Von Daniel Brössler

Die Linke will die Abgeordnete und frühere Hartz-IV-Empfängerin Elke Reinke aus Sachsen-Anhalt nicht wieder zur Wahl aufstellen - ihr droht erneut die Arbeitslosigkeit.

Wenn in den vergangenen Jahren im Bundestag über Arbeitslosigkeit und Hartz IV gestritten wurde, dann war eine Abgeordnete der Linkspartei nicht nur erkennbar bei der Sache - sie wusste auch, wovon die Rede ist. Die Abgeordnete Elke Reinke aus Sachsen-Anhalt schaffte 2005 direkt aus der Langzeitarbeitslosigkeit den Sprung ins Parlament.

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Personifizierter Protest in den Reihen des Bundestags: Elke Reinke (Die Linke) (© Foto: dpa)

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Der Erfolg der Hartz-IV-Empfängerin war der Linkspartei eine willkommene Sensation. Elke Reinke, gelernte Fernmeldetechnikerin aus Aschersleben, personifizierte geradezu den Protest gegen Sozialkürzungen, der den Linken ihren Wahlerfolg beschert hatte. "Eine wichtige Person für uns" sei sie, bescheinigte ihr damals Klaus Ernst, der Mitbegründer der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG).

Doch nicht so bedeutend

Nun, da bald wieder gewählt wird, halten die Linken Elke Reinke doch wieder nicht für so bedeutend. Nach dem vierjährigen Zwischenspiel in Berlin droht ihr erneut die Arbeitslosigkeit. Bei der Aufstellung der Vorschlagsliste des Landesvorstandes für die Bundestagswahl bemühte sich Reinke um den gerade noch aussichtsreichen Platz fünf. Im Vorstand erhielt sie: null Stimmen.

"Das macht mich schon sehr betroffen", sagt sie am Telefon. Man hätte ihr doch beizeiten sagen können, wenn man mit ihr nicht zufrieden gewesen sei, klagt sie. Wie eine Arbeitnehmerin nach einem unangenehmen Gespräch mit dem Chef in der Probephase klingt sie da, und vielleicht ist das auch ihr Problem.

Es ist Elke Reinke schwergefallen, in die Rolle der Politikerin zu schlüpfen. Dass sie keine begnadete Rednerin ist, dass ihre Auftritte im Plenum eher belächelt werden, wäre vielleicht noch verzeihlich. Allzu monothematisch in Sachen Hartz IV sei sie unterwegs gewesen, wird ihr vorgehalten. Zu wenig sei das. Vor allem aber hat es Reinke nicht verstanden, an Strippen zu ziehen, sich im Geflecht von Geben und Nehmen einen Platz zu suchen.

"Kritik an ihrer Arbeit"

So konzentriert sich in Sachsen-Anhalt ihre Lobby auf den Heimatort Aschersleben. Selbst die wie Reinke aus der WASG stammenden Vorstandsmitglieder versagten ihr die Unterstützung. "Das Wahlergebnis macht deutlich, dass es Kritik an ihrer Arbeit gab im Vorstand", meint der Landesvorsitzende Matthias Höhn. Mehr will er zu der Personalie nicht sagen vor einem Landesparteitag am 25. April in Magdeburg, auf dem sich Reinke gegen das Votum des Vorstandes um einen Listenplatz bemühen will.

In einer Rede von wenigen Minuten wird Reinke um ihr politisches Schicksal kämpfen müssen. Sie finde, dass ihre "Politik doch angekommen ist, wenn auch nicht im Landesvorstand", macht Reinke sich Mut und setzt auf Sympathien für eine Symbolfigur im Kampf gegen Hartz IV. Sie kenne das schon, sagt Reinke zur drohenden Arbeitslosigkeit. Leid tue es ihr für ihre Mitarbeiter.

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(SZ vom 16.4.2009/mikö)