Marion Maréchal-Le Pen Karriere im Familienunternehmen Front National

  • Das Familienunternehmen Front National bekommt ein neues mächtiges Mitglied: Die Nichte von Parteichefin Marine Le Pen wird am Sonntag in ein wichtiges Gremium gewählt.
  • Beobachter sehen die 24-Jährige Marion Maréchal-Le Pen bereits als gefährliche Konkurrenz. Doch ihre Tante hat auch gute Gründe, die Aufsteigerin zu fördern.
Von Lilith Volkert

Das Schaulaufen französischer Politiker nach den Sommerferien hat Marion Maréchal-Le Pen in diesem Jahr verpasst. Sie habe stattdessen eine ihrer "patriotischen Pflichten erfüllt", rechtfertigte sich die 24-jährige Abgeordnete wenige Wochen später. So nennt es die Enkelin von Jean-Marie Le Pen, wenn sie ein Kind auf die Welt bringt.

Marion Maréchal-Le Pen wird an diesem Wochenende ins Zentrum der Partei vorrücken, die ihr Großvater 1972 gegründet hat und die seit Monaten mit fremden- und europafeindlichen Parolen einen Erfolg nach dem anderen einfährt. Auf dem Parteitag des Front National in Lyon kandidiert sie für einen Platz im "Zentralkomitee", einem 100-köpfigen Gremium. Da alle FN-Mitglieder wahlberechtigt sind, gilt die Abstimmung als aussagekräftiges Beliebtheitsbarometer. Gut möglich, dass Maréchal-Le Pen von allen Kandidaten am meisten Stimmen bekommt.

Selbst für jemanden, der den bekanntesten rechtsextremen Nachnamen Frankreichs trägt, wäre das ein rascher Aufstieg. Ihr Regionalwahlkampf 2010 war noch erfolglos, vor zwei Jahren dann wurde Marion Maréchal-Le Pen in die Nationalversammlung gewählt. Dort ist sie eine von zwei FN-Vertretern - und die jüngste Abgeordnete seit mehr als 50 Jahren.

Im Gegensatz zu ihrer Tante, der Parteichefin Marine Le Pen, vertritt die Juristin die katholisch-fundamentalistische Strömung in der Partei. Einige Beobachter sehen in Marions Aufstieg schon eine Gefahr für Marine, die eine "sozialere" Linie verfolgt und wirtschaftlichen Protektionismus propagiert. Eine naheliegende Vermutung in einer Partei, die wie ein Familienunternehmen geführt wird und in der jede Diskussion um die politische Ausrichtung automatisch zu einem Familienstreit wird. Weil Marine Le Pen den FN seit vier Jahren zwar mit Erfolg, aber nicht immer im Sinne des Gründers modernisiert, knirscht es zwischen den beiden immer lauter. Trotzdem ist der 86-Jährige noch immer der unangefochtene Patron.

Eliteuni-Absolvent Philippot als Gegenspieler

Marines Lebensgefährte Louis Aliot ist Parteivize, ihre Schwester Yann kümmert sich um Großveranstaltungen. Sie hat vor kurzem Krawall gemacht - aus Angst, ihre Schwester Marine könne ihre Tochter Marion auf dem Parteitag kurzerhand abservieren.

Viel wahrscheinlicher ist aber, dass Marine Le Pen den Aufstieg ihrer Nichte nicht verhindert - weil sie auch von ihm profitiert. Mit ihren noch einmal deutlich rechteren Ansichten bedient die 24-Jährige zusätzliche Wählerschichten, etwa die konservativen Kleinbürger in Südfrankreich, wo sie ihren Wahlkreis hat. Außerdem ist sie näher an den Wählern als etwa der Eliteuni-Absolvent und Parteistratege Florian Philippot, der als Gegenspieler von Marion Maréchal-Le Pen gilt.

Sollte sie mit überzeugendem Ergebnis ins "Zentralkomitee" gewählt werden, ist Marion Maréchal-Le Pen auch offen für weitere Aufgaben, sagt sie. Sie liebäugelt mit einem Posten als Vizepräsidentin. Natürlich nur, wenn ihre Tante sie fragt.