Der SPD-Abgeordnete Meckel hat die Verhandlung gegen Kreml-Kritiker Chodorkowskij besucht. Die Anklage findet er "absurd" - der Westen müsse die russische Justiz genau beobachten.
Die große Koalition streitet über eine Erklärung des Bundestages zum neuen Prozess gegen den Kreml-Kritiker und Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowskij. In einem von den Grünen vorgelegten Entwurf wird das Verfahren als politisch motiviert kritisiert. Bei Union und FDP stößt dies auf Zustimmung, die SPD hingegen hat einen Gegenentwurf vorgelegt. Mehrere Bundestagsabgeordnete wollen sich nun selbst ein Bild vom Prozess machen. Zunächst reiste der SPD-Abgeordnete Markus Meckel nach Moskau. Im Interview mit sueddeutsche.de spricht er über die Bedeutung von Beobachtern und einem "Testfall für Präsident Medwedjew".
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Angeklagter hinter Glas: Die große Koalition streitet über eine gemeinsame Erklärung zu Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowskij. (© Foto: AFP)
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sueddeutsche.de: Sie haben einen Prozesstag gegen Michail Chodorkowskij und seinen Geschäftspartner Platon Lebedjew vor Ort in Moskau verfolgt. Was haben Sie beobachtet?
Markus Meckel: Chodorkowskij und Lebedjew sitzen in einer Art Aquarium. Nur durch kleine Schlitze können sie mit ihren Verteidigern kommunizieren. Ich hatte den Eindruck, dass es schwierig für sie ist, das Geschehen akustisch zu verfolgen. Während der Anhörung studierten sie Akten, kamen selbst aber nicht zu Wort. Es ist eine entwürdigende Situation in dem Glaskasten. Etwa 20 Zuschauer waren anwesend, wohl Freunde und Verwandte. Einige Frauen hatten Blumen im Saal aufgestellt. Für sie ist es die einzige Möglichkeit, die Angeklagten zu sehen.
sueddeutsche.de: Welchen Eindruck haben Sie vom Prozessverlauf?
Meckel: Ich habe mitbekommen, wie die Staatsanwaltschaft ihre Sichtweise des Falls darstellt, also nur eine Teilphase des gesamten Prozesses. Der Ablauf war dabei sehr technisch. Die Vorwürfe werden über Wochen hinweg vorgetragen, während die Verteidigung nicht die Chance bekommt, Fragen zu stellen. Diese kurze Beobachtung ist zu wenig, um ein umfassendes Bild zu bekommen. Damit man Zusammenhänge herstellen kann, müsste man auch hören, was die Verteidigung vorzutragen hat.
sueddeutsche.de: Was bringt die Anwesenheit externer Beobachter?
Meckel: Ein so kurzer Besuch reicht nicht für eine juristische Einschätzung. Aber er ist ein klares Signal, dass wir den Prozess kritisch verfolgen. Das Ganze ist ein Test, ob Präsident Dmitrij Medwedjew sein Versprechen hält, Reformen hin zu einer unabhängigen Justiz einzuleiten.
sueddeutsche.de: Es heißt, der Prozess sei politisch motiviert. Wie sehen Sie das?
Meckel: Das ist eine Spekulation. Laut Anklage soll Chodorkowskij Millionen Tonnen Erdöl und Milliarden Dollar unterschlagen haben. Angeblich liegen dem Gericht darüber Unterlagen vor - das ist absurd. So etwas verschiebt man doch nicht mal eben so. Bei einem politisch motivierten Prozess könnte man sicher geschickter vorgehen. Das Verfahren gibt Rätsel auf und da fällt es schwer, an einen ernsthaften Prozess zu glauben.
sueddeutsche.de: Medwedjew gibt sich liberaler als sein Vorgänger Putin, in der Praxis sind Reformen nicht groß zu erkennen. Kann und will Medwedjew überhaupt Veränderungen?
Meckel: Ich glaube, dass der russische Präsident eine ganze Menge verbessern kann. Ob er dies will, werden wir sehen.
sueddeutsche.de: Die SPD-Fraktion tat sich zuletzt schwer mit einer kritischen Haltung zum Chodorkowskij-Prozess.
Meckel: So generell kann man das nicht sagen. Die Kritik an der russischen Justiz und Rechtsstaatlichkeit sollte aber nicht allein am Fall Chodorkowskij festgemacht werden. Die Themen müssen breiter angelegt werden.
sueddeutsche.de: Was fehlt Ihnen noch?
