Eine Entschädigung für die Kundus-Opfer ist richtig - fragwürdig ist jedoch die Rolle der Anwälte. Sie arbeiten mit Beweisen, die es nicht gibt.
Von den vielen falschen Entscheidungen nach dem Bombardement von Kundus war und ist die Zusage, Entschädigungsverhandlungen mit einem deutsch-afghanischen Anwaltskonsortium aufzunehmen, eine der bedauerlichsten. Vorsicht: Nichts spricht gegen Entschädigungen; so hat es die Regierung in Berlin auch schon in anderen Fällen gehandhabt. Aber viel spricht dagegen, diese Entschädigung über Anwälte in Deutschland vermitteln zu lassen, die sich das Mandat beschafft haben wie amerikanische Schadenersatz-Jäger.
Ein afghanischer Beamter untersucht die Überreste eines Tanklasters nach dem Luftangriff im September. Die Zahl der Opfer - die Nato geht von maximal 142 aus - lässt sich nicht genau rekonstruieren. (© Foto: AP)
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Übrigens wurde bereits eine Entschädigung gezahlt. Die Regierung in Kabul hat den Angehörigen der Toten 2000 Dollar, jenen der Verletzten 1000 Dollar ausgehändigt. Solche Zahlungen werden überall im Land geleistet, wenn Zivilisten von den Koalitionstruppen getötet oder verletzt werden. Die Summen sind niedrig, die Zahlung entspricht dem Ehrenkodex der Paschtunen und vermittelt ein Gefühl von Gerechtigkeit, auch wenn die Nato noch keine einheitlichen Regeln bei Entschädigungen befolgt.
Fragwürdig ist indes die Rolle der Anwälte in Deutschland. Sie arbeiten mit Beweisen, die es gar nicht gibt. Weder die Zahl, noch die Rolle der Opfer lässt sich genau rekonstruieren. Die Nato geht von maximal 142 Toten aus, realistisch ist eine Zahl von etwa 100. Unklar wird bleiben, wer ein feindlicher Kämpfer war und wer nicht. Hier sind die Grenzen fließend: Wer sich rings um Kundus morgens in die Wahllisten eintragen lässt und damit als Freund der Regierung erscheint (wie es die Anwälte als Gesinnungs-Beleg anführen), kann als Feierabend-Taliban bei der Entführung eines Tanklastzuges helfen.
Nach dem Unglück wurden keine Spuren gesichert, es gab keine forensische Untersuchung, es fehlt jeder belastbare Beweis, der vor Gericht akzeptiert würde. Am Ende ist nicht auszuschließen, dass es um einzelne Fälle erbitterten Streit geben könnte. Der Streit würde auch nach Afghanistan getragen, wo die Aussicht auf das große Geld schon viel Schaden angerichtet hat. Deshalb kann die Bundesregierung den Streit vor Gericht nicht suchen wollen, ihr bleibt die stille Einigung mit den Anwälten.
Damit aber hat sie sich auf ein gefährliches Spiel eingelassen. Nicht nur hat sie es versäumt, schon vor Wochen von sich aus Schadenersatz anzubieten. Nun wird sie getrieben von der Kundus-Affäre, der Sorge um ein neues Afghanistan-Mandat und einer populistischen Stimmung gegen den Einsatz.
Es ist richtig, dass dieser schwerste kriegerische Akt der jüngsten deutschen Geschichte aufgearbeitet und gesühnt werden muss. Das aber sollte in Kundus und den Paschtunen-Dörfern selbst geschehen. Arbeitsbeschaffungs-Projekte und Befriedung - das wären jetzt die richtigen Signale. Sie würden dem Frieden in der afghanischen Bevölkerung mehr dienen als ein Ablasshandel für das schlechte Gewissen, der von Anwälten mit großem Gestus vermittelt wird.
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(SZ vom 09.12.2009/kat)
Fukushima-Investment der Deutschen Bank
"Nach dem Unglück wurden keine Spuren gesichert, es gab keine forensische Untersuchung, es fehlt jeder belastbare Beweis,.."
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Warum eigentlich ? Hielt mal wohl nicht für nötig bei den harten Jungs der Task-Force.
Ach so ja, Entschuldigung. Die Polizei dort muss ja erst noch von uns instruiert werden.
