Mail-Probleme im Innenministerium Sachsen-Anhalt "Wir schicken das jetzt wieder per Fax"

Von der Vergangenheit eingeholt: Im Innenministerium in Sachsen-Anhalt werden Pressemitteilungen seit einiger Zeit auch wieder per Fax verschickt. Denn E-Mails aus dem Ressort kommen offenbar manchmal erst Stunden später an. Auch andere Ministerien und der Landtag sollen betroffen sein.

Von Barbara Galaktionow

Das Telefax war einmal eine kleine Revolution. Schriftliche Anfragen und Antworten konnten plötzlich in wenigen Minuten per so genannter Fernkopie übermittelt werden, anstatt über den langwierigen Postweg. Selbst Zeichnungen und Pläne konnten mal eben gesendet werden - ins Nachbarhaus, von München nach Berlin oder in die USA.

Doch dann kam das Internet und mit ihm Scanner und E-Mails - und das in den frühen Neunzigern omnipräsente Faxgerät büßte seinen angestammten Platz im Büro- und Redaktionsalltag ein. Die Faxnummer? Kennt kaum einer mehr auswendig. Menschen unter 30 haben oft gar keine Vorstellung mehr davon, was ein Fax überhaupt ist und wozu es gut sein soll.

Im Innenministerium in Sachsen-Anhalt hat das Gerät nun jedoch plötzlich eine neue - beziehungsweise seine alte - Bedeutung erlangt: Pressemitteilungen werden seit einigen Wochen nicht mehr nur per E-Mail, wie es inzwischen üblich ist, sondern auch per Fax versandt. "Als zusätzliche Sicherheit", wie Pressesprecherin Anke Reppin sagt.

Denn das Ministerium in Magdeburg hat ein Problem: Seine E-Mails erreichen Presseagenturen und Redaktionen mitunter erst mit mehreren Stunden Verzögerung, wie der MDR auf seiner Website meldete. "Es gibt gelegentlich Probleme, dass E-Mails nicht zeitnah ankommen", sagt dazu Pressefrau Reppin.

Zeitvorteil mit Fax: Zwölf Stunden

Mehrfach, wenn auch in unregelmäßigen Abständen, sei es passiert, dass Journalisten bei ihr nachgehakt hätten, wo denn die angefragte Information bleibe. Sie halte das grundsätzlich für "nichts Dramatisches", betont sie. Gerade im Sicherheitsbereich und anderen Belangen des Innenressorts spiele die Zeit allerdings durchaus eine Rolle. "Da geht es manchmal um zehn Minuten", sagt sie. "Deshalb habe ich dann gesagt: 'Wir schicken das jetzt wieder per Fax.'"

Mit dem Traditionsgerät geht es nun, wie es aussieht, oft deutlich schneller als via Internet-Kommunikation. Die Deutsche Presseagentur soll jedenfalls eine Mitteilung aus dem Innenministerium per Fax um 14:31 Uhr erhalten haben - die entsprechende E-Mail jedoch erst zwölf Stunden später, wie der MDR berichtet.

Der schreibt zudem, dass auch die anderen Ministerien in Sachsen-Anhalt und der Landtag von der E-Mail-Misere betroffen sein sollen. Ob das so ist, ob eine Lösung bald gefunden ist - diese Fragen konnten wir leider nicht klären, da weder der IT-Beauftragte der Landesregierung, noch die Pressesprecherin des Landtages zu erreichen waren, trotz mehrfacher telefonischer Versuche. Vielleicht sollten wir es auch einmal per Fax probieren.