Wird Hannelore Kraft heute Ministerpräsidentin in NRW? Wenn ja, wie lange? Ein Gespräch mit Ulrich Maurer, Westbeauftragter der Linkspartei, über verpasste Chancen der SPD und Rot-(Rot-)Grün.
Ulrich Maurer, 61, ist Jurist und Bundestagsabgeordneter der Linken. Einst war er der hoffnungsvollste SPD-Politiker aus Baden-Württemberg: Landesvorsitzender, Fraktionsvorsitzender im Landtag und 1993 Schatteninnenminister im Wahlkampfteam von Rudolf Scharping. Mitte der neunziger Jahre begann sein Stern in der SPD zu sinken. Mitte 2005 schrieb er in einem Brandbrief an den SPD-Bundesvorstand: "Wenn die Sozialdemokratie den sozialen Protest nicht mehr formuliert und die Abhängigen nicht mehr verteidigt, ist sie historisch obsolet." Nach 35 Jahren in der Partei trat er aus und wechselte in die WASG, die später mit der PDS zur Linkspartei fusionierte. Maurer gilt als sehr enger Vertrauter von Oskar Lafontaine, der ihn zum Westbeauftragten der Partei machte.
Bild vergrößern
Die ehemaligen SPD- und nun Linkspartei-Politiker Lafontaine (l.) und Maurer: "Frau Kraft konnte sich nicht dazu durchringen, die strategische Entscheidung für ein Bündnis mit uns zu schließen, ebenso wie Gabriel" (© ddp/Archiv)
Anzeige
sueddeutsche.de: Herr Maurer, am heutigen Mittwoch soll Hannelore Kraft zur neuen Regierungschefin in Düsseldorf gewählt werden. Ist das für Sie ein Aufbruch? Ein Signal?
Ulrich Maurer: Das weiß ich noch nicht. Zunächst sind es erst einmal die Ablösung der Rüttgers-Regierung und die Veränderung der Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat. Das waren zwei zentrale Wahlkampfziele der Linkspartei in NRW. Inwieweit eine Wahl von Hannelore Kraft nach vorne weisen wird, muss sich erst zeigen.
sueddeutsche.de: Wie wird die Linkspartei abstimmen? Droht der SPD-Kandidatin in Düsseldorf das Schicksal von Heide Simonis in Kiel oder von Andrea Ypsilanti in Wiesbaden?
Maurer: Ich gehe davon aus, dass sich unsere Fraktion geschlossen enthalten wird. Das Schicksal von Ypsilanti und Simonis wird Frau Kraft nur ereilen, wenn mindestens zehn Leute in der SPD beschlossen hätten, sie politisch umbringen zu wollen. Aber daran glaube ich nicht. Die Situation in der SPD-NRW ist die gleiche wie in der Bundes-SPD: Die Partei besteht aus drei häufig heftig gegeneinander agierenden Strömungen. Ungefähr ein Drittel ist erklärtermaßen für ein Bündnis mit uns, ein Drittel will mit der FDP marschieren und ein Drittel ist für die große Koalition. Frau Kraft konnte sich nicht dazu durchringen, die strategische Entscheidung für ein Bündnis mit uns zu schließen, ebenso wenig wie SPD-Chef Sigmar Gabriel. Aber sie wird gewählt werden.
sueddeutsche.de: Was halten Sie von der Idee Gabriels, eine rot-grüne Minderheitsregierung sei auch für den Bund ein Modell?
