Mitten im Sturm der Entrüstung über den Paris-Besuch Gaddafis ist der Gast dem französischen Präsidenten Sarkozy in den Rücken gefallen. Der libysche Staatschef bestritt, mit Sarkozy über Menschenrechte geredet zu haben.
In Frankreich sorgt der Besuch des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi weiter für Empörung. Gaddafi will mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy nicht über die Menschenrechtssituation in Libyen gesprochen haben. Sarkozy hielt dagegen an seiner Äußerung vom Vortag fest, von Gaddafi "Fortschritte" im Bereich der Menschenrechte verlangt zu haben.
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Bringt Sarkozy in die Bredouille: Libyens Revolutionsführer Gaddafi. (© Foto: Reuters)
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"Ich und der Präsident Sarkozy haben diese Themen nicht angesprochen", sagte Gaddafi im Fernsehsender France 2 zu den Menschenrechten.
Er und Sarkozy seien "ziemlich enge Freunde". Gesprochen hätten sie aber nur über die geplanten Kooperationen zwischen beiden Ländern. Sarkozys Amtschef des Élysée-Palastes, Claude Guéant, erwiderte darauf, Sarkozy habe sogar "bei zwei Gelegenheiten mit Muammar el Gaddafi über die Menschenrechte geredet". Er selbst sei dabei Zeuge gewesen.
In der Darfur-Frage kritisierte Gaddafi derweil das internationale Engagement in dem Konflikt. Dieses sei von guten Absichten getragen, "aber erreicht das Gegenteil von dem, was am Anfang gewollt wurde". Die Welt solle die Menschen in Darfur "selbst zurechtkommen lassen", sagte Gaddafi. "Dann wird die Darfur-Krise von selbst enden."
Guéant sagte darauf, für Paris könne die Lösung des Flüchtlingsproblems in der Region "nur international sein". Den eigentlichen Konflikt könnten aber nur die Konfliktparteien lösen.
Der französische Präsident steht in Frankreich wegen des fünftägigen Besuchs Gaddafis bis in die eigene Regierung unter Beschuss. Er rechtfertigte den Empfang Gaddafis am Montag mit seinem Willen, Libyen bei der Rückkehr in die internationale Staatengemeinschaft zu fördern. Die Regierung in Tripolis war jahrzehntelang international isoliert und galt als Unterstützer des Terrorismus.
Am Montag hatte sich auch die für Menschenrechte zuständige Staatssekretärin im Außenministerium, Rama Yade, mit Kritik an dem Empfang zu Wort gemeldet und klare Worte zu Demokratie und Menschenrechten in Libyen gefordert.
Gaddafi sorgte unterdessen mit einem Besuch im französischen Parlament für Aufsehen, der von der sozialistischen Opposition boykottiert wurde. Am zweiten Tag seiner Visite wurde Gaddafi vom Präsidenten der Nationalversammlung, Bernard Accoyer, empfangen. Der Großteil der Abgeordneten, darunter Mitglieder der Regierungspartei UMP, boykottierten das Treffen. "Die Nationalversammlung steht in der Tradition der Menschenrechte. Es ist wichtig, an unsere Werte zu erinnern", begründete der sozialistische Fraktionschef Jean-Marc Ayrault den Protest. "Mal ehrlich, was macht Gaddafi in der Nationalversammlung?", fragte der Parteichef der Sozialisten, François Hollande, im Radiosender RTL. Das Parlament sei ein Ort der Republik, und im Parlament seien die Menschenrechte ausgerufen worden.
Die sozialistische Abgeordnete Aurélie Filippetti sagte, mehrere ihrer Kollegen seien während des Besuchs durch "Wächter und Polizisten in Uniform" vorübergehend am Zutritt zur Nationalversammlung gehindert worden. "Sie haben uns ziemlich hart zurückgedrängt und gesagt 'Niemand kommt hier durch'".
Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International werfen Gaddafi nach wie vor quasidiktatorische Methoden vor. Die Organisation Reporter ohne Grenzen demonstrierte am Dienstag vor der Nationalversammlung. "Ein Raubtier in Paris" stand auf ihren Plakaten.
Unterdessen haben aus Protest gegen den Besuch Gaddafis die bulgarischen Krankenschwestern, für deren Befreiung sich Sarkozy persönlich eingesetzt hatte, eine geplante Frankreich-Visite abgesagt. Sie wollten Ende der Woche in Paris mit ihren Anwälten und Vertretern von Menschenrechtsgruppen zusammentreffen. Gaddafi will seinen Aufenthalt statt bis Mittwoch, wie ursprünglich geplant, bis zum Samstag ausweiten.
Die bulgarischen Krankenschwestern erwägen, vor dem Europäischen Gerichtshof gegen Libyen Klage zu erheben, wo sie wegen der angeblichen Infektion Hunderter Kinder mit HIV mehrere Jahre im Gefängnis verbracht hatten und gefoltert worden waren. Sarkozy hatte am Montag erklärt, wenn er und seine Frau Cécilia sich nicht in die Verhandlungen um ihre Freilassung eingeschaltet hätten, "wären die Unglücklichen noch immer im Gefängnis".
Gaddafi, der jahrelang als Pate des internationalen Terrorismus geächtet war, ist bis Samstag zu Gast in Frankreich. Laut Präsidialamt könnten insgesamt Geschäfte im Wert von zehn Milliarden Euro abgeschlossen werden. Seit Montagabend unter Dach und Fach ist bereits der Kauf von 21 Airbus-Flugzeugen im Wert von 2,7 Milliarden Euro.
Weitere Verträge zur Energie- und Wasserversorgung und im Baubereich beziffert das Präsidialamt auf zwei Milliarden Euro. Die Lieferung von "einem oder mehreren Reaktoren" für eine Meerwasserentsalzungsanlage soll mit zwei Milliarden Euro zu Buche schlagen. Hinzu könnten Waffen und Rüstungsgüter im Wert von 4,5 Milliarden Euro kommen.
Das Land habe großes Interesse bekundet, 14 Kampjets des Typs Rafale, 35 Hubschrauber sowie Schiffe, Panzerwagen und ein Radarsystem zu erwerben, sagte ein Mitarbeiter des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy am Dienstag. Bei einem Kauf der Rafale-Kampfjets wäre es das erste Mal, dass das seit acht Jahren von Dassault gefertigte Flugzeug exportiert wird. Das Waffengeschäft gab der Diskussion um den Stellenwert von Wirtschaftsinteressen und Menschenrechten in der französischen Außenpolitik neue Nahrung.
(AFP/AP/Reuters/grc/gba)
Bundespräsident Gauck
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Lieber trendsetzer, mit Gewehren und Kanonen wird der Freiheit und Demokratie zum Durchbruch verholfen. Das sollte mittlerweile jeder denkende Mensch wissen ;-!
Ich muss sagen, seit dem trautigen Schicksal Saddam Husseins und seines Landes habe ich mein Herz für Diktatoren in Nahost und Fernafrika entdeckt und bin bereit, alles neu zu durchdenken, was uns jahrzehntelang vorgemacht wurde.
Ruanda ist anderes gutes Beispiel dafür, wie man ein Land mit Demokratie in den Abgrund treibt: Ein Präsident wird gezwungen, eine Tutsi-Invasionsarmee als politische Kraft im Lande anzuerkennen, und von dieser anschließed ermordet. Die Hutu-Mehrheit schlachtet daraufhin eine Million Tutsis ab, bis die (vom Westen massiv geförderte) Invasionsarmee die Ordnung wiederherstellt und die Macht übernimmt. Daraufhin beginnt Ruanda einen Krieg im Kongo um die wertvollsten Rohstoffe des Schwarzen Kontinents. Das alles begleitet und gedeckt vom Mediengejaul um den "Ruandischen Holocaust". (Lesenswert: Robin Philpot: Rwanda 1994 - Colonialism dies hard, deutsch online: http://www.taylor-report.com/Ruanda_1994/).
