Nach dem Tod dreier Babys in der Mainzer Uniklinik will sich Gesundheitsminister Philipp Rösler für zusätzliche Hygienevorschriften in den Ländern einsetzen. Regierungspolitiker fordern außerdem eine bundesweit einheitliche Regelung.
Der Tod von drei Säuglingen durch verunreinigte Infusionen in Mainz hat eine Debatte über Krankenhaushygiene ausgelöst. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) möchte sich mit den Bundesländern über neue Regelungen zur Hygiene in deutschen Krankenhäusern beraten, andere Koalitionspolitiker fordern zusätzlich eine bundesweit einheitliche Hygieneregelung.
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Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) möchte mit den Ländern über zusätzliche Hygieneregeln reden - andere Politiker fordern bundesweit einheitliche Vorschriften. (© dpa)
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Das Ministerium wolle bei der nächsten Gesundheitsministerkonferenz "gemeinsam mit den Länderministerien zusätzliche Regelungen für eine bessere Hygiene erörtern", teilte ein Ministeriumssprecher in Berlin mit. Für die Krankenhaushygiene sind die Länder zuständig.
Die Vorfälle in Mainz würden "sehr ernst genommen", erklärte der Sprecher weiter. Der Minister sei "tief betroffen", dass ausgerechnet Präparate, die eigentlich Menschen helfen sollten, "wahrscheinlich zu den tragischen Fällen geführt haben."
Die drei verstorbenen Säuglinge am Universitätsklinikum Mainz hatten mit Bakterien verunreinigte Infusionen bekommen. Das am Dienstag gestorbene Frühchen wurde zur Obduktion in die Frankfurter Rechtsmedizin gebracht, dort soll die Todesursache herausgefunden werden.
Die FDP-Fraktion möchte zudem eine Initiative für eine bundesweite Hygieneregelung ergreifen. "Wir haben auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene ein großes Problem, auf das der Gesetzgeber dringend reagieren muss", sagte FDP-Fraktionsvize Ulrike Flach der Neuen Osnabrücker Zeitung. Bis zu 600.000 Menschen würden sich in deutschen Kliniken jährlich mit Krankheitserregern infizieren und bis zu 40.000 Patienten sterben.
Bundesweite Hygieneregelung "überfällig"
Ähnlich äußerte sich der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU). Es sei "höchst unbefriedigend", dass trotz lange bekannter Defizite bisher wenig passiert sei, sagte er dem Blatt.
Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene begrüßte den Vorstoß. Eine bundesweite Regelung sei längst überfällig, sagte der Sprecher der Gesellschaft, Klaus-Dieter Zastrow, im Deutschlandradio Kultur. "Föderalismus hat an der Stelle nichts zu suchen. Bakterien kennen keine Grenzen."
Der Mainzer Klinikvorstand Pfeiffer mahnte allerdings, die Diskussion über Krankenhaushygiene nicht mit dem jetzigen Fall zu vermischen. Beim Thema Krankenhaushygiene gehe es um Infektionen im Krankenhaus, das habe mit dem Herstellungsprozess für die Infusionen nichts zu tun. Die Fragen sollten voneinander getrennt werden.
Geringste Ansteckungsquote in Deutschland
Nach Angaben des Allianz-Berichtes "Krank im Krankenhaus" von 2007 infiziert sich jeder zehnte Krankenhauspatient in Europa mit Keimen. In Deutschland sind es den Angaben zufolge jährlich zwischen 500.000 und einer Million Menschen.
Im internationalen Vergleich schneidet die Bundesrepublik nach einer Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gut ab. Allerdings stützt sich die EU-Einrichtung dabei auf Daten aus verschiedenen Ländern, die in unterschiedlichen Jahren und nach unterschiedlicher Methodik erhoben wurden.
Nach der ECDC-Studie hat Deutschland im Vergleich mit anderen Industriestaaten die geringste Ansteckungsquote. Demnach infizieren sich 3,5 Prozent der Patienten in deutschen Krankenhäusern mit Keimen.
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(AFP/dpa/liv/woja)
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zur Versachlichung:
Das Problem würde dadurch verschärft, dass 13 Bundesländer keine verbindliche Regelung für die Krankenhaushygiene geschaffen hätten, erklärte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker, Klaus-Dieter Zastrow. 80 Prozent aller deutschen Krankenhäuser verfügten über keine speziell ausgebildeten Hygieniker, die sich ausschließlich um die Sauberkeit kümmerten. Er forderte die Landespolitik auf, verbindliche Verordnungen zu schaffen.
In Berlin, Bremen und Sachsen gebe es bereits eine entsprechende Hygiene-Verordnung, erklärte Zastrow. Dort sei auch die Zahl der Infektionen geringer als in den übrigen Bundesländern. Es gebe zwar bundesweite Hygiene-Richtlinien, die jedoch nicht umgesetzt würden. Sogar die Niederlande und Dänemark hätten die deutschen Richtlinien inzwischen übernommen. Dort würden die Regeln vor allem auch befolgt.
Dann haben Sie meine Beitrag nicht verstanden.
Es fehlt in vielen Kliniken, dass Verständnis für ein Mindestmaß an Hygiene oder wie kann es sein, dass in Mainz 'Fäkalbakterien' in Infusionslösungen kommen?
Ich habe während meiner Tätigkeit an einer Klinik Dinge gesehen, da fragt man sich schon, welches Verständnis von Hygiene manche Ärzte haben.
Gerade Sie schreiben ja, dass das Personal geschult werden muss, mit einem gewissen Mindestmaß an Hygienekenntnisse kann in den Schulung auf die speziellen Dinge eingegangen werden, oder warum gibt es bei Fastfoodketten die Hygieneanweisungen?
Resistente Bakterien halten sie nicht mit Händewaschen auf sondern mit absondern von getesteten Patienten von Anfang an!Schulung und seperation von erkannten Trägern!
Ich kenne es auch gut!Haben sie sich schon einmal den ganzen Tag die Hände mit Desinfektionsmittel desinfiziert?
So ist es, sie haben es treffend beschrieben...
und wenn man medizinisches Personal auf der Toilette trifft und die mangelnde Hygiene sieht, dann muss den Menschen kritisieren und anschwärzen, weil das wirklich total unverantwortlich ist...
Paging