Station 1: Bernauer Straße, Mauergedenkstätte, am frühen Morgen
So sieht es heute aus: Gustav-Heinemann-Saal im Justizministerium. (© Foto: Thorsten Denkler)
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Ein Stück Wiese. Wer vor 20 Jahren an dieser Stelle gestanden hätte, wäre erschossen worden. Hier, mitten auf dem ehemaligen Mauerstreifen. Ein paar Meter weiter steht sie noch. Ein Stückchen Mauer nur. Ein Überrest nur, eingezwängt zwischen zwei rostigen Stahlwänden. Doppelt so hoch, genauso dick wie die Mauer aus grauem Beton, die die Menschen in der DDR einst eingeschlossen hat.
Touristenbusse landen an. Einer nach dem anderen. Rote, weiße, gelbe Busse. Sie entlassen Trauben von Menschen. Einige haben Rosen in der Hand, andere bekommen sie von Ordnern in die Hand gedrückt. Fernsehreporter stehen parat, Stimmen zum Denktag einzufangen. Fotoapparate klicken, Menschen lachen. Passt irgendwie nicht zum trüben Berliner Herbstwetter.
Die, die sich erinnern können, die unter der Mauer gelitten haben, sie lassen sich an ihren Gesichtern erkennen. Es sind ernste Gesichter. Ein Mischung aus Bedrückung und Freude. Eine Mutter schiebt ihren Kinderwagen über das Kopfsteinpflaster, das vor 20 Jahren noch zum Todesstreifen gehörte. Eines der ernsten Gesichter schaut ihr nach. Die inzwischen 20-jährige Normalität ohne Mauer. Sie ist eben nicht normal.
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(sueddeutsche.de/bavo/mikö)
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