@Wolfgang Herold (13:13:36): Ich beschäftige mich in meinem Beitrag (11:49:13) mit der von Herrn Kornelius an der Tätigkeit der Anwälte geäußerten Kritik, insbesondere der Sprache, in der diese Kritik hervorgebracht wird. Ich bezeichne den Inhalt des Artikels als gefährlich, zynisch und menschenverachtend.
Was hat die Frage der Verantwortlichkeit für diesen Einsatz, was haben irgendwelche Gräueltaten, was hat die Frage eines Propagandaministeriums, was hat der Inhalt Ihres Beitrags überhaupt mit meinem Beitrag zu tun? Ich verstehe es nicht.
@standhaft (17:28:44): Woher wissen Sie, dass sich die Anwälte das Mandat "in Manier von amerikanischen Schadensersatz-Jägern beschafft" haben? Was heißt das? Die afghanischen Waisen und Witwen werden höchstwahrscheinlich nicht über die neueste Auflage des Dt. Anwaltsverzeichnisses verfügen. Wessen Aufgabe ist es denn, dafür zu sorgen, dass "die Hinterbliebenen ausreichend entschädigt werden", wenn nicht die Aufgabe von Anwälten?
Auch in Ihrem Falle ist die Sprache verräterisch: Die Anwälte sind "plötzlich" tätig geworden? Wann denn? Was heißt plötzlich in diesem Fall?
Ich habe auch nichts von Nächstenliebe geschrieben. Ganz im Gegenteil: Ich habe darauf verwiesen, dass eine Honorierung der Anwaltstätigkeit legitim ist.
Ihre Behauptungen über (angenommen) Herrn Popal kann ich nicht überprüfen. Vorausgesetzt sie stimmen: Was wollen Sie denn damit zum Ausdruck bringen?
Der Tenor Ihres Beitrags lautet ebenso wie der des Kornelius-Kommentars aus meiner Sicht: Kaum bombt man mal hundert Leute in Afghanistan zu Tode, schon kommen die Anwälte wie die Aasgeier aus ihren Löchern und wollen für ihre Tätigkeit auch noch gutes deutsches Geld verdienen.
Sie alle haben weder die Grundlagen des Rechtsstaats noch die unserer Verfassung begriffen.
Abgeshen davon, dass die Kiege nicht in erster Linie auf Machenschaften der machtgeilen Politiker oder schießfreudige Militärs zurückzuführen sind, sondern auf deren Hinterfrauen- und männer, die die ökonomische Macht besitzen und für deren Erhalt und Ausbau u.a. Kriege anzetteln und führen, möchte ich ein paar Wörter über die Rolle der Anwälte schreiben, die plötzlich in der Kundus-Trgödie aktiv geworden sind.
Was die Aktivitäten der Anwälte anbetrfft, mussich den Verfasser des Kommentars " Deutscher Ablasshandel " , Stefan Kornelius in Schutz nehmen, wenn er behauptet, dass die Anwälte sich das Mandat in Manier von amerikanischen Schadensersatz-Jäger beschaft hätten. Gerade diese Behauptung S.K. wird seitens thinkbest scharf angegriffen und so getan, dass die Anwälte quasi in erster Linie aus der nächsten Liebe für die Hinterbliebene tätig geworden seien. Dass den armen Dorfbewohnern und Zivilisten am 04.09.09 ein Verbrechen widerfahren ist, ist m.E. unbestritten. Dass die Hinterbliebenen ausreichend entschädigt werden müssen,ist das höchste Gebot.
Aber dass diese Entschädigung unbedingt durch Vermittlung eines Anwaltskonsortiums zu Stande kommen soll, deren Wortführer, Deutsch-Afghanischer Anwalt, jahrzehnte Lang Agitator der radikalislamischen Partei von Gulbudin Hekmatyar, aus deren Reihen zum Teil die Taliban entstanden sind, habe ich meinen großen Zweifel. Geschieht das, dann würde es bedeuten, dass man den Bock zum Gärtner macht.
Der richtige Schlußsatz "Afghanistan ist nicht Deutschland" ist eine Binsenweisheit. Doch Politiker, wohl gut beraten aus Kreisen üblicher Kriegsgewinner, reden uns ein, dort würde unsere Freiheit verteidigt.
