Von Thorsten Denkler, Berlin

Statt die Partei zu einen, hält Linken-Chef Oskar Lafontaine lieber einen ermüdenden Fachvortrag. Was er wirklich will, macht eine Kommunistin klar.

Bei den Linken stinkt es nach altem Fritten-Fett. Es ist nicht ganz auszumachen, woher der Geruch kommt. Aber er wabert durch die Max-Schmeling-Halle als hätte er eine Botschaft für die Delegierten: So könnte eure Partei für manche Wähler riechen, wenn sie sich nicht erneuert - wenn sie in altem Fett verharrt. Auf dem Wahlparteitag in Berlin-Prenzlauer Berg der Linken geht es auch darum: Bleibt die Linke ein Protestpartei, die mit Maximalforderungen versucht, enttäuschte Wähler zu gewinnen? Oder will sie es wagen, sich als regierungsfähig zu präsentieren?

Lafontaine, AP

Lafontaine enttäuscht auf dem Parteitag: Statt einer mitreißenden Rede liest der Parteichef der Linken einen Fachvortrag vom Blatt ab. (© Foto: AP)

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"Gescheiterte Parteientwicklung"

Im Vorfeld des Parteitages hat es darüber heftigen Streit gegeben. Der ging auf dem Europaparteitag in Essen Anfang des Jahres los. Sämtliche Europa-Befürworter wurden dort in die Wüste geschickt. Etwa der frühere Linken-Vordenker André Brie und Sylvia-Yvonne Kaufmann, die 2004 noch Spitzenkandidatin der Linken für die Europawahl war. Beide hatten den Fehler gemacht, den Lissabon-Vertrag nicht völlig daneben zu finden. Kaufmann ist inzwischen ausgetreten. Auch der Finanzsprecher der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Carl Wechselberg, der eine "gescheiterte Parteientwicklung" diagnostizierte, in der die Realpolitiker aus dem Osten in die Minderheit geraten seien, hat mittlerweile die Partei verlassen.

Die Europawahl ging dann für die Linke gehörig daneben. Statt eines klar zweistelligen Ergebnisses, wie es viele in der Partei erhofft und erwartet hatten, gab es nur magere 7,5 Prozent. Zu wenig, um Aufbruchstimmung zu erzeugen.

Also muss Lafontaine es wieder hinbiegen. Besser gesagt: müsste er. Denn was er am Samstag ablieferte, hat die Genossen nicht vom Hocker gehauen. Ein paar Minuten Anstandsapplaus gibt es für den allmächtigen Partei- und Fraktionschef der Linken am Ende seiner 75 Minuten langen Rede. Die innerparteilichen Querelen hat er darin nicht mit einem Wort angesprochen. Er hat auch nicht versucht, die Realpolitiker einzubinden, ganz im Gegenteil.

Als wolle er den Kritikern des hart linken Kurses noch mal zeigen, wo der Hammer hängt, donnert er ihnen die in Rede gestellten Forderungen im Wahlprogramm entgegen. Zehn Euro Mindestlohn, 500 Euro Hartz-IV-Satz. Wer darin eine "schlimme Radikalisierung sieht, der ist nicht auf der Höhe der Zeit".

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