Meckel: Eine mögliche Erklärung des Deutschen Bundestages, die gerade diskutiert wird, muss auch Bezug nehmen auf andere Ereignisse in Russland. Denken Sie etwa an die Journalistenmorde in den vergangenen Jahren: Es ist doch erstaunlich, dass es bisher keine Verurteilungen gegeben hat. Wobei es den Geschworenen im Politkowskaja-Prozess hoch anzurechnen ist, dass sie "aus Mangel an Beweisen" die vermeintlich Schuldigen freigesprochen haben. Viel zu oft präsentieren die russischen Ermittlungsbehörden sehr schnell einen Schuldigen, der dann mit zweifelhaftem Beweismaterial angeklagt wird. Es muss in der Erklärung außerdem darum gehen, wie Deutschland und die EU Russland bei Reformen unterstützen können.
sueddeutsche.de: Dennoch ist der Union die Haltung der Sozialdemokraten nicht kritisch genug.
Meckel: Der SPD-Entwurf hat mir auch nicht in allen Punkten gefallen. Aber er war ein Gesprächsangebot, um zu einem interfraktionellen Antrag zu kommen. Unglücklich finde ich vor allem, dass die CDU nicht mehr über den Antrag verhandeln will. Sollte es keine Einigung der Koalition geben, würde auch die Resolution der Grünen abgelehnt - und der Deutsche Bundestag würde den Prozess und die Rechtsstaatsentwicklung in Russland nicht kritisch begleiten. Diese Angelegenheit darf nicht für den Wahlkampf instrumentalisiert werden. Im Grunde sind sich doch parteiübergreifend alle einig, dass es sich um einen Testfall für Medwedjew handelt. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen zu einer Lösung kommen.
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(sueddeutsche.de/mati)
Stockender Kita-Ausbau
was der wackere SPD-Abgeordnete Meckel (WER??) hier so absondert?
Und, so what.. die Anklage findet er absurd. Denn Millionen Tonnen Öl und Milliarden Dollar
verschiebt man nicht..
Richtig, Herr Meckel.. und die Erde war schon immer ne Scheibe.
Fliegen Sie mal nach Guantanamo. Die dortigen Insassen wären wahrscheinlich froh, wenn sie mit Chodorkowskij tauschen könnten. Fakt ist nunmal, das dieser Chodorkowskij sein Vermögen auf Kosten des russischen Staates gemacht hat, wie einige andere auch und deswegen dorthin gehört, wo Kriminelle eben hingehören.. nämlich hinter Gitter. Basta.
Seit wann ist Chodorkowsky ein "Kreml-Kritiker" ??? :D
Anscheinend mag man im Westen, wenn 12 Oligarchen im Kreml vor laufenden Kameras ihre Wünsche dem Präsidenten diktieren.
*kopfschütteln*
Über meine intellektuellen Fähigkeiten brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen und das Mitleid dürfen Sie sich gerne sparen...ich verzichte freiwillig...
und wie Diego666 schon richtig anmerkte: hier wird einzig und allein gegen die SPD gepöbelt und nein auch bin kein SPD Wähler (mehr)...
Und ich finde es richtig und gut, dass es Poltiker gibt, die sich vor Ort über den Prozeß informieren wollen, lesen Sie den Kommentar von Daniel Bressler zu diesem Thema und ich bin auch der Ansicht, dass man bei anderen Handelpartnern und Verbündeten ebenso genau hinschauen sollte, wie es um die Menschenrechte in den Ländern bestellt und ich verstehe immer noch nicht warum ein Mitglied des Auswärtigen Auschusses sich um die innere Probleme kümmern sollte...dafür gibt es den Innenausschuss...es fordert doch auch niemand seinen Zahnarzt auf, etwas gegen die eigenen Rückenprobleme zu tun...
und mit diesem "mecker mecker mecker" wollte ich lediglich Sie imitieren...es ist ja sooo leicht, den ganzen Tag vor dem PC zu hocken, herauszuposauenen wie schlecht in Deutschland alles ist und nichts dagegen zu tun...
Tja Yoda76, Sie tun mir leid. Ihnen fehlt die intelektuelle Fähigkeit, auch nur einen Milimeter unter die die Oberfläche zu schauen. Anstatt sich zu den Inhalten der Artikel zu äußern machen Sie nichts anderes, als rumzumaulen über andere Kommentare. Und selbst da schaffen Sie es nicht auf Geschriebenes einzugehen. Am besten hat mir dann Ihr Kommenatr von heute Vormittag gefallen: "mecker, mecker, mecker". Damit wollten Sie sich wohl als Zeigenimitator andienen, oder uns mitteilen, daß Sie nie erwachsen wurden. Also husch in den Stall zu den anderen Ziegen.
1. derjenige der hier permanent herumpöbelt snd Sie...dieses permanente Herumgemeckere, auch an der SZ geht mir auf den Zeiger...wer meckert soll auch was tun, irgendetwas verändern...
2. beneide ich Sie in keinster Weise
Wofür? Dass Sie mit allem und jedem unzufrieden sind?
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