Luftangriffe auf Huthi-Miliz Menschenrechtler werfen Saudis Einsatz von Streubomben im Jemen vor

Eine Streubombe wird kontrolliert zur Explosion gebracht. Ähnlich wie Landminen bedroht Streumunition das Leben von Zivilisten noch Jahre nachdem kriegerische Konflikt beendet sind.

(Foto: AFP)
  • Menschenrechtler werfen der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition vor, im Jemen international geächtete Streumunition zu verwenden.
  • Widersprüchliche Berichte kursieren über einen Einsatz saudischer Bodentruppen in dem südlichen Nachbarland.
  • Der UN-Sicherheitsrat konnte sich in einer Dringlichkeitssitzung noch nicht auf einen Resolutionstext einigen, der die Konfliktparteien zum Waffenstillstand auffordert.

Streubomben sollen in der Nähe von Siedlungen abgeworfen worden sein

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition den Einsatz geächteter Streumunition im Jemen vorgeworfen. Fotos, ein Video und andere Indizien deuteten darauf hin, dass bei Luftangriffen auf Stellungen der Huthi-Miliz im Jemen Streubomben abgeworfen worden seien, erklärte HRW.

Nach Angaben von HRW geht aus Satellitenbildern hervor, dass in der Provinz Saada, einer Hochburg der Huthis im Norden des Landes, Bombensplitter auf einer landwirtschaftlichen Fläche wenige hundert Meter von bewohntem Gebiet niedergegangen seien. Es handele sich vermutlich um Streumunition vom Typ CBU-105, die von den USA an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert worden sei.

Streubomben setzen hunderte kleinerer Bomben frei. Viele Blindgänger explodieren erst Jahre später. Genau wie Landminen geht die Munition bei Berührung in die Luft - wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist schwer verstümmelt. Nach einem von 116 Staaten unterzeichneten Vertrag aus dem Jahr 2008 ist Streumunition international verboten. Saudi-Arabien, die USA und der Jemen schlossen sich dem Abkommen jedoch bislang nicht an.

Erstmals saudische Bodentruppen im Jemen

Saudi-Arabien bekämpft seit Wochen an der Spitze einer überwiegend sunnitischen Militärallianz die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen. Seit dem Beginn der Kämpfe Mitte März wurden mindestens 1200 Menschen getötet und tausende weitere verletzt.

Am Sonntag wurde vor allem rund um die südliche Hafenstadt Aden gekämpft. Medien berichteten Saudi-Arabien setze dort nun auch erstmals Bodentruppen ein. Vertreter der regierungstreuen Milizen in Aden erklärten, dass ein kleineres Kontingent arabischer Truppen zu einer Erkundungsmission in Aden angekommen sei. Ein Sprecher des saudischen Militärs in Riad dementierte diese Meldungen gegenüber dem Fernsehsender Al-Arabija.

Vor einigen Tagen hatte das Außenministerium in Riad mitgeteilt, dass saudiarabische Bodentruppen einen Huthi-Angriff an der Grenze zwischen beiden Ländern abgewehrt hätten. Luftangriffe gab es nach Angaben von Rettungskräften in der Nacht zum Sonntag in der Hauptstadt Sanaa, im Osten und im Norden des Landes.

UN-Sicherheitsrat hält humanitäre Lage für katastrophal

Der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten im Jemen, Johannes van der Klaauw, klagte, in dem Land mangele es mittlerweile an Gesundheitsversorgung, Nahrungsmitteln und Wasser, weil wegen einer Seeblockade kein Treibstoff mehr ins Land gelassen wird. Wenn in den kommenden Tagen nichts getan werde, werde das Land "vollständig zum Stillstand kommen". Die Lage sei "äußert besorgniserregend". Bei einer Dringlichkeitssitzung zur Lage im Jemen konnte sich der UN-Sicherheitsrat am Freitag jedoch nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen.

Russland hatte die Sitzung in New York beantragt und in einem Entwurf einen sofortigen Waffenstillstand oder zumindest Feuerpausen für humanitäre Hilfe gefordert. Ein UN-Diplomat sagte, die 15 Ratsmitglieder seien sich einig gewesen, dass die humanitäre Lage im Jemen katastrophal und politische Gespräche zur Lösung des Konflikts notwendig seien. Sie bräuchten aber mehr Zeit, um sich auf einen gemeinsamen Text zu einigen. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin kritisierte die "erstaunliche Unentschlossenheit" des Gremiums angesichts der humanitären Lage in dem Land.