Libyen nach Gaddafi Mindestens 18 Tote bei schweren Kämpfen in Bengasi

In Libyen wird die Sicherheitslage drei Jahre nach dem Sturz Muammar al-Gaddafis immer unübersichtlicher. In Bengasi sterben bei Kämpfen mindestens 18 Menschen.

Die Lage im Krisenland Libyen spitzt sich weiter zu. Bei heftigen Kämpfen zwischen abtrünnigen Soldaten und islamistischen Milizen kamen in der Stadt Bengasi lokalen Medienberichten zufolge mindestens 18 Menschen ums Leben, 65 Menschen wurden verletzt. Wie die Zeitung Al-Wasat berichtet, bombardierten Kampfhubschrauber Stützpunkte der extremistischen Ansar al-Scharia. Angehörige der Luftwaffe riefen die Bürger der Stadt auf, sich von diesen Orten fernzuhalten.

Vor gut zwei Wochen hat der abtrünnige libysche Generalmajor Chalifa Haftar eigenmächtig eine Militäroffensive gegen radikalislamische Milizen begonnen. Erst am Wochenende hatte ein Kampfjet Milizen-Stützpunkte in der Stadt Bengasi bombardiert.

Nach Angaben von Al-Wasat wurden auch Angehörige der "Schutzschild"-Brigaden von den abtrünnigen Haftar-Soldaten angegriffen. Diese ehemaligen Revolutionsbrigaden sind sehr mächtig und haben lange Zeit als eine Art Hilfsarmee mit dem Verteidigungsministerium in Tripolis zusammengearbeitet. Sie stehen der Muslimbruderschaft nahe, die sich wiederum auf die Seite der islamistischen Milizen gestellt hat.

In einem Land am Rande des Chaos

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Seit dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi 2011 hat sich die Lage in dem Land kaum stabilisiert. Die von den USA als Terrororganisation geführte Ansar al-Scharia soll im September 2012 an der Attacke auf das US-Konsulat beteiligt gewesen sein. Dabei waren der Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten getötet worden.

Regierungskrise dauert an

Auch die Regierungskrise in Libyen hält weiter an. Ministerpräsident Abdullah al-Thinni und sein gewählter Nachfolger Ahmed Maitieg konnten sich bislang nicht auf einen Machtwechsel einigen. Al-Thini hatte nach Drohungen von Milizen gegen seine Familie im April seinen Rückzug bekanntgegeben. Beide beanspruchen das Amt des Regierungschefs für sich. Der Streit dürfte andauern, bis am 25. Juni ein neues Parlament gewählt wird.

Das Machtvakuum machen sich auch internationale Terroristen zunutze. Nach Informationen der Vereinten Nationen hat sich das Terrornetzwerk Al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI) aus Algerien und Mali zurückgezogen, um sich im Süden Libyens neu zu formieren. Die berüchtigte Organisation will die Region mit Terroranschlägen weiter destabilisieren.