Plötzlich geht alles ganz schnell: Erst am Wochenende hatte der libysche Revolutionsführer Gaddafi erklärt, man wolle das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen. Nun meldet die internationale Atomenergiebehörde IAEA, ihre Ermittler dürften das libysche Nuklearprogramm schon in wenigen Tagen kontrollieren.
Wie IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei am Montag in Wien mitteilte, stimmte am Wochenende eine libysche Delegationen den Inspektionen zu, mit denen der von Revolutionsführer Muammar el Gaddafi verkündete Verzicht auf Massenvernichtungswaffen überprüft werden soll. Er werde selbst die erste Inspektionsreise leiten, fügte ElBaradei hinzu.
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Am Sonntag verlautete, dass Libyen das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen wolle, das der IAEA uneingeschränkte Inspektionen ohne vorherige Anmeldung erlaubt.
Der libysche Ministerpräsident Schokri Ghanem sagte dem britischen Rundfunksender BBC am Montag, seine Regierung wolle ihre "Prioritäten ändern und sich auf wirtschaftliche Fragen und Entwicklung konzentrieren".
Der Lebensstandard der Bevölkerung solle erhöht und zugleich ein Signal gegeben werden, "die Region von Massenvernichtungswaffen zu säubern". Ghanem sagte, dies sollte auch für Israel gelten.
Verzicht auf Massenvernichtungswaffen
Gaddafi hatte am Freitagabend den Verzicht seines Landes auf Massenvernichtungswaffen erklärt. Nach US-Angaben hat Libyen eingeräumt, es habe Uran für Atomwaffen anreichern wollen. Amerikanische und britische Experten hätten im Oktober und im Dezember zehn Anlagen besucht, die mit dem geplanten Atomprogramm in Verbindung stünden. Dieses sei weiter fortgeschritten gewesen als ursprünglich angenommen.
Die Vereinten Nationen haben ihre Sanktionen gegen Libyen bereits aufgehoben, nachdem Tripolis die Verantwortung für den Anschlag auf den Pan-Am-Jumbo 1988 über der schottischen Ortschaft Lockerbie übernahm und sich zur Entschädigung der Hinterbliebenen der 270 Opfer bereit erklärte.
Die USA haben ihre 1986 und 1996 verhängten Sanktionen noch nicht aufgehoben. Washington warf Libyen vor, aktiv den internationalen Terrorismus zu unterstützen. In einem Gesetz von 1996 wurde allen US-Partnern europäischer Firmen Strafen angedroht, die Handel mit Libyen trieben.
(sueddeutsche.de/AP)