Von Bernd Oswald

Erwin Huber beweist viel Phantasie bei dem Bestreben, seinen Kontrahenten Horst Seehofer im Kampf um den CSU-Vorsitz abzufinden. Was er dem Bundesminister alles anbot und was davon zu halten ist.

Vor einer Woche kündigte Edmund Stoiber seinen kompletten Rückzug für September an. Seitdem schwelt der Führungsstreit der CSU und an fast jedem Tag, der seitdem vergangen ist, gab es einen neuen Vorschlag, wie man das Fell des Bären verteilen könnte.

Anzeige

Schon bevor Stoiber seine Abdankung verkündete, waren Eilmeldungen gelaufen, dass Innenminister Beckstein Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Huber CSU-Chef werden solle.

Dumm nur, dass Horst Seehofer bei diesem Spiel nicht mitmachte und prompt ebenfalls seinen Hut in den CSU-Chef-Ring warf.

Huber, Beckstein und Konsorten versuchen nun, die "rollende Kanone" Seehofer mit mehr oder weniger phantasievollen Vorschlägen wieder dingfest zu machen.

Zuerst hieß es, Seehofer solle erster stellvertretender CSU-Vorsitzender werden, ein primus inter pares also. Das wäre neu in der CSU, die bisher nur vier gleichberechtigte Vorsitzende kennt. Andererseits ist Peter Raumsauer, der Landesgruppen-Chef in Berlin, erster stellvertretender Vorsitzender der Unions-Fraktion im Bundestag. Die dortige Konstellation ist aber ein Sonderfall und nicht mit den Strukturen der Landespartei zu vergleichen.

Die SPD arbeitete während der Episode Platzeck im Winter 2005/06 ebenfalls mit einem ersten stellvertretenden Vorsitzenden: Kurt Beck wurde dann prompt Parteichef, als Platzeck aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat.

Dann wurde eine Doppelspitze ins Spiel gebracht: Huber und Seehofer als Parteichefs. Die Grünen lassen grüßen. Das passt aber nicht zur CSU, die fast immer unumstrittene Vorsitzende hatte: Die Hierarchien sind für gewöhnlich so klar wie die Mehrheiten im bayerischen Landtag.

Den Streit würde so eine Doppelspitze keineswegs entschärfen: Dafür haben die beiden Kontrahenten ihren Führungsanspruch zu unmissverständlich geäußert. Außerdem wäre die Abstimmung zwischen Huber in München und Seehofer in Berlin zumindest umständlich und nervenraubend.

Schon sehr viel spezieller ist der Vorschlag, Seehofer einen Sitz im Koalitionsausschuss von Union und SPD in Berlin anzubieten. Dort sitzen für die CSU bisher Stoiber als Parteichef und Landesgruppen-Chef Ramsauer. Da Ramsauer bestimmt nicht weichen will (und als Statthalter, der voll im Tagesgeschäft drin ist, auch nicht weichen sollte), müsste Huber seinen Stuhl für Seehofer räumen.

Das würde die bundespolitische Stellung Hubers noch weiter schwächen: Als CSU-Chef im bayerischen Kabinett wäre er in der Bundespolitik ohnehin schon nicht so präsent. Er würde dadurch vollends zu einem CSU-Vorsitzenden zweiter Klasse.

Auch Seehofer dürfte kaum damit zufrieden sein: Nach außen lässt sich der Titel "Mitglied des Koalitionsausschusses" nicht verkaufen.

Bliebe noch die Devise "Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte": So wurde schon kolportiert, Stoiber könne im Zweifelsfall auch über den 30. September hinaus CSU-Chef bleiben. Das hat Stoiber mittlerweile hart dementiert. Aber in den vergangenen Wochen wurde in der CSU ja so einiges dementiert...

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de)