Maurer: Ich halte das nicht für tragfähig. Die Minderheitsregierung ist schon in NRW ein Experiment. Bei Entscheidungen über Staatshaushalte muss man wesentlich stabilere Strukturen haben, um das verantwortungsvoll gestalten zu können. Gabriel hat seine Not zur Philosophie erklärt. Er versucht sich durchzuwurschteln. Vordergründig ist es das Bequemste für die SPD, die Koalitionsfrage offenzuhalten. Aber das ist sehr durchsichtig - und nicht lange haltbar.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Thema
- Ulrich Maurer RSS
- Rot-Grün: Minderheitsregierung Hanni und Nanni in NRW 14.07.2010
- Merkel: Kritik an Rot-Grün in NRW "Einer solchen Regierung kann man nicht trauen" 14.07.2010
- Minderheitsregierung Regieren in der Unterzahl 17.06.2010
- NRW: Hannelore Kraft So funktioniert die Wahl der Ministerpräsidentin 14.07.2010
- Regierungsbildung in NRW Die Angst vor einer kurzen Amtszeit 14.07.2010
- NRW-Linke: Ulrich Maurer Oskars Aufpasser will Rot-Rot-Grün schmieden 18.05.2010
New Yorker Bürgermeister will XXL-Soft-Drinks verbieten
Die Frage steht im Raum,was ist der Unterschied zwischen den Abgeordneten der linkspartei im Osten und der im Westen. Die einen wurden seit Jahren frei gewaehlt und machen ihre Arbeit,die anderen traeumen von Zustaenden und Standarts wie in Kuba. Sie Oskar Lafontaine,der die Zustaende in Kuba fuer Gut befannt 2006. Herr Maurer war der DKP naeher als seiner Partei der SPD es ist ein Segen,dass diese Leute da ausgetreten sind.
Zitat "dass uns Gottlob ein Neuanfang als zivilisierte, kultivierte, soziale und menschliche Gesellschaft schon bald ins Haus stehen wird."
Na, hoffentlich brauchen wir vor diesem "Neuanfang" nicht wieder einen Weltkrieg.....
Zitat: "Nur weil sie diese Sätze nicht verstehen sind sie falsch? "
Habe ich irgendwo behauptet, dass sie 'falsch' sind ?
Es ist ziemlich sinnfreies Wortgeklingel, welches den Anschein von Wissenschaftlichkeit und Intellektualität erweckt.
Um es auf ein einfaches Beispiel zu reduzieren: Früher "kaufte man in einem Möbelhaus einen Stuhl und stellte ihn in die Wohnung"
Heute "erwirbt man in der Designworld ein Sitzelement und positioniert es im privaten Wohlfühlambiente"
Kapiert ?
Es gibt ihn, den 3. Weg.
Es ist nämlich der Weg, der heute durch die real-existierende Neue Soziale Marktwirtschaft, deren Kerninhalt die entfesselte Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschsft ist, immer schneller gegangen wird.
Der Slogan lautet heute "Global investors - we set the race of the exploitation pace".
Bedeutet aber nicht anderes als die weltweite Herstellung von Kostendifferenzsituationen, die immer kurzfristigere Realisierung der dadurch geschaffenen Scheinmehrwerte und die immer schnellere Konzentration des Kapitalvermögens in immer wenigeren Händen. Dumm nur, dass hier ein Ungeist aus der Vergangenheit wie eine Moorleiche aus dem Sumpf herauf poppt: Die Akkumulation des Kapitals.
In unserer heutigen Welt ist die Hybris der individuellen Habgier auf ein solches Niveau gestiegen, wie wir es in der Zeit von 1850 - 1910 in Russland hatten, von 1930 bis 1945 in Deutschland und von 1961 bis 1985 in der Ostzone. Die geistige
Behinderungen der heutigen Machteliten entsprechen in so augenfälliger Weise denen der damaligen "Machteliten", dass uns Gottlob ein Neuanfang als zivilisierte, kultivierte, soziale und menschliche Gesellschaft schon bald ins Haus stehen wird.
Globalisation ist in der Wirklichkeit Klobalisation und unsere heutigen wirtschaftlichen und politischen Machthaben sind nichts anderes als schizoid-narzistische Fanatiker, deren geistige, moralische und empathisch Potenzen gegen Null streben, so wie es bei allen Suchtkranken schon immer war.
Eigentlich schade.
Nur weil sie diese Sätze nicht verstehen sind sie falsch?
Paging