Station 4: Bornholmer Straße

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20 jahre Mauerfall

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Mischa heißt der Taxi-Fahrer. Ohne ihn geht es nicht, die S-Bahn-Station Bornholmer Straße ist heute gesperrt. Wegen der Staatsgäste. Kanzlerin Angela Merkel und die ehemaligen Präsidenten Polens und der Sowjetunion, Lech Walesa und Michael Gorbatschow, gehen gemeinsam über die Bösebrücke, auch Bornholmer Brücke genannt. Darum ist alles dicht. Wegen der Sicherheit.

Mischa war am Tag des Mauerfalls schon in Berlin, in Ostberlin, der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. Er war der Fahrer des damaligen jugoslawischen Botschafter in der DDR. Die Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße war sein ständiger Übergangspunkt in den Westen, es gab hier eine spezielle Schleuse für Diplomaten. "In einer Minute" sei er damals von Ost nach West gekommen, sagt er, und hebt den Zeigefinger. Andere haben ihr Leben darauf gewartet.

Im Video: Bundeskanzlerin Merkel geht am 20. Jahrestag des Mauerfalls noch einmal über den ehemaligen Grenzübergang an der Bornholmer Strasse..

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Mischa fährt so schnell es geht. Dichter Verkehr, Nieselregen. Die Berliner scheinen heute kollektiv zur gleichen Zeit ins Auto gestiegen zu sein. Merkel und ihre Gäste werden schon weg sein.

Angekommen. An der roten Ampel geht es links zur Bornholmer Brücke. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer läuft vorbei, schaut sich suchend nach einem freien Taxi um. Mischa übernimmt ihn. Jetzt sitzen zwei im Taxi, die sich ihre Geschichten erzählen können.

Auf der Brücke stehen die Menschen noch in Trauben zwischen den Stahlstreben und an den Absperrgittern. Vor ihnen alle paar Meter ein Polizist. Die ganze Brücke entlang, wie eine Mauer. Damit keiner rüber kommt, auf die andere Seite. Merkwürdiges Bild. Das war vor 20 Jahren ähnlich. Diesmal aber ist der Weg von Ost nach West frei. Nur die andere Straßenseite bleibt gesperrt.

Gorbatschow, Walesa und Merkel sind tatsächlich schon weg. Dafür steht Klaus Wowereit noch da, schüttelt Hände, bleibt immer wieder stehen, damit die Menschen Fotos machen können. Wowereit alleine, Wowereit mit einem Unbekannten, ein anderer Unbekannter knipst.

Der Regierende Bürgermeister beugt sich zu einem Mann hinunter, dessen weiße Haare wie Wolkenberge unter seiner Mütze hervorquellen. "Was sehen Sie denn so fröstelnd aus?", fragt er ihn so laut, dass es auch die hören, die weiter hinten zwischen den Stahlstreben der Brücke stehen. "Da spricht alle Welt von Klimaerwärmung und Sie frieren. Na so was!" Wowereit lacht. Sonst niemand. Es ist ein Tag der Freude, ja, aber wohl doch kein Tag für schlechte Witze.

Hinter Wowereit stehen großformatige Fotos von der Nacht, als hier der erste Grenzübergang von den Bürger der DDR hinweggefegt wurde. Mischa, der Chauffeur der jugoslawischen Botschaft hat damals noch in der Nacht ein Fernsehteam aus Belgrad durch Berlin kutschiert. Nichtsahnend, was wohl aus ihm werden würde. Heute gibt es keinen jugoslawischen Botschafter mehr. Es gibt kein Jugoslawien mehr.

Ist der heutige Taxifahrer zufrieden mit dem Lauf der Geschichte? Mischa zögert keine Sekunde, als er knapp "Ja" sagt. Dann setzt er nach einer Pause nach: "Heute", sagt er, "heute bin ich frei."

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  1. Töne, Steine und Tränen
  2. Sie lesen jetzt Station 4: Mit Mischa zur Bornholmer Straße
  3. Station 3: Als Schabowski die Mauer zerstammelte
  4. Station 2: Trabi-Safari
  5. Station 1: Mauergedenkstätte
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