Riexinger und Kipping führen die Linke Partei der Verletzten und Gedemütigten

Das Problem ist nicht, dass Bernd Riexinger jetzt Parteichef der Linken ist. Das Problem ist das knappe Ergebnis. Es manifestiert die Spaltung der Partei in Ost und West. Die Flügel wollten Krieg. Sie haben ihn bekommen.

Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Göttingen

Die vermeintlichen Sieger feiern und singen die Internationale, als feststeht, dass ihr Kandidat gewonnen hat. Der schwäbische Gewerkschafter Bernd Riexinger liegt knapp vor dem Ost-Reformer Dietmar Bartsch. Nachher sind verstörende Sätze zu hören: "Ihr habt den Krieg verloren", schmettern West-Linke den Ost-Reformern entgegen.

Das ist völlig richtig. Es ging hier längst nicht mehr um eine schlichte Mehrheitsentscheidung nach der Vorgabe, der Bessere möge gewinnen. Die Vorstellungsreden von Riexinger und Bartsch haben ohnehin offenbart: Hier hat der schlechtere Kandidat gewonnen.

Der einzige Grund, Riexinger vor nicht einmal vier Tagen zur Kandidatur zu überreden, lag darin, Bartsch zu verhindern. Ein eher unbekannter Lafontaine-treuer Gewerkschafter aus dem Westen, das war das ganze Angebot. Unter normalen Bedingungen hätte Bartsch so eine Wahl haushoch gewonnen.

Aber: Die Linke ist keine normale Partei, schon längst nicht nach diesem Parteitag. Da wird in den Rücken gefallen, verletzt, gepöbelt und schlecht geredet, dagegen ist der Spitzenverband der Tourette-Geschädigten ein Quell der reinen Sprache.

Allein die Auftritte von Fraktionschef Gregor Gysi und Und Oskar Lafontaine: Wie Dampfhammer dreschen die beiden neuen Erzfeinde aufeinander ein. Gysi solle aufhören mit seinem "dummen Gerede" über die West-Linke, knallt Lafontaine ihm indirekt vor den Bug. Und Gysi "ist es leid" immer auf die "arroganten Wessis" Rücksicht zu nehmen. Zusammen mit der Wut-Rede des jetzt ehemaligen Parteichefs Klaus Ernst haben die wichtigsten Führungspersonen der Partei ihren Frust den Delegierten vor den Latz geknallt.

Das Ergebnis bedeutet nicht Frieden, es bedeutet Streit

In dieser Linken gibt es keinen Bruch mehr zu vollziehen, der Bruch ist längst da. Fragt sich nur, ob es jemanden gibt, der ihn kitten kann. Riexinger und seiner Ko-Vorsitzenden Katja Kipping fehlen dazu Statur und Durchsetzungskraft.

Das Problem ist dabei nicht, das Riexinger gewonnen hat. Das Problem ist, dass es kein klares Ergebnis gibt. 53 zu 45 Prozent und das bei einer gemessen an ihrer tatsächlichen Stärke überrepräsentierten West-Linken bedeutet nicht Frieden, sondern Streit. Der wird spätestens Montag weitergehen. Dafür feiern die Sieger zu laut, ist die Häme über die Niederlage der anderen zu groß.

Sie haben es nicht anders gewollt. Weder die Reformer noch die Betonlinken hatten die nötige Größe, ihre Kandidaten zugunsten einer befriedeten Partei zurückzuziehen. Sie wollten Krieg. Sie haben ihn bekommen. Und jetzt haben sie keinen, der die Trümmer zusammenräumt.