Die Stadt Duisburg unter Oberbürgermeister Sauerland verbietet Bloggern die Veröffentlichung vertraulicher Loveparade-Dokumente. Erste Begründung: Urheberrecht. Inzwischen geht es um Datenschutz.
Die Frage, ob Adolf Sauerland als Oberbürgermeister der Stadt Duisburg zu halten ist, wird noch immer heftig diskutiert. Der CDU-Politiker tauchte zunächst nach dem Desaster bei der Loveparade mit 21 Toten ab, stellt sich inzwischen aber Interviewern. Da gestand er zum Beispiel ein, bei der überhöhten Zahl der Teilnehmer der Loveparade geschummelt zu haben. Das sei ja Marketing.
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Unmittelbar nach dem Loveparade-Unglück wurde Kritik an Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) laut. Nun bietet die Stadt neue Angriffsfläche: Sie verbot dem örtlichen Blog "xtranews.de" die Veröffentlichung von Dokumenten aus dem Genehmigungsverfahren der Großveranstaltung. (© APN)
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Mit der Aufklärung der Katastrophe, natürlich, meine er es ernst. Doch nun lässt die Stadt Duisburg gerichtlich die Veröffentlichung eines 300 Seiten langen Dokuments verbieten. Per einstweiliger Verfügung wurde der kleine Regional-Nachrichtenblog xtranews.de dazu gezwungen, das Dokument von der Seite zu nehmen.
Ist den Duisburgern so viel Wahrheitspflege unangenehm? Was stört an einem solchen Annex?
Das fragliche Dokument ist der Anhang zu dem öffentlichen Zwischenbericht der Stadt für die ermittelnden Behörden und das Innenministerium. In dem Text, der auch auf der Homepage der Stadt zu finden ist, verweisen die Juristen immer wieder auf einen Anhang mit Karten, Beschlüssen und Protokollen aus dem Genehmigungsverfahren.
Diesen Anhang allerdings hat die Stadt auf ihrer Website nicht publiziert - dafür aber xtranews.de. Und das war zu viel der journalistischen Arbeit.
Am Dienstag erhielt der Verantwortliche von xtranews.de, Thomas Rodenbücher, Post vom Landgericht Köln. Hält er sich nicht an die einstweilige Verfügung, drohen ihm 250.000 Euro Geldstrafe, sagt Stefan Meiners von xtranews.de zu sueddeutsche.de. Antragsteller der Verfügung ist die Stadt Duisburg.
"Wir haben uns zu dem Schritt entschieden, um die Mitarbeiter im Rathaus zu schützen", erklärt Josip Sosic, der Sprecher der Stadt. Das Dokument sei durchsetzt mit personenenbezogenen Angaben. "Es ging ein Aufschrei durch das Rathaus, als bekannt wurde, dass das Dokument im Internet kursiert", so Sosic.
Offiziell begründet wurde der Antrag mit der Verletzung des Urheberrechts. Jutta Müller, Juristin und Geschäftsführerin beim Bayerischen Journalistenverband, sagt, dass Duisburg die Veröffentlichung der Dokumente nur verbieten könne, wenn die Urheber der Papiere ihr das ausschließliche Nutzungsrecht übertragen hätten. "Formell kann diese Verfügung also gedeckt sein, das Landgericht wird das wohl auch geprüft haben." Allerdings findet sie es "ein bisschen lächerlich", wenn das Urheberrecht zweckentfremdet werde, um die Verbreitung von Informationen zu verhindern.
Sprecher Sosic räumt ein, dass die Begründung mit dem Urheberrecht "unglücklich" sei. Er wisse nicht, warum die Juristen diesen Weg gewählt haben. Er sei sich aber sicher, dass es immer nur um Datenschutz gegangen sei.
Das will der Deutsche Journalistenverband nicht gelten lassen. "Wenn es um Datenschutz gegangen wäre, hätte man das auch so begründen müssen", sagt DJV-Sprecher Hendrik Zörner: "Das ist der Versuch, wichtige Dokumente zu dieser Katastrophe geheimzuhalten." Schließlich hätte die Stadt die personenbezogenen Daten auch schwärzen können.
Das gesteht auch Stadtsprecher Sosic ein. Die Stadt habe aber nichts verheimlichen wollen. "Im Gegenteil: Wir wollten den Behörden transparent erscheinen. Deshalb haben wir in dem öffentlichen Teil alle erheblichen Ergebnisse zusammengefasst und in einen nicht-öffentlichen Teil die personenbezogegenen Daten ungeschwärzt gelassen."
Sicher ist: Mit der Klage hat die Stadt wenig erreicht. User haben die Dokumente längst weiterverbreitet, sie sind über andere Portale abrufbar. Deshalb kündigte Sprecher Sosic an, von weiteren juristischen Schritten abzusehen.
