Es geht um Prostitutierte in Sofia und Drogenhandel auf dem Balkan - und um einen früheren Geheimagenten, an den auch Bulgariens Premier Borissow unangenehme Erinnerungen hat.
Die Zerschlagung eines mutmaßlichen Mafia-Rings hat in Bulgarien eine Affäre ausgelöst, die auch den jetzigen und den früheren Ministerpräsidenten des Landes tangiert.
Bild vergrößern
Bei Razzien in Nachtklubs in Sofia entdeckte die Polizei 130 Frauen, die womöglich unter Zwang als Prostituierte arbeiteten. (© Foto: AP)
Anzeige
Die schillernde Figur im Zentrum des Geschehens ist der 48-jährige Aleksej Petrow, ein früherer Professor der Wirtschaftswissenschaft und einstiger Geheimagent einer Eliteeinheit zur Bekämpfung des Terrorismus und des Organisierten Verbrechens. Heute ist er an verschiedenen Firmen beteiligt.
Petrow wird ebenso wie 13 weitere Festgenommene des Drogenhandels, der Schutzgeld-Erpressung, der Geldwäsche, der Bestechung, des Steuerbetrugs und der Förderung von Prostitution beschuldigt. In seinem Büro wurden, wie Innenminister Tswetan Tswetanow am Wochenende mitteilte, Geheimakten gefunden, zu denen er niemals hätte Zugang haben dürfen.
Der umfangreiche Polizeieinsatz lief unter dem Codenamen "Operation Octopus" und wird von der konservativen Regierung als weiterer wichtiger Schlag in ihrem Kampf gegen das Organisierte Verbrechen bezeichnet.
Begonnen hatte die Aktion in der Nacht zum Mittwoch mit Razzien in 13 Nachtklubs und fünf Striptease-Bars in Sofia. Dabei wurden 130 Frauen entdeckt, die vermutlich zumindest zeitweise als Prostituierte arbeiteten, möglicherweise unter Zwang. Danach folgte die Durchsuchung mehrerer Wohnungen und Büros und die Festnahme der 14 Verdächtigen.
Mafia-Gruppe seit zehn Jahren aktiv
Im Laufe der vergangenen Tage wurde dann bekannt, dass die gesprengte Mafia-Gruppe seit einem Jahrzehnt aktiv gewesen sei. Sie habe zum Beispiel in dem heute insolventen Hüttenwerk Kremikowtzi bei Sofia die Wachtruppe gestellt, gleichzeitig die Firma durch den Erwerb von Anteilsscheinen finanziell ausgehöhlt und sich dann ihres Vermögens bemächtigt, sodass der Bankrott nahte.
Außerdem soll es betrügerische Machenschaften mit einem Sofioter Taxiunternehmen gegeben haben.
Aleksej Petrow, der den Spitznamen "Der Traktor" führte, gilt nach bulgarischen Presseberichten als Chef des Mafia-Rings. Der promovierte Ökonom gehörte als junger Mann seit Ende der 1980er Jahre zu einer Spezialeinheit des Innenministeriums, die für den Kampf gegen Terroristen trainiert wurde.
Zeitweise war er auch Karate-Trainer - wie der konservative Ministerpräsident Bojko Borissow, mit dem zusammen Petrow in den 1990er Jahren eine Firma besaß. Aus Kreisen von Ringern, Faustkämpfern und anderen Athleten hatte sich nach 1989 in Bulgarien die Mafia rekrutiert.
Ex-Premier streitet Vorwürfe ab
Aleksej Petrow arbeitete später im Innenministerium, wo er wieder auf Borissow traf. Zuletzt war er bis vor einem halben Jahr als Undercover-Agent für die 2007 vom damaligen sozialistischen Premierminister Sergej Stanischew gegründete Sonderbehörde für nationale Sicherheit (Dans) tätig.
Stanischew setzte sich jetzt gegen Vorwürfe zur Wehr, er habe Petrow gefördert. Der Mann habe in der Sicherheitsbehörde nur eine untergeordnete Funktion gehabt, erklärte er. Pikanterweise wurde der heutige Oppositionsführer von seinem eigenen Parteifreund Rumen Petkow bereits zum Rücktritt aufgefordert. Petkow hatte seinerseits als Innenminister abdanken müssen, weil er zwei berüchtigte Mafiosi getroffen hatte.
Unangenehmen Fragen sieht sich auch der jetzige Premier Borissow ausgesetzt. Als "vollkommenen Unsinn" bezeichnete er Vermutungen, er könnte persönliche Gründe für einen Rachefeldzug gegen den einstigen Geschäftspartner Petrow haben, weil dieser 1997 einen Bombenanschlag auf Borissows Auto veranlasst habe.
Damals war Borissow Chef einer Sicherheitsfirma, bei dem Anschlag wurde seine Lebensgefährtin schwer verletzt. Unter seiner Regierung führe der Staat ,,einen Krieg gegen das Verbrechen'', sagte Borissow. Hingegen erklärte der festgenommene Petrow, sein Arrest sei politisch motiviert. Innenminister Tswetanow, ein Vertrauter Borissows, sei hinter ihm her, weil er sich persönlich rächen wolle.
(SZ vom 15.02.2010/cgn)
Es gibt Länder in denen jeder Weiß, daß man bestechen muss um die Sache vorwärts zu bringen (Bakschisch in den orientalischen und afrikanischen Ländern), dann gibt es Länder (wie zb. den Balkan), da weiß auch jeder, daß ohne Bestchung nix läuft, aber es läuft zumindest versteckt unter den Ladentisch ab und dann gibt es Länder wie Deutschland etc., in dennen die Bestechung als "Unkostenbeitragetc." deklariert wird
Aber geschmiert wird immer.... die Zeche zahlt immer der kleine Mann. Glaubt wirklich jemand daß bei größeren bauvorhaben bei uns nicht geschmiert wird ?
Die Allianzarena lässt grüßen ! :-)
Es gibt nichts zu beschönigen; die beschriebenen Taten entsprechen nicht den Gesetzen, die Täter sind Kriminelle. Es gibt aber m.E. nicht den geringsten Anlass, unsere Verhältnisse in Mitteleuropa als besser anzusehen. Kärnten? Hypo Alpe Adria? Lichtenstein? Steuer-CDs?
die Segnungen des freien Westens....
Zum Glück gibt es solche widerwärtigen Umstände nirgends im Rest Europas. Dank unserer hervorragenden Volksvertreter sind wir in einem freien Land. Danke, liebe Politiker.
Vor 4 Wochen sollte eine Bulgarin, der Verbindungen zur BG-Mafia nachweisbar waren, zur EU-Kommissarein berufen werden.
Die EU stoppte teile der EU-Transfers nach Sofia wegen offensichtlicher Unterschlagungen durch Personen in der Regierung BGs.
Griechenland läßt wie auch Alt-EU-Kommissar Günther Verheugen, sPD grüßen :
" Es wird nichts besser, aber alles schlimmer !"