, der Entführer sei ein mutmaßliches Mitglied der PKK, die für die Autonomie im Südosten der Türkei kämpft.

Zuletzt waren bei einem Selbstmordanschlag der PKK im November vergangenen Jahres in Istanbul 32 Menschen verletzt worden. Nach einem blutigen Angriff auf türkische Soldaten im Oktober war die Armee mit einem großangelegten Einsatz gegen PKK-Rebellen an der Grenze zum Irak vorgegangen. Die PKK wird von der Türkei und einem Großteil der Weltgemeinschaft als Terrororganisation eingestuft.