Libanon Syriens Nachbar im Gleichgewicht des Schreckens
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Tausende Golf-Araber verlassen fluchtartig den Libanon, weil ein mächtiger Clan mit Entführungen von Unterstützern der syrischen Rebellen droht. Der Konflikt im Nachbarland destabilisiert die Lage im Libanon zusehends. Und könnte dort die fragile Machtkonstellation ins Wanken bringen.
Die Sorge über eine Ausweitung des Syrien-Konfliktes wächst: Dutzende Araber aus den Golfstaaten haben sich am Donnerstag auf den Weg von Beirut in ihre Heimat aufgemacht, nachdem ihre Regierungen Reisewarnungen für den Libanon veröffentlicht hatten. Grund für die Warnungen sind die Aktionen eines schiitischen libanesischen Familienverbands.
Ein Sprecher des Al-Mokdad-Clans hatte erklärt, die Familie habe einen Türken und mehr als 50 Syrer in Beirut und in der Bekaa-Ebene in ihre Gewalt gebracht. Sie wolle demnächst zudem Araber aus Staaten entführen, die den Aufstand in Syrien unterstützen. Damit wollten sie die Freilassung ihres Angehörigen Hassan al-Mokdad erzwingen. Dieser wird ihren Angaben zufolge von syrischen Rebellen gefangen gehalten.
Viele Libanesen befürchten nun, dass der Konflikt auf ihr Land übergreift. Bereits in den vergangenen Wochen hatten Medien immer wieder von Gefechten in Grenznähe zwischen syrischen Rebellen und syrischen Regierungstruppen berichtet. Artilleriegeschosse trafen Anfang August das nordlibanesische Dorf Khirbit Dawoud, dabei wurden zwei Menschen verletzt.
Strategischer Knotenpunkt im Waffenschmuggel
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Hinzu kommt, dass im Norden des Landes auch eine wichtige Versorgungslinie der syrischen Rebellen verläuft. "Ein Teil der Unterstützung für den syrischen Widerstand läuft durch die vorwiegend sunnitisch bewohnten Grenzgebiete im Norden und Nordosten des Libanon", erklärt Heiko Wimmen, Mitarbeiter der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, zu Süddeutsche.de. "Sie sind strategische Knotenpunkte, auch in Bezug auf Waffenschmuggel. Aus Sicht des Assad-Regimes ist es da problematisch."
Bislang reagierte die libanesische Regierung nicht auf die Kämpfe an den Grenzen. Die Auslieferung von 14 Syrern an das Assad-Regime Anfang August zeigt aber, dass die libanesische Regierung keineswegs neutral ist. Seit 2010 wird die Mehrheit des Parlaments von der Hisbollah kontrolliert. Die islamistische Organisation wird von Syrien und Iran unterstützt. Das macht eine Auseinandersetzung mit der Syrienkrise innerhalb des Libanon fast unmöglich.
"Die libanesische Regierung ist derzeit lahmgelegt. Die politischen Gruppen scheuen die Auseinandersetzung mit der Hisbollah", sagt der libanesische Journalist und Politikwissenschaftler Abdel Mottaleb El Husseini zu Süddeutsche.de. Es herrsche derzeit ein Gleichgewicht des Schreckens. "Grund dafür ist die dominierende Stellung und starke Waffengewalt der Hisbollah."