Libyen Die Zeit arbeitet für Gaddafi

Mit ihren Gewehren und Steinen könnten sich die libyschen Rebellen nicht gegen einen massiven Schlag ihres Despoten wehren. Sollte die Weltgemeinschaft ihnen tatsächlich beistehen wollen, sollte sie es jetzt laut sagen.

Ein Kommentar von Tomas Avenarius

Oberst Gaddafi schlägt zurück. Mit einem Angriff auf die Öl- und Hafenstadt Brega hat der libysche Diktator bewiesen, dass er seine wüsten Drohungen gegen die Aufständischen ernst meint. Er hofft, das Blatt nach zwei Wochen der Revolte wieder wenden zu können. Die Soldaten, Panzer und Kampfflugzeuge dafür hat er. Ausländische Söldner auch, angeblich stehen inzwischen ukrainische und algerische Piloten in seinem hochbezahlten Kriegsdienst. Diese dürften im Gegensatz zu Gaddafis zaudernden libyschen Kampffliegern jederzeit bereit sein, die "befreiten Städte" im Osten wirkungsvoll anzugreifen.

Die Aufständischen sind schlecht organisiert. Sie haben bisher keine Truppen aufgestellt, obwohl sie große Mengen an Waffen erobert haben, und zahlreiche Armeeoffiziere zu ihnen übergelaufen sind. Entweder sind die Rebellen uneinig oder sie sind unfähig zur Organisation. Die derzeitige Lage erfordert aber keine endlosen Debatten in den Bürgerkomitees, sondern Bereitschaft zum militärischen Handeln. Daran mangelt es ganz offensichtlich auf Seiten der Revolutionäre.

Währenddessen trommelt Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis weiter. Er sagt voraus, dass "die von al-Qaida angestifteten Unruhen" in wenigen Tagen beendet sein würden. Mit ein paar Luftabwehrkanonen, Gewehren und Steinen alleine werden sich die Rebellen tatsächlich gegen einen massiven Gegenschlag ihres Despoten kaum wehren können. Falls ihre Führer entgegen ihrer früheren Aussagen inzwischen wirklich auf Hilfe in Form einer UN-Flugverbotszone und auf mögliche Bombardierungen der Gaddafi-Truppen hoffen, sollten sie es jetzt sehr laut sagen. Denn die Zeit arbeitet für den "Bruder Führer".