Bei xtranews.de überlegt man unterdessen, ob man gegen die Verfügung klagen soll. Blogger Meiners sagt, er bekomme Massen an Mails und Anrufen von Leuten, die sich das wünschten. Zunächst werde man sich wohl einen Anwalt nehmen, um wenigstens Details der Verfügung zu erfahren. Auch um Spenden wird gebeten.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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Ich bin ja auch dafür, dass möglichst viel zu dem Thema veröffentlicht wird... Aber was hier gerade abgeht, ist schon traurig.
Wenn ein vertraulicher (nicht öffentlicher) Anhang, der personenbezogene Daten enthält, veröffentlicht wird, muss der Veröffentlicher hoffentlich und unbedingt seinen Hut nehmen und sich evtl. vor Gericht verantworten.
Oder ist der Datenschutz plötzlich nichts mehr wert???
Oder zählt Datenschutz nur, wenn man selbst betroffen ist???
"Wasch mich, aber mach mich nicht nass!"
Der Bericht wurde doch inkl. Anhang an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. Da spielen die personenbezogenen Angaben natürlich eine Rolle. Für die Öffentlichkeit ist sowas aber absolut nicht bestimmt. Eine Verschleierung kann ich hier definitiv nicht erkennen.
Was wiegt den mehr? Die unbedingte Veröffentlichung eines Anhangs zu einem Bericht, der bereits an die zuständigen Stellen weitergeleitet (also NICHT zurück gehalten) wurde, ohne die personenbzogenen Abschnitte zu schwärzen, oder das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung?
Ich tippe auf B.
Polizisten unter sich - da fällt auch mal einer aus dem Auto:
"Die beiden Polizisten machten trotzdem Karriere: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden sowohl Gruppenführer R. als auch Abteilungsführer K. trotz der gegen sie gerichteten Ermittlungsverfahren befördert - ein ungewöhnlicher Schritt, wenngleich rechtlich zulässig. K. kam nun auch bei dem Love-Parade-Unglück eine entscheidende Rolle zu, er hatte das Kommando über den sensiblen Einsatzabschnitt "Schutz der Veranstaltung". "
Das sind also die Menschenschützer in Duisburg. Genau so haben sie die Laveparade-Teiilnehmer erlebt (z.B. als die Bitte um Hilfe angesichts der einsetzenden Staupanik schnoddrig beschieden wurde mit einem "Sauft nicht so viel!")
Freunde und Helfer, wie sie im Buche stehen, angeleitet von einem innenminister, der in der Einsatzzentrale gebannt und tatenlos an 16 bildschirmen zuschaut, wie sich der Stau in tödliches Quetschen wandelt.
Jäger war selbst zuvor vor Ort gewesen und hatte das gelände besichtigt. Er hatte die loveparade gut geheißen. Die Tatsache, dass er erst 9 Tage im Amt war, bedutet nicht, dass er nicht (als Duisburger) ganz genau bescheid wusste, auch über die Diskussionen im Vorfeld.
Während er und die Medien sich einschießen auf einen OB, der PLANTE und die Imagekampagne u.a. mit hochgelogenen Zahlen an die Wand fuhr, war er als oberster Polizist direkt VERANTWORTLICH. Gefahrenabwehr ist Sache der Polizei. nicht eines OBs oder einer Stadtverwaltung. Die Polizei konnte jederzeit (wie bei jeder demo, wie bei jedem Strassenfest, wie bei jedem Autobahnstau usw.) einen Platzverweis erteilen, also die leute auffordern, nach hier- oder dorthin zu gehen. Jederzeit hätte die polizei per Megaphon und Sperren sagen können "Leute, es staut sich, bitte geht zurück oder zumindest nicht weiter". (Sie hätte sogar das ganze Fest auffliegen lassen können - aber das gelände an sich war ja nicht das Problem, sondern die Tunnels und Rampe davor).
Innenminister und Einsatzleitung sahen sich eineinhalb Stunden auf 16 bildschirmen an, wie sich alles in Tunnels und auf der Rampe staute. Ohne einzugreifen. Sie haben die Katastrophe besichtigt UND sie herbeigeführt.
Es stimmt, der Innenminister ist fällig.
liegt ganz woanders. Der Fall hätte schon längst an die Bundeskriminalpolizei abgegeben werden müssen. Die schändliche Rolle und das Kesseltreiben, die die Polizei hier gespielt hat, (ich will nicht wieder die endlose Litanei von Augenzeugenberichten aufführen, es ist bewiesen) wird niemals bestraft werden, weil die GEWALTENTEILUNG in einer Demokratie mal so eben aufgehoben wurde. Da ist der eher lächerliche Versuch der Verwaltung der Stadt Duisburg eher harmlos, dieser war angesichts der Macht des Internets von vornherein zum Scheitern verursacht.
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