Der ehemalige Bundeswehrgeneral und Vorsitzende des Nato-Militärausschusses Klaus Naumann über die Folgen des verheerenden Luftangriffs in Afghanistan, sich selbst disqualifizierende Bündnispartner - und die steigenden Gelüste der Taliban.
General a. D. Klaus Naumann, 70, war von 1996 bis 1999 Vorsitzender des Nato-Militärausschusses. Zuvor war er Generalinspekteur der Bundeswehr.
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General a. D. Klaus Naumann (© Foto: ddp)
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sueddeutsche.de: Herr Naumann, wie genau können Tanklaster, wie jetzt in Afghanistan geschehen, bombardiert werden? Oder anders gefragt: Wie groß ist die Gefahr von zivilen Opfern, wenn man zwei Tanklaster aus der Luft bombardiert?
Klaus Naumann: Die Bombardierung mit den verwendeten GPS-gesteuerten Bomben kann mit großer Genauigkeit durchgeführt werden. Unbeteiligte, die sich in der Nähe explodierender Benzintanker aufhalten, kommen vermutlich immer zu Schaden. Deswegen hat Oberst Klein ja die Einschätzung der Piloten angefordert, hat deren Bilder überprüft und zusätzlich einen Informanten vor Ort um Bestätigung gebeten, dass die Menschen im Zielgebiet Taliban oder Unterstützer sein - und erst danach den Einsatz freigegeben.
sueddeutsche.de: Es gibt für Afghanistan eine sogenannte Luftschlag-Doktrin. Sie gibt klar vor, dass im Zweifel nicht aus der Luft bombardiert werden soll. Wurde diese Doktrin im Fall des Angriffs auf die Tanklaster nicht verletzt?
Naumann: Das wird gegenwärtig von der Nato geprüft, eine Antwort ist daher zurzeit nicht möglich.
sueddeutsche.de: Es heißt, die Bilder, die vor dem Angriff gemacht wurden, hätten gezeigt, dass alle Menschen um die Laster herum bewaffnet gewesen wären. Ist das auf solchen Aufklärungsbildern so genau auszumachen?
Naumann: Die Bildqualität ist für geübte Betrachter relativ gut, allerdings können witterungs- und tageszeitbedingt Einschränkungen auftreten.
sueddeutsche.de: Was halten Sie davon, dass Verteidigungsminister Franz Josef Jung erst tagelang darauf bestand, dass nur feindliche Taliban getötet wurden - und er jetzt davon abrücken muss. Inzwischen hat auch die Nato den Tod von Zivilisten eingeräumt.
Naumann: Der Minister verließ sich auf eine ihm vorliegende, als zuverlässig bewertete Einschätzung.
sueddeutsche.de: Wie bewerten sie die Informationspolitik des Verteidigungsministeriums und des Ministers Jung?
Naumann: Sicherlich verbesserungsfähig, aber das dürfte in solchen Lagen stets der Fall sein. Wichtig aber ist, dass man aus dem Vorfall die Lehre zieht, dass nur rückhaltlose und sofortige vollständige Information ermöglicht, die Diskussion kontrolliert zu gestalten.
sueddeutsche.de: Hat sich jetzt für die deutschen Soldaten in Afghanistan die Situation verschlechtert, die ja bisher mit Erfolg die neue Strategie des neuen US-Befehlshabers McChrystal, nämlich Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen, durchgesetzt haben?
Naumann: Eine Verschlechterung ist zumindest örtlich nicht auszuschließen. General McChrystals sofortige Reaktion gegenüber der afghanischen Bevölkerung kann aber helfen, die Auswirkungen zu begrenzen.
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Es ist immer ein wenig schwierig, wenn man von sich auf andere schliesst. Es gibt einfach Menschen, deren Stolz es nicht zulässt, ihre nationale Souveränität gegen billige Ramschware zu tauschen.
Die Land-gegen-Glasperlen-Zeit ist schon eine Weile vorbei..
Danke für Ihre Antwort.
Was man jetzt unter "theoretisch möglich" verstehen kann weiss ich auch nicht.
Wie wohl alle hier war ich nicht dabei, fehlt mir die Ausbildung und die Informationen zur Beurteilung der Lage und bin froh nicht in dieser Situation gewesen zu sein.
Die "Frage" bezog sich jedoch mehr auf die Tötung von Zivilisten, das habe ich anscheinend ungeschickt ausgedrückt.
Trotzdem vielen Dank.
Hier haben Sie die Antwort offiziell:
Zur Frage, warum anstelle des Luftschlags keine Bodentruppen eingesetzt wurden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, wegen der Beteiligung der Bundeswehr an einer anderen Operation hätten unter anderem keine Schützenpanzer zur Verfügung gestanden. Dies habe Klein bei der Beurteilung der Gesamtlage berücksichtigen müssen. Ein Bodeneinsatz sei jedoch theoretisch möglich gewesen.
auch wenn das von Herrn Naumann anders gedacht war, hier mein Dummer Kommentar dazu:
Was in Agghanistan fehlt, sind unzählige Handys, Computer, Spielekonsolen, Kaugummi
Jeans, westliche Mode, Farbfernseher ohne Ende - mindestens 200 McDonalds und
Burger King Filialen und und Coca Cola füralle, bis zum Abwinken.
In kürzester Zeit wird sich diese Gelüste keiner mehr wegnehmen oder zerstören lassen wollen.
Ein Versuch wäre es allemal wert - oder nicht ?
Wissen sie, das Dumme ist, dass da, wo wir gefahrlos "helfen" könnten für uns nichts zu holen ist. Ein echtes Dilemma, denn so sind wir gezwungen unsere "Hilfe" mit Waffengewalt aufzuzwingen.
Im Gegenteil wenn irgendwo Leute gewählt werden, die ihrer Bevölkerung, also genauer gesagt dem armen Teil ihrer Bevölkerung helfen wollen, indem sie beispielsweise ihre Öleinnahmen zum Brunnen bohren oder Schulen bauen verwenden, dann regiert man darauf außerst verschnupft. Der eine oder andere Putsch wurde aus diesem Grunde sogar initiiert.
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