Litauens Außenminister "Uns droht keine Gefahr von Russland"

"Wir fürchteten schon lange, dass was passieren würde": Litauens Außenminister Linas Linkevičius

(Foto: dpa)

Natürlich seien Litauen, Lettland und Estland beunruhigt vom Ukraine-Konflikt, sagt der litauische Außenminister Linas Linkevičius der SZ. Russlands aggressives Verhalten sei absehbar gewesen. Doch angesichts der Mitgliedschaften in EU und Nato fühle er sich sicher.

Litauens Außenminister Linas Linkevičius sieht trotz des schweren Konflikts mit Russland über die Ukraine und die Krim keine unmittelbare Gefahr für die baltischen Staaten. Linkevičius sagte der Süddeutschen Zeitung, natürlich seien die Bevölkerungen in Litauen, Lettland und Estland beunruhigt. Außerdem könne man durch Äußerungen über große Befürchtungen weitere Unruhe schüren. Aber angesichts der Mitgliedschaften in EU und Nato fühle er sich sicher. "Ich glaube nicht, dass uns von Russland Gefahr droht."

Linkevičius räumte aber ein, dass Russlands Verhalten für ihn nicht vollkommen überraschend komme. Jene, die sich in der Ukraine auskennen sollten, hätten wissen müssen, dass eine Beschneidung der Rechte der russisch-sprachigen Minderheit eine große Provokation darstelle. Im Übrigen hätte einem die Lektüre der russischen Militärdoktrin zeigen können, dass irgendwann eine Reaktion Moskaus kommen würde. "Wir erwarteten es nicht so abrupt und so zynisch wie auf der Krim. Aber wir fürchteten schon lange, dass was passieren würde."

Der litauische Außenminister betonte, im Vorfeld der Erweiterung von Nato und EU hätte man mehr mit Russland sprechen müssen. Als wirklichen Fehler aber wolle er den Mangel an Gespräche nicht bezeichnen. Er fühle sich in vielem an die Geschichte seines eigenen Landes erinnert. Damals, in den Jahren 1990 und 1991 hätten viele in Ost und West ihnen viele Ratschläge gegeben, was sie tun und was sie lassen sollten. "Dabei wollten wir nur eines: selbst entscheiden. Unabhängig werden. Frei. Genau das wünsche ich auch den Menschen in der Ukraine: dass sie selbst entscheiden können, was aus ihrem Land wird."

Das vollständige Interview lesen Sie in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 22./23.03. und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.