Mali Tod im Luxushotel von Bamako

Malis Hauptstadt galt als quirlige Metropole, doch mit der Sicherheit ist es nun vorbei - bei einer Geiselnahme sterben mehrere Menschen.

Von Tobias Zick, Kapstadt

Ein vergleichsweise friedliches Pflaster, eine ärmliche, aber quirlige westafrikanische Metropole, in der man sich auch als Europäer relativ frei und beschwingt bewegen konnte: Das war Bamako, die Hauptstadt von Mali. Dessen nördliche Landeshälfte dagegen ist seit Jahren umkämpft, von Islamisten, Tuareg-Separatisten, Schmugglern und korrupten Sicherheitskräften. Der Terror ist ein Phänomen des Nordens, so lautete bis vor Kurzem eine Gewissheit unter Mitarbeitern westlicher Botschaften und Hilfsorganisationen im südlichen Bamako. Seit diesem Freitag ist es mit der trügerischen Sicherheit endgültig vorbei. Bei einer Geiselnahme in einem Luxushotel der Stadt wurden nach Angaben der UN 27 Menschen getötet. Spezialeinheiten stürmten das Gebäude.

Zwei Angreifer wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen getötet. Unter den zeitweise als Geiseln gehaltenen Menschen waren auch vier Deutsche, wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte.

Alle konnten laut Steinmeier das Hotel unverletzt verlassen.

Der Angriff auf das Hotel zeige, "dass bis zu einer Stabilisierung Malis noch ein längerer Weg zu gehen ist und der islamistische Terrorismus in der Region noch nicht besiegt ist".

Mehrere Bewaffnete hatten am frühen Morgen das Radisson-Blu-Hotel angegriffen, die luxuriöseste Unterkunft der Stadt, mitten im Neubauviertel mit dem futuristischen Namen "ACI 2000", wo zahlreiche ausländische Firmen und Botschaften ihren Sitz haben. Die Gäste des Fünf-Sterne-Hotels sind vor allem Diplomaten, ausländische Geschäftsleute und die Besatzungen von Fluggesellschaften wie Air France; bewacht wird das Gelände von Wachleuten einer privaten Sicherheitsfirma - die der Entschlossenheit der Eindringlinge am Freitag wenig entgegenzusetzen hatten.

Als sich gerade die Schranke hob, um ein Fahrzeug mit diplomatischem Kennzeichen durchzulassen, stürmten die Angreifer auf das Grundstück, verletzten mindestens einen Wachmann schwer und drangen bis in die siebte Etage des Gebäudes vor, wo sie anfangs 170 Menschen in ihrer Gewalt hielten, 140 Gäste und 30 Mitarbeiter. Nach dem Sturm der Sicherheitskräfte erklärte der malische Innenminister Salif Traoré die Geiselnahme am Freitagabend für beendet.

Zu dem Attentat bekannten sich zunächst zwei mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Gruppen. Schon die Tatsache, dass sie mehrmals auf Arabisch "Gott ist groß" riefen, deutete auf einen islamistischen Hintergrund hin. Ein Zeuge sagte, es seien Nigerianer dabei gewesen. Dort ist die Terrorgruppe Boko Haram aktiv. Unter westlichen Diplomaten hatten Warnungen aus Geheimdienstkreisen zirkuliert, dass Terroristen in die Stadt eingesickert seien. Nach Erkenntnissen der französischen Regierung könnte auch der vor Monaten für tot erklärte Islamist Mokhtar Belmokhtar hinter dem Attentat stecken. Dieser habe die blutige Geiselnahme in der malischen Hauptstadt wahrscheinlich organisiert, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Freitagabend dem Fernsehsender TF1. Im Juni hatte die libysche Regierung mitgeteilt, dass Belmokhtar bei einem gezielten US-Luftangriff im Osten Libyens getötet worden sei - was vom Terrornetzwerk al-Qaida später bestritten wurde. Der einäugige Veteran gilt als Anführer der Terrorgruppe im nördlichen Afrika. Er soll den Angriff auf eine Gasförderanlage in Algerien befehligt haben, bei dem vor zwei Jahren 35 Geiseln ums Leben kamen, darunter drei US-Bürger. Auch wenn die islamistischen Gruppen, die durch die Wüsten im Norden des Landes marodieren, Verbindungen zu Terrornetzwerken wie al-Qaida pflegen, hat das Attentat vom Freitag möglicherweise auch einen innenpolitischen Hintergrund: Am vorigen Wochenende hatte Iyad ag Ghali, Anführer der Dschihadistengruppe "Ansar Dine", per Audiobotschaft dazu aufgerufen, ein Friedensabkommen zu torpedieren, das die malische Regierung nach langen Verhandlungen mit Tuareg-Rebellen geschlossen hatte. Iyad ag Ghali hatte früher selber für die Unabhängigkeit der Tuareg-Gebiete gekämpft, ehe er sich in den 1990er-Jahren unter dem Einfluss saudischer und pakistanischer Prediger immer stärker einer islamistischen Agenda zuwandte. Im Frühjahr 2012 besetzte er im Verbund mit anderen Dschihadisten den nördlichen Teil von Mali. Erst eine Offensive der früheren Kolonialmacht Frankreich Anfang 2013 half, die besetzten Städte wie Timbuktu und Gao zu befreien. Doch besiegt waren die Dschihadisten nicht. Sie zogen sich in die Wüste zurück, rasierten sich die Bärte ab und mischten sich unter die Zivilbevölkerung - bis heute schwebt das afrikanische Land in einem andauernden Krisenzustand.