Malis Premier zum Rücktritt gezwungen Putsch-Führer Sanogo lässt die Muskeln spielen

Hauptmann Sanogo (Archivbild aus dem April 2012): Skeptisch gegenüber einer Militärintervention.

(Foto: REUTERS)

Politisches Chaos in Mali und kein Ende: Das Militär nimmt Regierungschef Diarra fest, kurz darauf tritt er zurück. Die Entmachtung zeigt, dass die Putschisten immer noch die Fäden in der Hand halten.

Eine Kurzanalyse von Caroline Ischinger

Er hat den Machtkampf in Bamako verloren: Der malische Interimspremier Cheikh Modibo Diarra ist auf Druck der Putschisten vom März mit seiner gesamten Regierungsmannschaft zurückgetreten. Eine schnelle Lösung für Malis doppelte Krise wird damit unwahrscheinlicher.

Nach einem Coup im März in der Hauptstadt Bamako hatten Islamisten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht, wo sie seither die Bevölkerung terrorisieren. Der überraschende Rücktritt Diarras mit einer offenbar erzwungenen Erklärung (hier ein Video auf Bambara und Französisch) wirft nun ein Schlaglicht darauf, wie instabil die Lage auch im Süden ist. Vor allem aber zeigt er: Die Putschisten um Hauptmann Amadou Sanogo, die im März den damaligen Präsidenten aus dem Amt jagten und Diarra vor seinem Rücktritt festnahmen, halten weiterhin die Fäden in den Händen.

Diarra, der frühere Nasa-Astrophysiker und Microsoft-Afrika-Chef, war in Bamako zum schwächsten Glied in der Kette geworden. Nach dem Coup im März hatte er die Führung der zivilen Interimsregierung übernommen, die Putschisten auf Druck der Nachbarländer eingesetzt hatten. Die Führung galt aber seit Wochen als tief zerstritten. Die Machtkämpfe zwischen dem Interimspräsidenten Dioncounda Traoré und Premier Diarra wurden über deren Vertraute zuletzt offen in den Medien ausgetragen. Dabei näherte sich Traoré offensichtlich den Putschisten an.

Diarras Machtbewusstsein verstörte auch das Volk

Diarra befürwortete eine baldige Militärintervention der afrikanischen Nachbarstaaten mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, um die Lage im Norden unter Kontrolle zu bringen. Die Demonstrationen Ende vergangener Woche in Bamako, bei denen Hunderte ein baldiges Einschreiten forderten, sollen von Diarra organisiert worden sein. Das könnte ihn sein Amt gekostet haben, denn die März-Putschisten stehen einer ausländischen Militärintervention weiterhin äußerst skeptisch gegenüber. Sie wollen den Einsatz gegen die Islamisten am liebsten alleine führen.

Doch auch in der Bevölkerung hatte Premier Diarra an Rückhalt verloren: Insbesondere geriet er in die Kritik, nachdem er auf Berichte über seine Ambitionen auf die Präsidentschaft sehr ausweichend reagierte. Er habe erkannt, dass er die Macht liebe, sagten ihm Aktivisten nach - und auch seine früheren Unterstützer in den Reihen der Putschisten schien der Gedanke an eine Kandidatur Diarras bei der für 2013 geplanten Wahl zu missfallen. Die Nachbarstaaten Malis hatten ebenfalls betont, dass dabei kein Mitglied der Interimsregierung antreten dürfe.

Was wird aus der Mali-Mission?

Diarra steht nun offenbar unter Hausarrest - angeblich wollen die Putschisten im Laufe des Tages bekannt geben, wer ihm auf seinem Posten als Premier folgen soll. Doch sie haben vor allem ein deutliches Signal ausgesandt: Was im Interesse des Landes ist, das bestimmt in Mali nicht der Chef der Übergangsregierung, sondern Hauptmann Sanogo.

Es ist ein Signal, das auch in Brüssel für Unruhe sorgen dürfte: Dort haben die Außenminister der Europäischen Union erst am Montag ihr Einsatzkonzept für die geplante Mission in Mali verabschiedet. Die Militärs sollen jetzt mit der Planung einer europäischen Ausbildungsmission beginnen.

Eine ausführliche Analyse lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Süddeutschen Zeitung.