Liberale FDP-Frauen wollen keine Quote

Zwei mächtige Frauen in der FDP, zwei Gegnerinnen der Quote: Generalsekretärin Nicola Beer (links) und Vizechefin Katja Suding.

(Foto: dpa)
  • Der Frauenanteil in der FDP beträgt derzeit 22 Prozent, es ist der niedrigste Stand seit 30 Jahren.
  • Einer der Vorschläge, um diesen zu steigern, ist eine Frauenquote.
  • Doch ausgerechnet unter den mächtigen Frauen in der FDP geht die Skepsis um.
Von Mike Szymanski, Berlin

Die FDP soll weiblicher werden. Das Präsidium hat sich am Montag darauf verständigt, bis zum Jahresende Vorschläge zu prüfen, mit denen der Frauenanteil von derzeit knapp 22 Prozent wieder gesteigert werden soll. Parteichef Christian Lindner hat das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, nachdem die Zahl der weiblichen Mitglieder in der FDP auf den niedrigsten Stand der vergangenen 30 Jahre gesunken ist. 1987 erreichten die Liberalen immerhin noch einen Wert von 25 Prozent. Derzeit liege der Frauenanteil bei den Neumitgliedern bei nur etwa 18 Prozent.

Im Beschlusspapier des Präsidiums heißt es nun: "Dass wir aber mehrheitlich eine Partei der Männer sind, gibt Anlass zur Selbstkritik." Nicht nur das. Die Sorge darüber, den Anschluss bei den Frauen zu verlieren, geht so weit, dass sich unter den als "ergebnisoffen" zu prüfenden Vorschlägen nun auch die Einführung einer Quote findet. Die Partei strebt auf Bundes- und Landesebene einen Frauenteil von einem Drittel an. Sollte dies per Selbstverpflichtung nicht erreicht werden, könnte eine "verpflichtende Frauenquote" greifen, womöglich zeitlich befristet.

"Wir sind die Partei des Wettbewerbs", sagt Katja Suding

Dass am Montag aber zur Abwechslung Generalsekretärin Nicola Beer im Anschluss an die Präsidiumssitzung über die Gespräche informierte und nicht Parteichef Lindner, lässt sich allerdings eher als Zeichen deuten, dass es bis zur Quote noch ein langer Weg sein dürfte - wenn sie denn überhaupt kommt. Beer gilt als Quotengegnerin. Sie machte klar, dass das Präsidium keine Entscheidung darüber getroffen habe. "Da ist nicht festgelegt: die Quote kommt", sagte Beer. Sie werde als eine unter anderen Maßnahme mitgeprüft. Sie selbst habe eine "relativ große Skepsis", was alle Formen von Quoten betreffe.

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Nimmt man allein die drei im Präsidium vertretenen Frauen zur Grundlage, hätte eine Quote kaum Chancen. FDP-Vize Katja Suding lehnt sie klar ab. Sie sagte der Süddeutschen Zeitung: "Eine feste Quote halte ich nicht für zielführend. Wir sind die Partei des Wettbewerbs, die jeweils Besten sollen sich durchsetzen". Die dritte Frau im engsten Führungszirkel der Partei, Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist die einzige, die eine gewisse Offenheit für eine Quote erkennen lässt. Sie sagte vor einigen Tagen in der Frankfurter Allgemeinen, ihr innerer Kompass sage zwar "Nein zur Quote", da aber das Prinzip Freiwilligkeit am Beispiel der Unternehmen keinen wirklichen Erfolg gezeigt habe, sei sie hin- und hergerissen, "eine Zeit lang eine Quote mal auszuprobieren".

Bei derart wenig Rückhalt unter den Frauen in der Parteispitze dürfte eine Quote wohl weiter eher wenig Chancen haben. Das bedeutet aber nicht, dass sich in der Partei nichts ändern soll. "Unsere Herausforderung ist es, mehr Frauen für Kandidaturen für Funktionen und Mandate zu begeistern. Bisher bewerben sich einfach zu wenige Frauen", sagte Suding. Sie gehört einer 14-köpfigen Arbeitsgruppe an, die ein Konzept erarbeiten soll. Darin arbeitet auch der FDP-Abgeordnete Thomas Sattelberger mit, ein früherer Topmanager. Als Personalvorstand setzte er 2010 durch, dass die Telekom eine freiwillige Frauenquote einführte.

Suding sagte: "Jetzt ist es offenbar so: Nicht die Frauen brauchen die FDP, die FDP braucht die Frauen." Die FDP müssen es schaffen, "vom Ortsverband bis zur Bundesebene" Frauen für eine Mitarbeit zu gewinnen und ihre Talente besser zu nutzen. Sie möchte darüber reden, wie Parteiarbeit familienfreundlicher organisiert werden könne, welche Themen die Frauen stärker interessierten und wie sich die FDP in ihrer Außendarstellung ansprechender für Frauen präsentieren könne. Erste Ergebnisse sollen bereits auf dem Parteitag Mitte Mai vorgestellt werden.

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