Machtwechsel Liberale Opposition gewinnt Wahl in Kanada

Der Liberale Justin Trudeau (hier im Jahr 2013).

(Foto: dpa)
  • Die liberale Opposition gewinnt die Parlamentswahl in Kanada. Der designierte Premier Trudeau verspricht Veränderungen.
  • Die Liberalen hatten im Wahlkampf angekündigt, die Sparpolitik zu beenden.
  • Der abgewählte konservative Premier Harper räumt seine Niederlage ein.

Trudeau verspricht Veränderungen

Mit einem Erdrutschsieg für die Liberalen haben die Kanadier ihren konservativen Premierminister Stephen Harper nach fast zehn Jahren im Amt abgewählt. Die Liberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Justin Trudeau gewannen bei der Parlamentswahl am Montag (Ortszeit) ersten Prognosen zufolge mehr als 170 Sitze und können damit eine Mehrheitsregierung stellen.

Der designierte Premier Justin Trudeau versprach dem Land einen Wandel. "Es ist Zeit für Veränderungen in diesem Land, echte Veränderungen", sagte er in der Nacht zum Dienstag vor Anhängern in der ostkanadischen Metropole Montréal. "Ich werde der Premierminister aller Kanadier sein." Trudeau bedankte sich bei seinen Wählern und dankte auch dem bisherigen konservativen Premierminister Stephen Harper für dessen Arbeit. "Konservative sind nicht unsere Feinde, sondern unsere Nachbarn." Die Liberalen hätten die Wahl gewonnen, weil sie zugehört hätten, sagte Trudeau weiter. "Wir haben Angst mit Hoffnung geschlagen, Zynismus mit harter Arbeit und Negativität mit einer positiven Vision, die alle Kanadier zusammenbringt."

Trudeau, 43, wird der zweitjüngste Regierungschef in der Geschichte des Landes. Bereits sein Vater Pierre war mit einer Unterbrechung zwischen 1968 und 1984 Regierungschef Kanadas.

Harper tritt als Parteichef zurück

Kanadas bisheriger Premier Stephen Harper räumte seine Niederlage ein und trat als Vorsitzender der Konservativen Partei zurück. "Das Ergebnis ist sicher nicht das, was wir uns erhofft hatten", sagte Harper vor Anhängern in der westkanadischen Öl-Metropole Calgary. "Aber das Volk hat immer recht. Wir haben alles auf den Tisch gelegt, wir haben alles gegeben, und wir bereuen nichts." Er gratulierte Trudeau zum erfolgreichen Wahlkampf.

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Über den Präsidenten der Konservativen Partei ließ Harper ausrichten, dass er sein Amt als Vorsitzender der Konservativen Partei niederlegen werde. "Die Enttäuschung, die viele von euch fühlen, ist meine Verantwortung", sagte Harper. Parlamentsabgeordneter will der 56-Jährige aber weiter bleiben. Seine fast zehnjährige Amtszeit als Premierminister sei eine "unglaubliche Ehre" und eine "großartige Erfahrung" gewesen. Harper hatte das Land seit 2006 regiert, er war zweimal wiedergewählt worden.

Geplantes Ende der Sparpolitik

Der Machtwechsel dürfte zu einem Umbruch in der kanadischen Wirtschafts- und Verteidigungspolitik führen. Die Liberalen hatten im Wahlkampf eine Abkehr von Harpers Sparpolitik angekündigt. Sie wollen zudem die Angriffe der kanadischen Luftwaffe auf die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien einstellen. Noch ist nicht klar, ob die Liberalen eine Koalition eingehen werden und mit wem.

Nach dem kanadischen Wahlsystem kann sich eine Partei sogar mit weniger als 40 Prozent der Stimmen der 26,4 Millionen Wahlberechtigten eine Mehrheit im Parlament sichern. Eine Minderheitsregierung könnte politische Instabilität mit sich bringen: Derartige Regierungen halten in Kanada selten länger als 18 Monate.