Station 3: Der Saal, in dem Schabowski die Reisefreiheit verkündete

Installation Ulrich Schäfer

Die einzige Erinnerung an die historische Pressekonferenz: eine Installation von Ulrich Schäfer (© Foto: Thorsten Denkler)

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Es gibt Orte der Wende, die hat die Geschichte hinweggespült. Zum Beispiel den Saal, in dem Günther Schabowski mehr versehentlich als gewollt am Abend des 9. November 1989 die Reisefreiheit für alle DDR-Bürger verkündete. Holzvertäfelte Wände, auf einem Podest eine lange Reihe mit Tischen. In der Mitte Schabowski, vor sich eine Phalanx von Mikrofonen, deren Kabel wie Spaghetti von seinem Tisch hinunterhängen zu den Journalisten in der vollbesetzten Pressekonferenz. So sah er damals aus, der Ort, an dem der 9. November als Tag des Mauerfalls seinen Anfang nahm.

20 Jahre minus drei Stunden später. Das Internationale Pressezentrum der DDR ist heute ein Teil des Bundesministeriums für Justiz. Nichts ist erhalten. Eine Installation des Künstlers Ulrich Schäfer ist der einzige wahrnehmbare Hinweis auf die historische Bedeutung. Fünf Reihen à sechs Stühle auf einer schiefen Betonebene.

Sie sind einem Flachbildfernseher an der Wand zugewandt, auf dem in einer Endlosschleife Meer und die Sonne am Horizont gezeigt werden. Die Stühle stehen für die Pressekonferenz, die schiefe Ebene für die Verhältnisse, die an diesem Tag ins Wanken kamen. Und die Fernsehbilder für die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit.

Die Installation füllt das ehemalige Eingangsportal des internationalen Pressezentrums aus. Sie ist von der Straße aus durch die gläserne Front zu sehen. Ein Hinweisschild auf Sinn und Zweck des Kunstwerkes, mehr erinnert nicht an Schabowskis gestammeltes: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich!"

Die Pressekonferenz beginnt damals um 18 Uhr, parallel zur Sitzung des Zentralkomitees der DDR-Einheitspartei SED. Keiner ahnt, was der Schabowski-Satz auslösen würde. Im ZK hat nicht mal einer Kenntnis davon, das er überhaupt gefallen war.

Gustav-Heinemann-Saal, steht auf der Glastür des modernen runden Konferenzsaals. Heinemann war Justizminister unter Kanzler Willy Brandt, später Bundespräsident. Sein Name steht an der Stelle im verschachtelten Gebäude des Justizministeriums, an dem Schabowski einst seinen Zettel verlas, unwissend, was er da tat.

Rote Stühle, helles Holzparkett. "Sehr gute Akustik", erklärt der Mann von der Pressestelle des Hauses. Schabowskis Saal, er hätte nicht in das neue Nutzungskonzept gepasst, seine Erhaltung wäre zu teuer gewesen. Und schön war er auch nicht gerade.

Das war es. Mehr ist hier nicht zu sehen an einem der wichtigsten Orte der deutschen Wiedervereinigung. Dafür gibt es am Abend ein Feuerwerk am Brandenburger Tor. Deutsches Gedenken.

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