Wer lügt denn hier? Gadaffi oder Sarkozy? Sarkozy: "Wir haben auch über Menschenrechte gesprochen!" Gadaffi: " Welche Menschenrechte?" Vielleicht kann Frau Merkel helfen und vermitteln!
Heute wurde hier wahllos gelöscht was es nur zu löschen gab.
Es war abgesprochen das ein Boykott-Aufruf pro Artikel gesetzt wird und laut Moderatoren-Auskunft von gestern wäre das toleriert worden. Wieso das jetzt, von beiden Seiten aus gesehen, so aus dem Ruder gelaufen ist weiß ich nicht!?
Wahrscheinlich wird es so sein wie "wiebeihempels" es geschildert hat.
Alles in allem wirft dass Ganze meiner Meinung nach ein ganz schlechtes Licht auf die SZ. Eine Zeitung die ansonsten vehement die Politik etc. kritisiert, es aber nicht schafft sich mit ihren eigenen Lesern, bzw deren vorangetragner Kritik, auseinander zu setzen...
@Fernau - viele Leser, ich auch darunter, lesen die SZ-Online u.a. oder gerade wegen den Kommentaren bzw. der Kommentierfunktion. Wenn es die nicht gäbe, bräuchte es das ganze Online-Angebot nicht. Die SZ verdient Geld über Werbeeinnahmen, das ganze ist kein karitatives Angebot. Und uns Usern im März ein Sued-Cafe zu schenken, um die Debattierkultur zu fördern, und das nachträglich wieder einzuschränken, ist nicht nur keine feine Art, sondern schlicht unnötig. Leider zeigte sich die Redaktion nicht gesprächsbereit, deshalb haben engagierte User (die hier maßgeblich zu interessanten Diskussionen beigetragen haben) sich auf diese Boykott-Aktion geeinigt. Ich unterstütze das im Prinzip auch, nur dass ich eben praktisch gar nicht mehr kommentiere... aber eben auch in ein anderes Forum (Spiegel) abgewandert bin.
Verstehen Sie nicht, dass die User ihre alte SZ-Online wieder haben wollen?
Warum muss man immer alles hinnehmen, so wie es einem vorgeschrieben wird? Immer alles kampflos aufgeben? Es gibt schon viel zu viele Mäh-Schafe auf dieser Welt, schön, dass sich unter den SZ-Lesern noch einige finden, die nicht so drauf sind.
Offensichtlich findet bei den Boykotteuren eine gewisse Absprache untereinander statt, da die Postings in aller Regel den gleichen Text haben. Man könnte sich hier auf eine Art Codex einigen. Es wäre beispielsweise denkbar, dass der erste Leser eines Artikels ohne Protesthinweis diesen dort postet und die übrigen Leser diesen Artikel dann von weiteren derartigen Postings "verschonen". So würde ein breiter Teil der Leserschaft auf die angesprochenen Missstände hingewiesen, ohne die Forumsteilnehmer über Gebühr zu beeinträchtigen. Ich denke, damit würden die berechtigten Interessen aller Beteiligter gewahrt bleiben.
Im übrigen würde mich eine Stellungnahme der Redaktion zum Thema und den erhobenen Vorwürfen interessieren. Wenn diese tatsächlich zutreffend sind, wäre das in der Tat ein Armutszeugnis für die Süddeutsche. Ich stelle dieses hier ausdrücklich nicht in Abrede, sondern kann es lediglich mangels eigener Erfahrungen einfach - noch - nicht selbst beurteilen. Insofern bin ich für die Erfahrungsberichte der übrigen Teilnehmer sehr dankbar.
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