Kriege sind immer schmutzig und ein Beweis für unfähige oder machtgeile Politiker. Aber auch ein Ergebnis auf Erfolgsmeldungen gieriger Militaristen, die ihre Sandkastenspiele umsetzen möchten. Auch das ist bekannt. Sehen wir einmal von bestimmten Organisationen ab, deren Beurteilung nicht bei Einmärschen in fremde Territorien und Greueltaten an der Zivilbevölkerung beginnt, sondern dann, wenn ein gequältes Volk am Ende seiner Leidensfähigkeit ist und sich seiner Besatzer/Befreier entledigen will. Zu welchen Greueltaten Vergeltung und Hass fähig sind, ließe sich aus der Geschichte lernen.
Hoffen wir, dass aus unserem Verteidigungsminister nicht ein Kriegsminister wird. Ein Propagandaministerium brauchen wir bei unseren Politikern mit ausgeprägten Talenten des Verschleierns, der Ignoranz, des Leugnens und abstruser Versprechungen von Wohltaten angesichts leerer Kassen nicht mehr.
Es genügt, für einen Augenblick vor der Weltöffentlichkeit Buße zu tun. Ein Ablass erspart eindringliches Nachdenken über Sinn und Realität des Afghanistaneinsatzes.
Seit Beginn der Diskussion über die Folgen des Luftangriffs frage ich mich, wes Geistes Kind man wohl sein muss, um Kommentare wie eaglefour, guhvieh oder josky01 - um nur einige zu nennen - abgeben zu können. Nach der Lektüre des Prantl-Artikels "Wie viel kostet ein toter Afghane?" (leider vollkommen missratene Überschrift) hatte ich vorübergehend Hoffnung geschöpft.
Dann kam der Kommentar von Stefan Kornelius.
Anders als coffeeshop ist es mir unter Anstrengung gelungen, ihn zu Ende zu lesen. Danach habe ich mich über die Beiträge der o.g. User und die übrigen Beiträge mit vergleichbarem Inhalt nicht mehr gewundert.
Bereits die Sprache des Kommentars ist verräterisch.
Der Bezug zum Ablasshandel des Mittelalters soll offensichtlich negative Assoziationen wecken. Wie Diaula angemerkt hat, ist es auch vollkommen unangemessen, von einem Unglück zu sprechen.
Filus hat darauf hingewiesen, dass die Anwesenheit verdampfter Menschen nicht nachzuweisen ist. Python11 hat den Kommentar als albern und als Witz bezeichnet.
Er ist aber noch mehr: er ist gefährlich, er ist zynisch, er ist menschenverachtend.
Der Kommentar biete all denjenigen eine Plattform, die seit Tagen in geradezu hysterischer Demagogie gegen die Faktenlage argumentieren. Da wird darauf hingewiesen, dass es nicht die richtige Zeitung war, deren Beitrag die verheimlichten Umstände an´s Licht gebracht hat, dass es einfach ist, vom Sofa aus zu argumentieren, dass im 2. WK Zivilisten ohne Entschädigung der Hinterbliebenen getötet worden sind; es wird die Frage gestellt, welche Entschädigung die Taliban für getötete Soldaten zahlen und dergleichen Unfug mehr.
Nun also die Anwälte.
Merke, Herr Kornelius: Es ist die Aufgabe eines Anwalts, die Interessen seiner Mandanten zu vertreten. Es ist legitim, dass er für seine Tätigkeit bezahlt wird. Es kann auch keine stille Einigung mit den Anwälten geben, allenfalls mit deren Mandanten. Auch diese Formulierung ist nicht nur einfach falsch, sie ist verräterisch.
Den Anwälten vorzuwerfen, sie verfügten über keine belastbaren Beweise ist vor dem Hintergrund, dass die Tatortsicherung entgegen der Einsatzregeln unterblieben ist, in einer Weise zynisch, dass es mir graut.
Es ist sehr zu begrüßen, dass jemand die Interessen der Verletzten und Hinterbliebenen vertritt, der sich mit den Verhältnissen in Afghanistan auskennt und somit beurteilen kann, wie am sinnvollsten geholfen werden kann. Merke: Afghanistan ist nicht Deutschlan
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